Fractal Limits, Vardan Ovsepian (p), Tatjiana Parra (voc), Heizwerk, Erfurt, Achava Jazz Award 2017, Foto Ralf Dombrowski

Bildergalerie: 1. Achava Jazz Award verliehen

ACHAVA ist mehr als ein Festival – es ist ein Lebensgefühl! Der Kern der Botschaft der ACHAVA Festspiele – Brüderlichkeit, Verständnis, Respekt für den Anderen – gewinnt immer mehr an Gestalt. Es fand ein reger und vor allem direkter Austausch auf vielen Ebenen statt: Konzerte, Diskussionsrunden, wie die „Erfurter Religionsgespräche“, Schülertreffen, eine Filmreihe und Ausstellungen boten Raum für einen intensiveren oder sogar neuen Blick auf die Welt.

Am Abend des 9. Septembers 2017 endeten die ACHAVA Festspiele Thüringen mit einem packenden Abschlusskonzert des Omer Klein Trios. Von romantisch-verträumten Klängen bis hin zu aufrüttelnd-energetischem Jazz riss er das Publikum mit. Als besondere Überraschung präsentierte er ein selbstgeschriebenes Lied auf hebräisch, von ihm persönlich gesungen. Die diesjährigen ACHAVA Festspiele Thüringen erreichten einen neuen Besucherrekord. Trotz einer etwas geringeren Anzahl an Veranstaltungen wurden ca. 18.800 Besucher gezählt. Dazu trug insbesondere das große ACHAVA Straßenfestival um die Krämerbrücke bei, das etwa 12.000 interessierte Gäste verbuchen konnte. Für Stimmung sorgten die jungen Akteure des Romano Glaszo Projects – eine ungarische Initiative zur Integration von Sinti & Roma – gemeinsam mit Helmut Eisel und dem Gitarristen Joscho Stephan sowie der String Company. Der Weimarer Drum Circle animierte Zuschauen zum rhythmischen „Draufhauen“, bis Wenigemarkt und Lutherstieg bebten. Der Kinderzirkus Tasifan verzauberte besonders die kleinen Gäste. Händler und Besucher zeigten sich begeistert von diesem neuen interkulturellen Format.


Wie geplant, wurde das Schülerprogramm gemeinsam mit der Evangelischen Schulstiftung ausgebaut. Beim Schülerforum im Thüringer Landtag nahmen über 300 Schüler teil, lernten, wie Demokratie funktionierte und Minderheiten in Deutschland leben und (an)gesehen werden. In den folgenden vier Tagen fanden Schülerpanels in vier Thüringer Schulen statt. Auch hier stand die persönliche Begegnung im Vordergrund. Gut vorbereitet und diskutierfreudig sprachen die Schüler und Schülerinnen mit dem Vorsitzenden des  Zentralrats der Sinti und Roma in Deutschland, einer angehenden jesidischen Lehrerin, die vor vielen Jahren aus dem Irak flüchtete, u.a. Musikalische Workshops mit dem Romano Glaszo Project luden zum Mitmachen ein. Dieses durch und durch erfolgreiche Format soll auch in Zukunft viele Schüler und Lehrer erreichen, um den Blick zu weiten.

„Um Mitmenschlichkeit, Verständnis und Respekt für anderen Menschen, Kulturen und Religionen zu fördern, ist Bildung eine enorm wichtige Grundlage. Aus diesem Grund legen die ACHAVA Festspiele Thüringen großen Wert darauf, aktuelle Themen auch für Kinder und Jugendlich so aufzubereiten, dass ein konstruktiver Austausch und Lernen mit Praxisbezug möglich gemacht werden Beim Straßenfest zeigte sich, dass ein respektvolles und interessiertes Miteinander gewünscht und machbar ist. Wir wollen auch in Zukunft das „Lebensgefühl ACHAVA“ vermitteln und ausbauen.“ erklärt Martin Kranz, Intendant der ACHAVA Festspiele Thüringen.

Die „Universalsprache“ Musik riss die Gäste beim Konzert mit „MoZulu Art – Mozart meets Zulu“ von den Stühlen. Die Bühne bebte bei „Gypsy Soul & Jewish Heart“ und rief Stürme der Begeisterung hervor.

Erstmalig wurde der ACHAVA Jazz Award verliehen – ein Pilotprojekt in Kooperation mit der Hochschule für Musik FRANZ LISZT – federführend Prof. Manfred Bründl – und der Sparkassen Mittelthüringen, die den interkulturellen Preis mit 10.000 Euro dotierte. Peter Schulze (Künstlerischer Leiter der Jazz-Fachmeese »jazzahead« sowie Sendesaal Bremen) bezeichnete die ACHAVA Festspiele gar als eines der profiliertesten und spannendsten Festivals Deutschland. Gewonnen hat das Duo „Fractal Limit“ mit Vardan Ovsepian (Armenien) und Tatiana Parra (Brasilien). Unsere Bilder stammen von Ralf Dombrowski:

Das Verdi Requiem im Erfurter Dom erinnerte feierlich an die Ermordeten des KZ Theresienstadt. Die Staatskapelle Weimar mit seinem Dirigenten Kirill Karabits, der MDR Rundfunkchor und vier wunderbare Solisten boten eine ergreifende Vorstellung.

Unter dem Titel „Sea Lavender – die Euphorie des Seins“ tanzte die Holocaust Überlebende Éva Fahidi-Pusztai ihr Leben mit und im Vergleich mit der jungen ungarischen Tänzerin Emese Curhoka in der SCHOTTE. Die Gäste im ausverkauften Theater hielten buchstäblich den Atem an und dankten mit „Standing Ovations“ für diese unvergessliche Darbietung.

Nach 72 Jahren erklang erstmalig wieder „Die Geige von Buchenwald“ – sie gehörte dem Schriftsteller Bruno Apitz (Nackt unter Wölfen) und wurde der Gedenkstätte Buchenwald von seiner Witwe Marlis Apitz übergeben. Ein Gesprächskonzert mit Matthias Wollong, Susanne Hantke, Marlis Apitz und Daniel Schmidt förderte Bekanntes und Neues über den berühmten Autoren zutage. Matthias Wollong spielte auf der gut erhaltenen Geige Stücke von Bach aber auch Lieder, die im Lager Buchenwald entstanden und aufgeführt wurden.

Die in der Galerie Bilder Bethge gezeigte Ausstellung „Beladene Bücher“ der israelischen Künstlerin Nechama Levendel war ein poetischer Blick auf den Umgang mit Büchern. Ihre Umgestaltung, Neuverwertung und schlichte, wie wirkungsvolle Präsentation beeindruckte viele der Gäste so, dass einige Objekte bereits verkauft wurden.

ACHAVA Festspiele Thüringen im nächsten Jahr:
20. – 30. September 2018
www.achava-festspiele.de

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