Nabburger Schlagzeuger Jonas Sorgenfrei hat bereits ein halbes Dutzend Alben veröffentlicht
Nabburg/Nürnberg. Die Liste mit Musiker:innen ist lang, mit denen Jonas Sorgenfrei zusammengespielt hat. Etwas kürzer eine weitere mit Auszeichnungen und Preisen des gebürtigen Nabburgers. Noch etwas kürzer eine Aufzählung seiner Veröffentlichungen. Hält man sich dann allerdings vor Augen, dass ein junger Schlagzeuger mit gerade 33 Jahren bereits auf ein halbes Dutzend Alben blicken kann, ist das eine ganze Menge.
Sein jüngstes Album, mit „Quintet Live“ betitelt, ist erstmals im letzten Herbst als rein digitales Produkt veröffentlicht worden. Weil es in diesem Jahr für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Rundfunkproduktion des Jahres“ nominiert worden war, ist Sorgenfrei noch einmal rangegangen und hat das Album in einer kleinen, limitierten Auflage als CD-Edition pressen lassen. Produziert hat es der Bayerische Rundfunk mit einer kleinen Anzahl von Zuhörenden im Münchener Studio. Sie geben der Liveaufnahme den Charme und die Vitalität eines intimen Clubkonzerts.
„Quintet Live“ beschränkt sich auf vier Stücke, allesamt aus Vorgängeralben, die für diese Besetzung neu arrangiert wurden. „Life upon a dying star“, ein melancholisch-anrührendes Stück über das Leben auf einem sterbenden Stern, ist der schönste Song. Während Florian Trübsbach, Sopransax, und Gitarrist Philipp Brämswig das Leben in leuchtenden Farben und ineinander verschlungenen Girlanden besingen, taumelt das Schlagzeug im Hintergrund langsam aber unaufhaltsam dem unausweichlichen Ende entgegen.
Anders „Elephants Marching On“ von Sorgenfreis gleichnamigem Debütalbum. In der Hochphase der Epidemie beim Schweizer Musikerlabel Unit Records 2021 erschienen, schwingt in dem tagträumerisch ruhigen Stück eine optimistisch-widerständige Haltung mit. „Wir lassen uns nicht unterkriegen“ scheint der dickköpfige Bass von Matthias Akeo Nowak zu summen, während er beharrlich voranschreitet. Dabei hält er eine vibrierende Verbindung zum filigran pulsierenden Spiel des Bandleaders.
Es ist ein wunderbar konzentriertes Zusammenspiel, das die Musiker zusammen mit dem Pianisten Rainer Böhm an den Tag legen. Selbst mit dem Abstand zur Dynamik der Livesituation macht es das Album zu einem Hochgenuss modernen ausdrucksstarken Mainstreamjazz. Es erzählt mit einem warmen, vollen Bandsound von Stimmungen und Emotionen, von „Something Familiar“ und steht der nordischen Ecm-Tradition ebenso nahe, wie dem zeitgenössischen Sound nordamerikanischer Prägung.
Der Oberpfälzer zählt damit zu den interessantesten Talenten des aktuellen Jazz Deutschlands, sowohl was sowohl sein leichtes, dabei immer hochdifferenziertes und farbiges Spiel, als auch seine kompositorischen Fähigkeiten umfasst. Den Deutschen Jazzpreis hat zwar dieses Mal eine andere Formation mit ihrer Rundfunkproduktion gewonnen. Aber bereits mit seinem aktuellen Album „Cracks in the Silence“ dürfte er kommendes Jahr gute Chancen auf einen vorderen Platz haben – wenn er sich damit wieder bewirbt.
Mehr Infos unter: www.jonassorgenfrei.com/live oder jonassorgenfrei.bandcamp.com/album/cracks-in-the-silence
Beitragsbild: Jonas Sorgenfrei (links) mit den Musikern seines Quintetts, Foto: Paul Bießmann