Eine Frage der Aura: die Jazzfotoausstellung „dombrowski: faces – traces“ in der Münchner Unterfahrt

Ganz ohne Leidenschaft geht es nicht. Denn sonst würden die vielen Konzerte, die man als Musikjournalist im Laufe seiner Arbeit erlebt, irgendwann zur Hörroutine. Eine schreckliche Vorstellung, sowohl für den, der da auf der Bühne steht und von einem Kritiker beäugt wird, als auch für den, der sich im Publikum unter die Menge mischt, um einen möglichst authentischen Eindruck von der Wirkung des künstlerischen Geschehens zu erhaschen. „In diesem Jahr sind tatsächlich zwei Jahrzehnte ins Land gegangen, seitdem ich meine erste Kritik für die Süddeutsche Zeitung geschrieben habe,“ meint der Münchner Jazzspezialist Ralf Dombrowski. „Ich habe unglaubliche Konzerte erlebt, auch manches weniger Bedeutende, was ich oft schon vergessen habe. Aber die Faszination für Live-Musik ist nach wie vor vorhanden. Und da hilft auch die Kamera, denn sie ermöglicht eine andere Sicht auf die Dinge, die auf der Bühne passieren“.


Seit einer knappen Dekade gehört sie inzwischen zu seinen Konzertbegleitern, aber erst seit etwa fünf Jahren zückt er sie auch, um über das eigene dokumentarische Interesse hinaus möglichst treffende Bilder zu machen: „Das ist eine Herausforderung, denn mir geht weniger um den großen Effekt, als eher um diese besonderen Momente, wenn Musiker auf der Bühne ganz bei sich sind. Wenn sie zuhören, in sich hineinhorchen, ganz in ihrer Kunst aufgehen. Diese Momente zu erwischen, gelingt beileibe nicht immer. Aber wenn doch, dann kommen Fotos dabei heraus, die sich deutlich von dem Posertum unterscheiden, das die Musikfotografie häufig prägt“.

Einige dieser spezielle Augenblicke hat Ralf Dombrowski nun zu einer Ausstellung zusammengefasst, die von 19. Januar an zwei Monate lang in der dem Jazzclub Unterfahrt angegliederten Galerie Jazz & Malerei zu sehen sein werden. Es sind Bilder von Al Jarreau bis Archie Shepp und Acoustic Africa bis ZZ Top, intensive, persönliche, manchmal auch entrückte Momente mit dem Blick des Hörprofis, der weiß, wann er auf den Auslöser zu drücken hat. Denn am Ende geht es um die Aura, die einen Künstler umgibt und die sich im Idealfall auch in Bildern festhalten lässt.

 

Ausstellung „dombrowski: faces – traces“, Eröffnung 19. Januar 2013, 19:30, Jazzclub Unterfahrt, Einsteinstraße 42, 81675 München, mit anschließender Art Session unter der Leitung von Stefan Noelle

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