Duell der Bigbands – Die hauptstädtische Szene traf sich beim 28. Berliner Jazztreff

Von Antje Rößler. Berlin ist ein Jazz-Zentrum, das Musiker aus aller Welt anlockt. Die Vielfalt der hauptstädtischen Szene brachte der Berliner Jazztreff am letzten Oktober-Wochenende auf die Bühne. Erstmals war die Veranstaltung in der ufaFabrik zu Gast, einer lauschigen Oase im sonst mit Kulturstätten nicht eben gesegneten Stadtteil Tempelhof. Kinder und Erwachsene, Laien und Profis spielten in allerlei Besetzungen vom Solo bis zur Bigband.


„Der Begriff Jazz wird bei uns sehr weit gedehnt“, sagt Franziska Buhre, die den Jazztreff seit 2010 organisiert. „Die Bandbreite reicht von Swing und Bebop bis zu Blues und Latin Jazz.“ Bei aller Vielfalt – avantgardistische und atonale Klänge waren dem Wochenende nicht zu vernehmen.

Als der Jazztreff 1985 zum ersten Mal in (West)-Berlin stattfand, spielten 120 Gruppen drei Tage lang auf drei Bühnen im Musikinstrumenten-Museum. Zur Attraktivität der Veranstaltung trug in jenen vordigitalen Zeiten auch der Umstand bei, dass die Teilnehmer kostenlose Mitschnitte ihrer Konzerte bekamen.

Heute hat das vom Landesmusikrat ausgerichtete Treffen bescheidenere Dimensionen. „In diesem Jahr machen 41 Ensembles mit“, erzählt Franziska Buhre. „Jede Gruppe darf 40 Minuten auf die Bühne, inklusive Auf- und Abbau.“

Am Sonnabend fand der Landeswettbewerb „Jugend jazzt“ statt, der seit neun Jahren in den Jazztreff integriert ist; die Preisträger vertreten das Land Berlin im Mai beim Bundeswettbewerb in Stuttgart. Die sich bewerbenden Bigbands gehören den Berliner Musikschulen an, oft im Bereich der Studienvorbereitung. Sie nutzen auch gern die Möglichkeit, sich von der „Jugend jazzt“-Jury künstlerisch beraten zu lassen. Diese besteht aus Kulturradio-Jazzredakteur Ulf Drechsel, der Saxophonistin Silke Eberhard und dem Pianist Niko Meinhold.

Michael Rowalska leitet Round Midlife. Foto: Hufner
Michael Rowalska leitet Round Midlife. Foto: Hufner

Der Faszination des schmissigen Bigband-Sounds erliegen aber auch Erwachsene wie etwa die 25 Mitglieder der Round Midlife Band. Sie haben jede Menge Spaß, obgleich ihr Leiter Michael Rowalska den Takt derart streng schlägt, als würde er Holz fällen.

So richtig ging die Post dann bei der Flintstones Bigband ab, deren Anfänge im wilden Kreuzberg der Achtziger liegen. Das Konzert mit den ebenso temperamentvollen wie komplexen Arrangements der Pianistin Maria Baptist war ein Höhepunkt des Wochenendes.

Der Samstag gehörte auch den Profis, die in diesem Jahr den Studiopreis der Senatskanzlei Kulturelle Angelegenheiten erhalten haben: darunter der Gitarrist Sascha Henkel und die Multiinstrumentalistin Edith Steyer.

Der Sonntag bot ein abwechslungsreiches Programm kleinerer Ensembles. Es gastierte das sanft groovende Quartett Question & Answer mit Ulf Hausmann am geschmeidigen Saxophon. Die drei singenden Herren von Offbeats Undercover wiederum hauchten dem Schubidu-Swing der Fünfziger neues Leben ein.

In diesem Jahr erlebte man die Berliner Szene als stark vokal geprägt. Wobei man die Sängerin Ulrike Haller lieber beiseite gestellt hätte, um ihren wunderbar feinsinnig groovenden Begleiter Loomis Green an der Gitarre besser zu vernehmen. Mit agiler, tonhöhensauberer Stimme sang Elisabeth Tuchmann brasilianische Musik. Ihre Gitarre verzwirbelte sich mit jener von Katrin Wahl auf filigran kunstvolle Weise.

Die Preisverleihung brachte RBB-Moderator Ulf Drechsel ohne weitere Feierlichkeiten über die Bühne. Den Wettbewerb „Jugend jazzt“ gewann die Bigband JayJayBeCe, die unter Leitung des Saxophonisten Christoph Griese nur Stücke von Berliner Komponisten spielt. Sie ist der Musikschule Charlottenburg angeschlossen. Dort übt auch das Sextett Oktopuzzle, das eine Aufnahmesession im Tonstudio gewann. Darauf dürfen sich auch die zehn- bis zwölfjährigen Jungs der von Kid’s Groove freuen, die zuvor noch ein Bandcoaching durch Dozenten der Hochchule der populären Künste erhalten. Kid’s Groove dürften in Zukunft auch von der Initiative mehrerer Landesmusikräte profitieren, beim „Jugend jazzt“-Bigbandwettbewerb in eine Wertung nach Altersgruppen einzuführen.

Antje Rößler

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