Improviser in Residence Emilio Gordoa Foto: Simon Zangger

48. moers festival mit Sao Paulo- und Tokyo-Special

Seit 1972 bricht das moers festival mit Normalitätserwartungen an Musik und ist ein Versprechen an das Ungezähmte jenseits des Mainstreams. Für die 48. Festivalausgabe vom 07. bis 10. Juni 2019 fordert das moers festival: „Strengt euch an!“


„Mit Experimenten, Schwerpunkten, Statements, Ausbrechern, Piraten und Gefährten behauptet moers das stete doch! in einer verwirrenden Welt, die dringend Utopien und Träume braucht.“ So kündigen die Organisatoren aus Moers ihr diesjähriges Festival an. Bei 99 Konzerten an 35 Spielorten, unter anderem im Schlosspark, an verschiedenen Stellen in der Innenstadt und im eigens gestalteten Festivaldorf, gibt es Jazz aus den verschiedensten Szenen und Stilen zu hören.

Japanese New Music Festival. Foto: moers festival

Gleich mit mehreren Acts sind die Jazz-Szenen Sao Paulos und Tokios vertreten. Tom Zé, der Mitbegründer des brasilianischen Tropicalismo ist mit 82 Jahren noch immer Rebell. Auch Rodrigo Brandāo ist als politisch entschiedener spoken word-Poet ein ungewöhnlicher Gast. Als „Herzstück und Ausgangspunkt“ der vielversprechenden jungen Jazz-Szene Sao Paulos kündigt das moers festival die Gruppe Metá-Metá an, die sich mit der eigentlich rivalisierenden ebenfalls sehr erfolgreichen Band Passo Torto zum Projekt Clube da Encruza zusammengetan haben. Das „Japanese New Music Festival“ ist mit neun Auftritten vertreten, unter anderem mit den Autotune-Pop-Dekonstruktivisten vom Tokioter Yasei-Collective und dem Improvisationskünstler Toshimaru Nakamura, der mit elektronischen Schaltkreisen experimentiert.

Daneben wird aber auch die französische Jazz-Szene in Moers aufschlagen. Insgesamt sieben Gruppen aus Frankreich, darunter der bretonische Dudelsackspieler Ervan Keravec, der die Grenzen seines Instruments auslotet und dabei neue Klangwelten entdeckt, sind beim Festival zu hören. Abacaxi hingegen jagt Audioschnipsel in Lichtgeschwindigkeit durch das Publikum, während BaKos mit einem außergewöhnlichen Crossover zwischen Electro, Dub, Rock und Jazz aufwartet. Zuende geht das moers festival 2019 ebenfalls mit französischen Künstlern: La Colonie de Vacances ist am Montagabend zu hören.

Andrea Taeggi. Foto: moers festival

Ein weiteres Thema des Festivals: das klare Statement „Analogtechnik klingt besser!“. Zum Beispiel bei der Live-Weltpremiere der dystopischen Free Jazzer von Anguish um Mats Gustafsson und Mitglieder von Dälek. Elektroniker Andrea Taeggi kommt mit drei altertümlichen ARP-Synthezisern und seinem Projekt „The Third Eye Squeegee“ nach Moers. Außerdem soll viel diskutiert werden: „Darüber, ob Musik das Wichtigste ist. Oder der Sound, das Licht oder Wahnsinnssoli…“. Nicht nur mit dem Programm, sondern auch mit der Pressekonferenz, den Plakaten und dem Bühnenbild will das moers festival sein Publikum zur Reflexion und Diskussion anregen. Mit zahlreichen unkonventionellen Sonderaktionen, wie dem Unterwasserkonzert im Aktivbad, musikalische Aktionen im Festivaldorf, Jazz-Sessions, Filmvorführungen mit neuem Soundtrack („Filmclub Klappe“), Live-Zeichnung zu Musik (Korhan Erel und Malte Jehmlich) und vielem mehr, zeigt das Festival wieder einmal seine große Experimentierfreude.

Dank der Unterstützung der Kunststiftung NRW können auch Sonderprojekte wie das diesjährige „Global Improvisers Orchestra“ realisiert werden. Hier treffen zehn Musikerinnen und Musiker aus neun Ländern und vier Kontinenten für eine Probenwoche zusammen, um in Moers eine Welturaufführung zu zelebrieren. Auch die „Moers Abstractions“ sind als Idee des moers festival nur durch die Förderung der Kunststiftung NRW zu realisieren. Mit Blick auf die legendäre Scheibe „Jazz Abstractions“ von Gunther Schuller ermunterte Tim Isfort Vince Mendoza, eine Komposition für zwei besondere Klangkörper zu schreiben: das Ensemble Musikfabrik NRW und die WDR Big Band treffen dabei auf den Saxofonisten Joshua Redman. Auch in der 48. Festivalausgabe gibt es außerdem einen improviser in residence: Emilio Gordoa präsentiert sein speziell für das Festival konzipiertes M0VE Quintet und ist außerdem ebenfalls unter Wasser zu erlauschen. Rechzeitig zur Programmbekanntgabe hat nun das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW bekanntgegeben, das Festival 2019 mit 200.000 Euro fördern zu wollen. Mit der damit verbundenen Erhöhung der Fördersumme um 50.000 Euro folgt das Land NRW dem Signal des Bundes von Ende 2018. Die BKM (Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung) hatte die jährliche Förderung von 150.000 Euro auf 250.000 Euro bis einschließlich 2023 erhöht und für das Jubiläumsjahr 2021 weitere 150.000 Euro in Aussicht gestellt.

Für diejenigen, die nicht live dabei sein können: Fast alle Konzerte aus der Festivalhalle und dem Festivaldorf werden im Live-Stream bei ARTE zu sehen sein. Weitere Informationen zum Programm und den Sendungen unter: www.moers-festival.de

Beitragsbild: Improviser in Residence Emilio Gordoa. Foto: Simon Zangger

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