(Text und Fotos: Stefan Pieper) Hoch oben auf dem Vigiljoch, in einem Mittagskonzert vor mächtiger Bergkulisse, geschah etwas, das den Ton dieser 44. Ausgabe am reinsten traf. Das norwegische Duo Sissel Vera Pettersen und Eirik Hegdal umarmt die Landschaft mit seiner Musik. Aus den langen, offen assoziativen Stücken öffnen sich weite Räume, die flächig und ambienthaft wirken und dann konkreter werden, getragen vom lyrisch atmenden Saxofon, Hegdals Klarinette und einer Stimme, die Pettersen ganz instrumental einsetzt. Exotisch anmutende Figuren wirken wie aus einer nordischen Folklore, die elementaren Zuständen nahe ist. Dazu pulsieren sanft tiefe Bassfrequenzen aus der Elektronik, wie die Stöße eines heißen Sommerwinds, der sich mit dem freien Spiel des Duos synchronisiert. Konzerte auf Bergeshöhe sind stets das gewisse Etwas dieses Festivals, und mit ihrem grenzenlosen atmosphärischen Gespür haben die beiden die Messlatte höher gelegt. Wenn das Wetter Regie führt Manchmal zogen nachmittags Gewitter auf und erzwangen Verlegungen nach drinnen; das war längst eingespielte Routine. Das Schweizer Trio um die Lausanner Kontrabassistin Louise Knobil wich kurzerhand in die Wohnzimmeratmosphäre des Hotels Bad Ratzes aus, am Fuße des Schlern-Massivs. Knobil, die sich als Marke inszeniert …
Weiterlesen