Vom Kratzen an der Stille: Uwe Kropinski und Dieter Köhnlein mit neuer CD

Kropinski / Köhnlein: Scratching The Silenc (HOFA Cd 274316)

Sein Kollege Helmut Joe Sachse hat dereinst, vor mehr als dreißig Jahren, dem „Wohltemperierten Schraubenzieher (Oder Joe´s Mechanikverständnis)“ solistisch ein Denkmal gesetzt. Uwe Kropinskis gitarristisch-musikalischer Humor ist zurückhaltender, feiner, weniger resolut. Zusammen mit seinem fränkischen Partner Dieter Köhnlein am Klavier macht der Kölner aus Ostberlin der Stille Platz. Damit die zur Geltung kommt, kratzt, schrappt und zupft er mal mit delikatem Humor, tiefem Ernst und mal mit hemmungsloser Improvisationslust an ihr, der Stille, herum. Durch rund ein Dutzend Stücke gelingt es den beiden, sie mit spielerischer Lust zu vertreiben und ihr gleichzeitig Präsenz zu geben. Fünf der Stücke gehen auf Kropinskis Konto, wie die titelgebende minimalistische Humoreske.


Kro-Köh-silence_643Diese lyrische Träumerei über einen simplen Loop oder ein getaktetes schripp-schrapp auf einer E-Gitarre, die nicht angestöpselt ist, markiert eine Seite dieser facetten- und stimmungsreichen Aufnahme. Und es lässt bereits viel von der engen Verbindung dieser zwei Musiker aufscheinen. Kropinski und Köhnlein kennen sich seit fast drei Jahrzehnten und bringen seither in größeren Abständen Studioalben heraus. Dazwischen gehen sie zusammen auf Tour und spielen, immer wieder mit Pausen dazwischen, live in Clubs und kleineren Konzertsälen. Neben der ruhigen, man kann auch sagen intimen Seite des Duos machen sich die zwei in zupackenden Stücken richtig Luft, ohne dabei jemals in hemmungslosen Ausschweifungen zu enden. Noch der knackigste Groove, die enthemmteste Improvisation wirken in ihrer eruptiven Energie in einer leidenschaftlichen Reflexion geläutert und um mindestens zwei Ecken gedacht, wie bei den „Urban Friends“ und dem locker swingenden „Auf Die Schnelle“, das immer wieder von Sprints durchbrochen ist.

In etlichen Stücken sind klassische Themen von Bach oder Kinderliedern und jazzgeschichtliche Bezüge verarbeitet. So erinnert „Na Und“ auch musikalisch an Miles Davis 1959er „So What“, dem ebenfalls ein Fragezeichen fehlt, mit einem der wunderbaren perkussiven Strudel Kropinskis auf dem Korpus seines Instrumentes. „Oh When The Thoughts“ wiederum schlägt mit zahnwehfördernden Akkorden den Bogen zum Traditional „When The Saints…“. Alles in allem ist „Scratching The Silence“, wie das Vorgängeralbum, eine musikalische Perle, ein kleines großes Meisterwerk, gerade auch in der minimalistischen Besetzung ein absoluter Hochgenuss – verspielt und ernsthaft, leichtfüßig und tiefgründig, voller Ideen und spielerisch hervorragend.. Die beiden Musiker klingen perfekt zueinander und zeigen zum wiederholten Mal auf, wie gut Piano und Gitarre sich zusammen funktionieren. Ein dynamisches Album, dessen leise Töne die Seele berühren und dessen Tiefgründigkeit das Herz erfreut.

Michael Scheiner

Infos / Bestellungen: http://dieter-koehnlein.de/ und http://www.kropinski.com/ außerdem bei den bekannten Plattformen und in einschlägigen Fachgeschäften

 

 

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