Klangirisierender Kopffüssler: Peter Fuldas „Peristaltics“

In Peter Fuldas Peristaltik – „Peristaltics“ – geht es ganz schön heftig zu. Bis sich Piano (Fulda) und Schlagzeug (Bill Elgart) mit einschalten und den rumorenden Prozess mit Schluckauf und Rülpsern einige rhythmische Komponenten hinzufügen, kämpft sich vorrangig das Cello (Elisabeth Coudoux) mit lückenloser Glaubwürdigkeit durch Unwohlsein, Krämpfe und weitere Beschwerden. Das dritte Album einer Edition des Nürnberger Komponisten, Arrangeurs und umtriebigen Jazzaktivisten spielt mit der Ausdruckskraft und Wandlungsfähigkeit einer ungewöhnlichen Besetzung. Nach dem keineswegs schrumpelnden „Shrink“ (mit Elgart, Nils Wogram und Henning Sievert) und „I am with you“ (u.a. mit Pegelia Gold und Robert Landfermann) bringt „Luminescent“ die drei Spieler*in in atmosphärisch ganz verschiedene Situationen und erzeugt so ein vielgestaltiges „Klangleuchten“, wie es im anschaulichen Booklet heißt. Ein starkes solches Leuchten geht – für mich – vor allem vom eröffnenden „Mammele“ aus, das Fulda dem bei uns wenig bekannten polnischen Schriftsteller Tadeusz Borowski gewidmet hat. Der hat in seinen Gedichten und Prosatexten die Frage nach Schuld und Verantwortung des Einzelnen auf dem Hintergrund von Erfahrungen in Konzentrationslagern gestellt und ist an inneren Widersprüchen zerbrochen.  Erschütterung und Zerbrechlichkeit durchziehen das brüchige Thema und verfangen sich …

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Gender Macht Musik.

News: +++ Deutsche Jazzunion mit Gender-Studie +++ Unternehmer*innenlohn und Ausweitung der Novemberhilfe gefordert +++

Neue Publikation zur Geschlechtergerechtigkeit im Jazz Es ist es soweit: Die Publikation „Gender.Macht.Musik. Geschlechtergerechtigkeit im Jazz“ der Deutschen Jazzunion als Download erhältlich. Mit geschlechtsspezifischen Nachauswertungen der jazzstudie2016 und der Mitgliederumfrage 2018 der Deutschen Jazzunion will die Publikation wichtige Einblicke in die aktuelle Situation von Geschlechtergerechtigkeit in der deutschen Jazzlandschaft geben. Mit  Beiträgen von Laura Block, Bettina Bohle, Wesselina Georgiewa, Urs Johnen und Max Körner wollen die wollen die Herausgeber einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit im Jazz zu leisten – und vielleicht damit auch in andere Kunst- und Kultursparten hinein zu strahlen und entsprechende Prozesse in Gang zu bringen. Laura Block, Projektleiterin Gleichstellung bei der Deutschen Jazzunion: „Mit unserer Veröffentlichung zeigen wir auf, dass der Status quo alles andere als zufriedenstellend ist. Das Geschlecht spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für die Karrieremöglichkeiten von Frauen*; Strukturelle Diskriminierung, Ausgrenzung und Zugangsbarrieren sind leider immer noch Alltag für weibliche Jazzschaffende. Konsequent weitergedacht bedeutet das Einfordern von Gerechtigkeit im Jazz außerdem nicht nur eine Förderung von Frauen* im Jazz, sondern auch Solidarität mit anderen marginalisierten Menschen in der Jazzszene. Dies beinhaltet eine Bewusstmachung und ein Hinterfragen …

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Schillernde Schönheit afrikanischer Melodien: Zum Tod von Manu Dibango

Manu Dibango ist der erste prominente Künstler, der an den Folgen einer Coronarvirus-Infektion gestorben ist: Mitte März war die Erkrankung des Künstlers an COVID-19 bekannt geworden, am 24. März starb der 1933 in Douala, Kamerun geborene Jazz-Saxofonist und Komponist im Alter von 86 Jahren an den Folgen der Infektion in seiner Wahlheimat Paris. Manu Dibango, Sohn eines Gutsbesitzers und einer Modedesignerin, kam 1949 mit 15 Jahren nach Frankreich. Dort sollte er das Abitur machen und einen seriösen Beruf erlernen. Kamerun war damals noch französische Kolonie, die Unabhängigkeit als Republik erhielt das Land erst 1960. In einem Interview mit dem BR Klassik-Redakteur Uli Habersetzer erzählte Dibango: „Eltern in Kamerun brachten damals Opfer, damit sie ihre Kinder nach Europa schicken konnten, um zu studieren – um Arzt oder Anwalt zu werden, also angesehene Berufe zu erlernen.“ Der Beruf Musiker zählte allerdings nicht dazu, Manu Dibangos Vater hatte bestenfalls zu Kirchenmusik einen Bezug: „Solange darin ein Halleluja vorkam, kein Problem. Aber ohne Halleluja wurde es schwierig. Ich hatte es nicht so mit dem Halleluja. Andere afrikanische Kinder kehrten mit bedeutenden Studienabschlüssen zurück, und ich – machte Musik. Das …

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Frischer Mix aus Afro-Cuban-Fusion-Jazz mit Mario Alberto Silva

Geboren in San Francisco, wuchs der Trompeter, Komponist und Pädagoge Mario Alberto Silva in einer Latino Community auf. Aus jedem Fenster in der Nachbarschaft plärrte Latin music, aus Straßenschlitten dröhnte Rap und während des Carnival vibrierte die Atmosphäre vom Klang der Sambarhythmen. Schon auf der HighSchool spielte Silva in der Schulband und war fest entschlossen die Leidenschaft zum Beruf zu machen. Mittlerweile blickt er auf über zwanzig Jahre Erfahrung als Musiker in verschiedenen Bands zurück – und legt mit der Pan-American Sonata sein Debutalbum als Leader vor. Es enthält einen erfrischenden Mix aus unterschiedlichen Einflüssen, Stilen und Inspirationen. Lebenslust und gute Laune Insgesamt acht Songs, darunter zwei des famosen kubanischen Pianisten Chuchito Valdes, die eines gemeinsam haben: Sie machen Laune, versprühen Lebenslust und kümmern sich einen Dreck um Gestern oder Morgen. Hier und jetzt animieren sie prallem Charme zum Hüfte schwingen, Tanzen und dazu das Dasein in vollen Zügen zu genießen. Da prallt 80er Jahre Funk auf kniffeligen Dixieland-Blues, afro-kubanische Trommelrhythmen auf Fusion, Pop- und Afro-Jazz. Allerdings ist Silva, der sich für die Aufnahmen Valdes (p, synth, fender rhodes), Aaron Germain (bass), Josh Jones (dr, …

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+++ News: +++ „Joy – Life – Love“ in Graz: Sheila Jordan mit Studierenden der Kunstuniversität +++ 10. Jubiläum für Zettbe, das Magazin nun: „Neu“ +++ 40. Internationales Jazzfestival Saalfelden +++

Artist in Residence: Joy – Life – Love an der KUG mit Sheila Jordan in Graz Erneut begrüßt das Institut für Jazz der Kunstuniversität das KUG-Ehrenmitglied Sheila Jordan als Artist in Residence in Graz. Neben ihren Workshops mit den KUG-Studentinnen und Studenten ist die amerikanische Jazzgröße am 25. März Sheila Jordan unter dem Motto „Joy – Life – Love“ gemeinsam mit KUG-Studierenden bei der Veranstaltung „Jazz im MUMUTH“  im György-Ligeti-Saal zu erleben. Vom 18. März bis 29. März lehrt die 90-jährige Jazz-Musikerin wieder an der Kunstuniversität Graz, wo sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen in den Jazz-Vokalklassen an die Studierenden weitergibt. Mit der Unterrichts- und Konzert-Reihe „Artist in Residence“ bietet die KUG seit 2009 dem Jazz-Nachwuchs die Gelegenheit von den Musikerinnen und Musikern ihrer Zunft zu lernen. Sheila Jordan wurde 1928 in Detroit/Michigan in den USA geboren. Erste Erfolge hatte sie bereits in den frühen 60er-Jahren. Zu ihrem Repertoire gehören Free Jazz, zeitgenössische amerikanische Lyrik sowie Jazz Standards. Seit den 50er-Jahren lebt sie in New York, wo sie unter anderem bei Charles Mingus und Lennie Tristano studierte. 2012 wurde sie mit dem renommierten NEA Jazz …

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Chaplin’s Secret: Dotschy Reinhardt mit neuer CD

Mit ihrem mittlerweile vierten Album ist die Berliner Sängerin Dotschy Reinhardt  musikalisch einem Geheimnis auf der Spur. Entdeckt wurde es von Charlie Chaplins Tochter Victoria in dessen Nachttisch. Dort verwahrte der berühmte Daddy einen Brief, worin festgestellt wird, dass er – Charles Chaplin – nicht in London, sondern auf einem nahe gelegenen Grundstück geboren worden sei, auf welchem „romany people“, also Romanis kampierten. Dieses Geheimnis nimmt Reinhardt als Ausgangspunkt, um mit Eigenkompositionen und einigen Standards dem Swing von Django Reinhardts Hot Club, dem Bossa Nova und swingendem Jazz ihre Referenz zu erweisen. Eine coole Mischung, welche die Sinteza – die sich seit Langem aktiv für die Rechte von Sinti und Roma einsetzt – schon früher erfolgreich erprobt hat. Weich und geschmeidig singt sie von schwierigen Fragen des Lebens. Sie lädt ihre Landsleute ein Romanes zu sprechen, damit die Sprache ihrer Vorfahren nicht verloren geht und zeichnet mit ihrem Gitarristen Alexey Wagner eine wunderschöne, intime Liebeseinladung in den Himmel – „Fly Away“. Leider schmiert sie bei ihrem entschiedenen und selbstbewußten Aufruf „Romanes“ am Schluß ein wenig mit der Stimme ab. Eine kaum merkliche Beeinträchtigung, die den …

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Jazz im Radio. Foto: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 11.03.19 bis 17.03.2019

Ein kleiner Blick in die Jazzwoche 11 im Radio. Im Zentrum der Woche stehen drei Pianistinnen und deren Geburtstage: 75. Geburtstag von Joachim Kühn, der 90. Geburtstag von Cecil Taylor und der 100. Geburtstag von Lennie Tristano. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Jazz im Radio (Fernsehen) SR2 – JazzNow – Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr BR-KLASSIK – Jazztime – Von Montag bis Freitag täglich um 23.05 Uhr rbb-kulturradio – Late Night Jazz – Sa und So 23:04 – 24:00 Uhr hr2-kultur – Jazz in hr2-kultur – täglich SWR2 – Jazz – täglich WDR3 – JAZZ & WORLD – Improvisiertes zum Tagesausklang – Montag bis Freitag, 22.04 – 0:00 Uhr Deutschlandfunk – Jazz (Überblick) – Jazz Live, JazzFacts und Milestones Deutschlandfunk Kultur – Jazz – diverse Sendetermine ARTE TV – Jazz 11.03.2019 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor Sechs 19:04 bis 20:00 | hr2-kultur Hörbar: Musik grenzenlos 19:35 bis 20:00 | MDR Kultur MDR KULTUR – Jazz Lounge Die Sendung will Jazz-Begeisterte erfreuen, ebenso wie Hörer, die mit dem Genre bisher wenig anfangen konnten. „Jazz Lounge“ begleitet …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 03.09. bis 09.09.2018

Ein kleiner Blick in die Jazzwoche 36 im Radio. Ab jetzt mit dem ARD Radiofestival 2018. Wochentags von 23:35 bis 00:00 auf hr2-kultur | MDR Kultur | NDR Kultur | Bremen Zwei | SR2 KulturRadio | SWR 2 | WDR 3. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Jazz im Radio (Fernsehen) SR2 – JazzNow – Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr BR-KLASSIK – Jazztime – Von Montag bis Freitag täglich um 23.05 Uhr rbb-kulturradio – Late Night Jazz – Sa und So 23:04 – 24:00 Uhr hr2-kultur – Jazz in hr2-kultur – täglich SWR2 – Jazz – täglich WDR3 – JAZZ & WORLD – Improvisiertes zum Tagesausklang – Montag bis Freitag, 22.04 – 0:00 Uhr Deutschlandfunk – Jazz (Überblick) – Jazz Live, JazzFacts und Milestones Deutschlandfunk Kultur – Jazz – diverse Sendetermine ARTE TV – Jazz 03.09.2018 00:00 | ARD-alpha alpha-jazz: Bettye LaVette 47. Internationale Jazzwoche Burghausen 2016 Bettye LaVette greift auf ein reiches Repertoire aus Blues- und Soul-Songs zurück. Ihre nähere Heimatregion rund um die Automobil-Metropole Detroit und der dort entstandene und weltberühmt gewordene Motown-Sound der 1960er waren sicher der …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 27.08. bis 02.09.2018

Ein kleiner Blick in die Jazzwoche 35 im Radio. Ab jetzt mit dem ARD Radiofestival 2018. Wochentags von 23:35 bis 00:00 auf hr2-kultur | MDR Kultur | NDR Kultur | Bremen Zwei | SR2 KulturRadio | SWR 2 | WDR 3. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Jazz im Radio (Fernsehen) SR2 – JazzNow – Sonntags von 20.04 bis 22.30 Uhr BR-KLASSIK – Jazztime – Von Montag bis Freitag täglich um 23.05 Uhr rbb-kulturradio – Late Night Jazz – Sa und So 23:04 – 24:00 Uhr hr2-kultur – Jazz in hr2-kultur – täglich SWR2 – Jazz – täglich WDR3 – JAZZ & WORLD – Improvisiertes zum Tagesausklang – Montag bis Freitag, 22.04 – 0:00 Uhr Deutschlandfunk – Jazz (Überblick) – Jazz Live, JazzFacts und Milestones Deutschlandfunk Kultur – Jazz – diverse Sendetermine ARTE TV – Jazz 27.08.2018 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor Sechs – Galt MacDermot: Ain’t got no – I got life,  Hair (Musical, 1967) 19:04 bis 20:00 | hr2-kultur Hörbar: Musik grenzenlos 19:35 bis 20:00 | MDR Kultur MDR KULTUR – Jazz Lounge: Silje Nergaard, …

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Burghauser Nachwuchs-Jazzpreis: ab sofort bewerben!

Bereits zum 10. Mal vergibt die Interessensgemeinschaft Jazz Burghausen e.V. in Zusammenarbeit mit der Stadt Burghausen den Nachwuchs-Jazzpreis. Die 49. Internationale Jazzwoche Burghausen (6. – 11. März 2018) startet dann wieder wie gewohnt mit dem Finale des Nachwuchswettbewerbs. Bewerbungen werden ab sofort angenommen. Bewerbungsschluss ist der 31. Oktober 2017. Der Wettbewerb findet am 6. März 2018 im Burghauser Stadtsaal statt. Karten hierfür sind ca. ab Dezember 2018 erhältlich.  Er hat sich zum Publikumsmagneten entwickelt: Der Nachwuchs-Jazzpreis ist auch heuer wieder mit insgesamt 9.000 Euro nicht nur hoch dotiert und daher auch bei der Jazz-Jugend beliebt, auch das spannende Finale ist beim Publikum sehr gefragt und innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Insgesamt fünf Bands präsentieren sich bei der Endausscheidung am 6. März 2018. Jede Formation gibt ein ca. 20-minütiges Konzert. Nach jeder Band zieht sich die vierköpfige Jury kurz zur Beratung zurück. Die Jury besteht seit zehn Jahren aus: Prof. Joe Viera (Leitung) und den Musik-Journalisten Roland Spiegel, Ralf Dombrowski sowie Reinhard Köchl. Jedes Jury-Mitglied wählt im „Blindverfahren“ die Finalisten aus. Ab sofort können sich Musiker für den Nachwuchs-Jazzpreis bewerben. Die Bewerbung läuft wie folgt: Combos (ab …

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