Von links nach rechts: Jakob Petzl, Matti Oehl, Antonia Hausmann und Philip Frischkorn. Foto: Susann Jehnichen

„Trio.Diktion“ – Romantischer Jazz aus Leipzig

Von Julian Krenz – „Trio.Diktion“, das sind nicht drei, sondern vier junge Musiker aus Leipzig, die zusammen einen neuen Stil, eine neue Ästhetik fanden. Matti Oehl (Altsaxophon, Klarinette, Glockenspiel), Antonia Hausmann (Posaune), Jakob Petzl (Kontrabass) und Philip Frischkorn (Klavier) schaffen inspiriert von Liederzyklen der klassischen Romantik, aktueller Singer-Songwriter-Musik und Broadway-Songs des zwanzigsten Jahrhunderts erfrischenden und spannenden Jazz. Die untypische Besetzung des Quartetts lässt den Hörer neue Klangwelten entdecken. Nur eine logische Folge, dass die Leipziger beim erstmals vergebenen Münchner Jazzpreis im Jahr 2013 sogleich die Bronze-Medaille holten.


Trio.Diktion: "Hotel Savoy"
Trio.Diktion: „Hotel Savoy“

Am 19. März veröffentlichten unsere Newcomer des Monats ihr neues Album „Hotel Savoy“. Das Werk versprüht eine angenehme und frische Romantik, die Lust macht auf lange Sommernächte und zum Träumen einlädt. Acht Titel, darunter veträumte wie „Ein verlorener Romantiker“ oder klassisch-programmatische wie „Des Waldes nächtlich tiefe Ruh‘“, lassen das Album fast wie eine Erzählung mit Spannungsbogen wirken, die leider nach nur etwas mehr als 30 Minuten viel zu früh ihr Ende findet. In Zukunft ist man gut beraten, die jungen Leipziger im Auge zu behalten. Hier finden sich alle Zutaten für großartigen Jazz. Für die JazzZeitung beantwortet das Quartett brennende Fragen und spricht über Vergangenheit und Zukunt.

„Trio.Diktion“, das klingt eigentlich nach drei Musikern… Woher also der Name?

Das ist eine häufig gestellte Frage. Die Idee zu Trio.Diktion entstand nachdem wir – Matti, Jakob und Philip – zusammen klassische Musik gehört hatten und dachten, es wäre an der Zeit eine Jazzband zu gründen, die sich stärker als wir es bis dato kannten mit dem Klang der klassischen Musik beschäftigt. Matti hat dann ein Konzert für uns ausgemacht und den Namen gefunden. Aber schon sehr schnell danach haben wir uns entschieden Antonia zu fragen, weil wir noch eine weitere Bläserstimme wollten. Dann haben wir den Namen aber nicht mehr geändert. Jetzt begreifen wir ihn als Eigennamen.

Wie habt Ihr zu einander gefunden, wann und wo hat es „gefunkt“ zwischen Euch?

Wir haben uns an der Leipziger Musikhochschule kennen gelernt. Dort haben wir alle im selben Semester angefangen zu studieren, also kannten wir uns aus dem Studienalltag. Gefunkt hat es dann beim „Ring des Nibelungen“. Das war in Mattis kleinem Studentenzimmer Mitte 2012. Und es funkt immer noch…

An welchen Musikern habt Ihr Euch bei der Findung Eures interessanten Stils orientiert?

Jeder von uns hat ganz individuelle Vorbilder für sein je eigenes Spiel. Wir mögen Beethoven, Wagner und Mahler, aber eben auch Lee Konitz, Nils Wogram, die Beatles und James Blake, was dann auf welche Weise in die Musik eingeht lässt sich ja immer nur schwer sagen.

Wer schreibt Eure Stücke?

Wir schreiben alle. Das war von Anfang an wichtig. Wir begreifen die Band tatsächlich sehr kollektiv und damit jeder seine Vorstellung mit einbringt, ist es wichtig, dass auch jeder komponiert. So findet man am einfachsten heraus, was dem anderen wichtig ist, wie er Musik begreift und man lernt am schnellsten.

Stichwort Münchner Jazzpreis 2013. Wie wichtig war der dortige dritte Platz für Euch als Band?

Der Münchner Jazzpreis war eigentlich eine zwiespältige Erfahrung. Wir waren glücklich unter den drei eingeladenen Bands zu sein und haben ein schönes Konzert gespielt und sehr viel positives Feedback von den Zuhörern bekommen. Gleichzeitig war die Jury anscheinend nicht sehr überzeugt und dann ist man im ersten Moment enttäuscht. Diese Erfahrung hat uns letzten Endes aber darin bestärkt unseren eigenen Weg zu gehen, und der Leipziger Jazznachwuchspreis 2014 war dann die Bestätigung für uns, auf dem richtigen Weg zu sein.

Spielt Ihr lieber im gemütlichen Jazzclub oder im großen Konzertsaal? Und wieso?

Das kann man so allgemein nicht beantworten. Wir mögen beides, Clubs und Konzerträume. Viel wichtiger ist es, dass die Bedingungen gut sind, zum Beispiel, dass es ein ordentliches Klavier oder einen Flügel gibt, dass die Akustik gut ist und auch, dass das Publikum aufmerksam ist. Richtig große Räume haben wir noch nicht bespielt. Aber auch das funktioniert sicher super.

Gibt es Pläne für größere Touren im Jahr 2015?

2015 sind wir zweimal länger unterwegs. Im März, auch um unser erstes Album vorzustellen und dann nochmal im Oktober.

Wo seht Ihr Euch in fünf Jahren? Und in zehn?

Wir versuchen nicht allzu weit zu denken und natürlich auch nicht zu kurz. Wir wollen auf jeden Fall noch zehn Jahre gemeinsam musizieren, uns in Frage stellen und weiter entwickeln, weitere CDs aufnehmen, Konzerte spielen und alles andere wird sich dann schon fügen.

Wer kurzfristig noch Zeit und Lust hat, besucht einen der letzten Termine der „Hotel Savoy“-Tour.

Weitere Informationen, Konzerttermine und Soundproben finden Sie unter http://www.triodiktion.de/.

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