Bakken und Waits – geht das?

Rebekka-Bakken-Little-Drop- Of-Poison-CDCoverDie Mischung ist erst einmal gewöhnungsbedürftig: die melancholisch-schmutzigen Songs des großen Tom Waits, begleitet vom cleanen Sound der hr-Bigband und gesungen von Norwegens Glamour-Star Rebekka Bakken. Doch es funktioniert (meistens), so viel sei an dieser Stelle schon einmal verraten. Die Idee zu dieser Produktion, die Ende Mai auf CD bei Universal erschienen ist, hatte der Bigband-Arrangeur und –Dirigent Jörg Achim Keller. „La Bakken“ wäre selber nie darauf gekommen: „Tom Waits ist so einzigartig“, sagt die Sängerin, „ich wäre nie auf die Idee gekommen, seine Stücke zu interpretieren. „ Trotzdem willigte sie ein und suchte zusammen mit Schäfer 16 geeignete Songs aus, die anschließend passend arrangiert wurden. Der Vokalistin ließ er dabei viel Raum: „Ich war völlig frei“, stellt Rebekka Bakken weiterhin fest, „auf die Musik und meine eigenen Assoziationen und Gefühle zu reagieren.“

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Live zu erleben war dieses Projekt bereits 2013, jetzt liegt die Aufnahme auf CD vor. Natürlich muss man sich erst einmal an die klare Stimmer der Norwegerin, die so fast gar nichts mit den rauen Tönen des Waits-Interpretationen zu tun hat, gewöhnen. Fans beider Künstler werden trotzdem oft ihre Freude an „Little Drop Of Poison“, so der Titel, haben. Los geht’s mit dem super melancholischen „Broken Bicycles“, das hier elegant und sophisticated daher kommt. Sehr entspannt und passend danach „Please Call Me, Baby“ im lässigen Südstaaten-Blues-Sound. Sehr schön das an die 20er-Jahre-Arrangements eines Kurt Weill erinnernde Titelstück „Little Drop Of Poison“. Richtig in Fahrt kommen Band und Sängerin dann mit „Hang On St. Christopher“. Gänsehautmomente erzeugt Bakkens Interpretation der „San Diego Serenade“. Klar, manchmal vermisst man das Dreckige, Underdogmäßige, Raue und nimmt der norwegischen Schönheit nicht so recht ab, dass solche Worte aus ihrem Mund kommen können. Trotzdem regt das Ganze auch mal wieder dazu an, seine alten Tom-Waits-Scheiben herauszusuchen und anzuhören. Und außerdem beweist die CD eindrucksvoll, was für ein großartiger Songkomponist Waits ist, sein Repertoire ist wandlungsfähig und wird sicher – wie das seines Vorbilds Bob Dylan – in den Olymp der Evergreens eingehen.


Die JazzZeitung verlost drei Exemplare der CD. Mailen Sie bis 20. Juli mit dem Betreff „Bakken-Waits“ und unter Angabe Ihrer Postadresse an gaisa@jazzzeitung.de

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