Im Silbermeer des Mittelalters

Vor mir saß im Konzert ein Mann, dessen Brille, machte mich meine Nachbarin aufmerksam, von der gleichen Manufaktur stammt wie die meine. Man könnte annahmen, er habe auch sonst den gleichen Geschmack. Schließlich sitzt er auch im gleichen Konzert. Und ja, ein Gespräch am Ende eines weiteren Konzertes bbestätigte diese Vermutung. Man war gemeinsam angetan. Das Alter des Mannes passte auch in den Zusammenhang. Man ist eine Generation. Mittelalter. Und dann sieht man sich um: Alles ist hier Mittelalter und vorwiegend männlich.


Ein Meer in Silber. Foto: Hufner
Ein Meer in Silber. Foto: Hufner

Das vielbeschworene Silbermeer, oft dem klassischen Kozertsaal oder der Oper zugeordnet, exisitiert vor allem bei den Festen des Jazz. Alles ströbelt in allen Ecken. Demgegenüber dann die Musiker auf der Bühne: Christian Scott (dessen Mitmusiker so 22, 23, 24 Jahre alt sind). Heute abend Monika Roscher mit ihrer BigBand (auch keine alten Herren). Michael Wollny! (Obwohl, der sieht nur so jung aus!)

Auf der anderen Seite: Olle so genannte Legenden. Pharoah Sanders (74), Jack DeJohnette (71), Ernst-Ludwig Petrowsky (80), Joachim Kühn (69), Fred Wesley (70). Knapp schon steinalt, aber nicht veraltet in ihrer Musik. Und wen erreichen Sie eben? Uns, zwischen 40 und 60, die geburtstarken Jahrgänge, den Mainstream der Gesellschaft. So als ob diese Veranstaltung vom Gesundheitsministerium bezahlt worden wäre. Seht ihr! Mit 65 ist noch nicht Schlusss. Damit ihr durchhaltet, geben wir euch den Jazz. Eure Gegenleistung: Ihr fördert den Jazz und Jazzclub also solchen – oder macht im Zweifel sogar selbst einen auf.

Ich weiß nicht, ich komme so wenig zum Reisen, wie das in anderen Ländern aussieht. Wie ist das im Senegal, in Thailand, in Peru, in Kasachstan? Oder ist das am Ende nur in Berlin so.

Unsere Facebook-Fangemeinde sieht jedenfalls so aus:

Wir hier bei Facebook.
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Da muss man schon mal drüber nachdenken. Das können wir in diesem Alter ohnehin am Besten. Woher sonst kommen die grauen Haare, wenn nicht vom ständigen Kopfgekratze. Da werden die Farbpigmente zwangsläufig herausgerubbelt – oder der Haarwuchsbestand extrem dezimiert.

Disclaimer: Der Autor des Textes ist 49, fast haarlos und nur im Bart ergraut, unterhält weder Beziehungen zur Transplantationsmedizin, zu einer Jazzfirma oder ist mit einem der Musiker verwandt oder verschwistert.

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