Ein echtes „Bunker-Kind“: Luise Volkmann kam mit großer Band in ihre Bielefelder „Heimstätte“ zurück

Der Bunker Ulmenwall wurde in diesem Jahr einmal mehr mit dem Spielstättenpreis für seine Programmplanungen ausgezeichnet. Und dies zu Recht, markiert diese Örtlichkeit doch seit Jahrzehnten eine prägende Institution – nicht zuletzt für den ambitionierten MusikerInnen-Nachwuchs: Entsprechend wäre auch die rasante Laufbahn der gebürtigen Bielefelderin Luise Volkmann – einer hochkreativen Bandleaderin, Saxofonistin und Komponistin – ohne den Bunker wohl kaum denkbar! Die heute 25-jährige hat bereits ein Studium in Leipzig absolviert, danach folgte ein Erasus-Stipendium in Paris. Dorthin zieht es sie nach wie vor immer noch regelmäßig, um die Energie einer internationalen Musikmetropole begierig aufzusaugen und sich sozial-künstlerisch bestens zu vernetzen.


Also durfte man Großes erwarten, als sie mit einer 12-köpfigen Truppe zum „Heimspiel“ zurück in den Bunker Ulmenwall kam. Und doch übertraf die in bestem Sinne „un-erhörte“, von ihr komponierte und arrangierte Musik alle Erwartungen. Luise Volkmann will es wissen, so viel ist klar! Ihre bescheiden wirkenden Ansagen versprechen „Songs“, in denen sie auf musikalische Weise von persönlichen Beziehungen erzählt. Aber dann eröffnen sich grenzenlose Weiten, in denen sie mit ihrer Band Ideen und Klänge bestechend kreativ zu verflechten weiß. Sie macht gerne das ganz große Fass auf – und meist geht es nicht unter einer mindestens 15-minütigen Jazz-Oper ab! Ja, der Begriff „Oper“ passt hier durchaus, führen denn die opulenten Arrangements mit weitgespannten Melodien doch in reiche emotionale Wechselbäder hinein. Aber diese Klangwelt kennt auch widerborstig aufbegehrende Momente, denn Luise Volkmann ist auch dem subversiven Geist des Punkrock zugetan. Aber wo andere – gerade in großen Besetzungen – labyrinthisch oder auch mal zu exaltiert daherkommen, transportiert Luise Volkmanns eigenwillige musikalische Sprache etwas entwaffnend-uneitles!

Auf Saxofon und Flöte ist sie Teil dieses Ensembles, das sie zu ihrem eigenen Instrument macht. Sie dirigiert mit sparsamer Geste, wenn sie nicht gerade spielt. Mal ist es ein poetisches Stück über ein Schneeglöckchen, wo verblüffend sensibel die Ausdruckswelt des Kunstliedes im 19. Jahrhundert getroffen wird. Dann wieder sind Zitate aus Gedichten von Rilke und Bukowki („meine Lieblings-Lyriker!“) die Keimzelle für komplexe theatralische Spannungsbögen. Phasenweise singen sogar alle gemeinsam. Wenn Luise Volkmann in ihren Arrangements musikalische Ebenen übereinander schichtet, bleibt viel Luft für befreiendes Atmen. Ihre Bandmitglieder für die Formation „Été Large“ kommen aus einem halben Dutzend Nationen – und sind allesamt musikalische Charakterdarsteller im besten Sinne! Da reibt sich die klassische Gesangstechnik von Laurin Oppermann mit der freigeistigen vokalen Sinnlichkeit von Casey Moi, einer in Schweden lebenden Australierin. In einem lodernden, clustergesättigt-wuchernden Pianosolo lässt Johannes Bigge die Luft im Bunker brennen…

Wo nimmt dieser junge Musikerin, die anscheinend so dermaßen genau weiß, was sie tut und will, diese ganzen Ideen her? Antworten mag ein Interview liefern, das in den nächsten Tagen in der Kategorie „Portraits“ zu lesen ist.

 

Stefan Pieper

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