Andreas Dombert mit seinem neuen Album „35“

Die Vorbereitungen waren bis ins Detail ausgetüftelt, das Ergebnis dennoch bis zu einem gewissen Grad offen. Für die Aufnahmen zu seinem Album „35“ hat sich Andreas Dombert extra zwei Tage früher in einem Hotel nahe beim Aufnahmestudio eingemietet. Er wollte den Klang des Studios kennenlernen, um sich darauf einstellen zu können. Das war im Sommer vor zwei Jahren. Nach der Veröffentlichung ist er heuer mit „35“ auf der Nominierungsliste für den Echo Jazz in der Kategorie „Instrumentalist national Gitarre“ gelandet. Bei der Verleihung der Preise Anfang Juni in Hamburg auf dem ehemaligen Werftgelände von Blohm+Voss wird sich herausstellen, ob die Musik des Regensburger Gitarristen auch das Zeug hat, die beiden Konkurrenten aus dem Feld zu schlagen. Aufgenommen hat er sie in einem Trio. Von Michael Scheiner

Der in New York lebende Kölner Schlagzeuger Jochen Rückert und der Münchner BR-Redakteur Henning Sieverts am Bass waren Domberts Wunschbesetzung für sein Debütalbum. Freilich hat der 37-jährige Musiker schon zuvor auf zahlreichen Aufnahmen mitgewirkt und mit eigenen Bands, wie „Dombert´s Urban Jazz“ und der „Night of Jazz Guitars“, auch von ihm geschriebene Stücke in die Welt gesetzt. „35“ allerdings ist das erste Album, welches von vorne bis hinten die Handschrift des gebürtigen Straubingers trägt, sein künstlerisches „Kind“ sozusagen. Es ist somit gleichsam ein Statement, eine ganz persönliche Bestandsaufnahme. Diese ist für ihn „rundum so geworden, wie ich es mir schon lange gewünscht habe“, bestätigt er mit berechtigtem Stolz. Dombert ist bei allem was er tut sehr genau, fast penibel manchmal. Mit Rückert und Sievert hat er sich daher zwei erfahrene Mitspieler ausgesucht, die imstande waren seine Kompositionen – sieben an der Zahl – exakt zu erfassen und so auszudrücken, wie er sich das schon beim Schreiben vorgestellt hat. Es sei eine unglaublich angenehme und produktive Arbeit mit den beiden Kollegen gewesen, erzählt er, „sie beiden haben auf Anhieb verstanden, worum es mir geht.“ Die zwei Tage im Studio seien eine intensive Zeit gewesen – „großartig!“ Er verweist dabei auf acht Miniaturen, „Shades“ genannt. Es sind kurze Einfälle, die zwischen die Stücke gesetzt, dem Album eine ganz besondere Färbung geben. Melancholisch-zarte, verhaltene Improvisationen, die vielleicht noch ein klein wenig mehr von ihm, seinen inneren Wurzeln und persönlichen Gefühlen offenbaren, als die übrigen melodischen Stücke der Platte.


Deutschlandradio Kultur hat „35“ als „ausgesprochen gelungenen Trio-Einstand“ in einer Sendung über neue Jazzplatten bezeichnet, ein „Destillat aus seinen Erfahrungen der vergangenen Jahre“. Tatsächlich fließen eine Menge von abgeguckten Fertigkeiten und Musikverständnis aus dem Zusammenspiel mit Stars wie dem kürzlich verstorbenen Larry Coryell, Philip Catherine, Ulf Wakenius oder Airto Moreira mit in Domberts Musik ein. Seine beiden Partner setzen die geschmackvollen, ausgereift wirkenden Kompositionen gläzend in Szene. Mit stilvollen Harmonien, spielerischer Eleganz, Erfindungsreichtum und viel Atmosphäre entwerfen Dombert und Co. eine packende und zugleich kultivierte Klangwelt voller Faszination und starker Ausstrahlung. Ein persönlicher Favorit ist das fast sechsminütige „Tonight, Tonight“, das zwischen Sehnsüchten und Hoffnungen changierend, einem nächtlichen Streifzug durch eine vibrierende Stadt voller Schatten, greller Scheinwerfer und samtener Berührungen gleicht. Fabelhaft! Für Regensburg eindeutiger Echo-Favorit.

Info: Andreas Dombert, 35, Enja Records/Yellowbird 2016, Order: enja 9742 www.jazzrecords.com oder als download, www.andreasdombert.de

Neben seinem Trio-Debüt arbeitete Andreas Dombert 2016 an einem weiteren großen Projekt, der Veröffentlichung des zweiten „Night of Jazz Guitars“-Albums. Als Gäste konnten er und Paulo Morello (Neli Schmidkunz, Teublitz) dafür Pat Martino, Michael Sagmeister und Jim Mullen gewinnen. Im Herbst 2016 gingen sie mit dem britischen Fingerstyle-Virtuosen Martin Taylor und dem schwedischen Gitarrenstar Ulf Wakenius auf Tour. Andreas Dombert begann seine musikalische Ausbildung mit klassischem Klavier am Bruckner-Gymnasium in Straubing. Später studierte er Jazzgitarre an der Hochschule für Musik Nürnberg bei Helmut Kagerer. Von 2002 bis 2004 war er Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters unter der Leitung von Peter Herbolzheimer. Mit einem Studienaufenthalt in New York komplettierte er seine Ausbildung. Als Studiomusiker und Live-Gitarrist für verschiedene Pop-Acts bringt er es auf mehr als 500 Konzerte, Charterfolge und dutzende Fernsehauftritte.

 

 

 

 

Advertisements

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.