Das Leben lieben – trotz allem

Unsere Newcomer des Monats April sind eigentlich schon alte Hasen, haben aber ihr erstes Duo-Album mit dem Titel „Lifelover“ beim deutschen Label Traumton herausgebracht. Die ungarische Sängerin und Songschreiberin Veronika Harcsa hat dafür elf federleichte Lieder geschrieben, die sich mit allen Höhen und Tiefen des Lebens auseinandersetzen. Begleitet werden sie und ihre glasklare Stimme nur von dem Gitarristen Bálint Gyémànt, der auch mit komponiert hat. Eine außergewöhnliche Kombination, die überzeugt und sicher ihre Fans bei uns finden wird. (Traumton 4606/Indigo). Ursula Gaisa sprach mit Veronika Harcsa.


 

JazzZeitung: Der Titel „Lifelover“, ist das sozusagen das Motto des Duos? Was inspiriert Sie zu Ihren Texten?

Veronika Harcsa: Die Palette der Gefühle in den Liedern ist sehr breit. Als ich die Texte geschrieben habe, durchlebte ich gerade eine schwierige Periode, und der Schreibprozess war die richtige Therapie dafür.

Der Titel „Lifelover“ ist der Abschluss dieser Therapie. Trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller Enttäuschungen sind wir dankbar, dass wir unser Leben leben und wir uns mit Musik beschäftigen können.

JazzZeitung: Warum nur Gitarre und Stimme? Was ist die Intention dieser Minimalbesetzung?

Harcsa: Früher habe ich mit Bálint auch schon im Trio, im Quartett und im Quintett gespielt. Die ersten Duokonzerte kamen spontan, wenn wir zum Beispiel nicht genug Platz für Bandmitglieder oder nicht genug Equipment zur Verfügung hatten. Wir haben uns als Duo auf der Bühne so inspiriert gefühlt, dass wir einfach weitermachen mussten.

Danach haben wir viel Zeit damit verbracht, um die Stimme für unsere Band zu finden. Wir haben angefangen, zusammen Lieder zu schreiben und haben Wege dafür gesucht, um die Funktionen der Rhythmussektion zu füllen. Im Duo ist unsere musikalische Verantwortung sehr groß, dadurch haben wir aber mehr Freiheit und mehr Spaß. Wir überraschen uns, wir provozieren uns auf der Bühne.

Veronika Harcsa - Bálint Gyémánt_7322

JazzZeitung: Wie kamen Sie zum Jazz? Welche anderen Projekte haben Sie neben dem Duo?

Harcsa: Als Kind habe ich Klavier- und Saxophonspielen gelernt. Es war die Freiheit von Jazz, was auf mich auf der Bühne besonders anziehend wirkte. Zuerst hatte ich ein Quartett, in dem ich angefangen habe eigene Lieder zu schreiben. Ich bin auch Mitglied in einem elektronischen Trio das Bin-Jip heißt, in dem ich mit Bálint und mit einem Producer mit Stimmen und Effekten experimentiere.

JazzZeitung: Haben Sie Vorbilder?

Harcsa: Ich habe viele Vorbilder und versuche mich ständig weiterzubilden, um mich meinen Vorbildern anzunähern. Ich bewundere Künstler, die in sehr verschiedenen Bereichen kreativ sind. Zum Beispiel Joni Mitchell, die nicht nur ihre wunderschönen Lieder geschrieben hat, sondern auch ausdrucksvolle Cover eigenhändig gemalt hat.

JazzZeitung: Werden Sie dieses Duo weiter „betreiben“, am Leben erhalten? Kann man sie live erleben?

Harcsa: Natürlich mache ich das Duo mit Bálint weiter. Wenn Sie unser Konzert besuchen, werden Sie auch neue Lieder hören, und wir arbeiten viel, um unsere Stimme ständig weiterzuentwickeln. Ich verbringe die Hälfte meines Lebens in Ungarn, wo wir mit unserem Duo häufig auftreten. Wir werden „Lifelover“ im Mai in Paris und in Brüssel präsentieren, und im Juni trete ich in Dresden auf. Von September an werde ich mehr Zeit in Berlin verbringen, weil mich die Szene dort ziemlich interessiert und weil ich einen monatlichen Club im Collegium Hungaricum veranstalten werde.

JazzZeitung: Warum sind Sie bei einem deutschen Label gelandet?

Harcsa: In Ungarn haben wir ein tolles Publikum, wir sind aber jung und abenteuerlustig und möchten unsere Musik in die große weite Welt hinaustragen. Es freut uns sehr, dass Traumton bereit ist, mit uns zusammenzuarbeiten.

JazzZeitung: Was raten Sie anderen Newcomern im Jazzbereich?

Harcsa: Sie müssen besonders viel Ausdauer haben, und sie sollen ständig ihre eigene Stimme suchen.

Wir verlosen drei Exemplare der CD, bei Interesse schicken Sie eine E-Mail mit dem Betreff „Lifelover“ und Ihrer Postadresse an gaisa@jazzzeitung.de

 

 

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