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 2001/04

 seite 23
 cd-tipp

 

Inhaltsverzeichnis Jazzzeitung 04/2001


Inhalt 2001/04

standards
Editorial
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Fortbildung
Briefe an die Redaktion
Glossar: Revival

berichte
Marsalis und das Lincoln Center Jazz Orchestra in der Philharmonie
Jazz Masters im Birdland
Conny Bauer mit ungewohnten Klšngen beim Jazz-Zirkel in Weiden

jazz heute
Der Marsalis-Faktor
Amerika debattiert über Jazz-Musik
Jazz-Botschafter
Die Marc Secara Group spielte in Teheran
Break (von Joe Viera)

jubilee - portrait
Der Klarinettist Jimmy Giuffre wird achtzig
Bill Ramsey wird siebzig
Festivals
Eine ‹bersicht: Jazz-Festivals im April
Stadtportrait
Ein Report aus der Donau-Doppelstadt Ulm und Neu-Ulm

play back.
Warner Jazz Classics: Legendäre Alben im Digipack
Werkschau
John Scofield swingt wieder

education
Einstieg ins Leben als Profi
Die private Berufsfachschule music college in Regensburg

dossier
JAZZKLICK
Ausstellung des Jazzfotografen Michael Scheiner in Ulm

medien/service
Listen with your Eyes
Julian Benedikt und der Jazzfilm
Charts
Link-Tipps
Rezensionen 2001/04
Service-Pack 2001/04 als pdf-Datei (kurz, aber wichtig; Clubadressen, Kalender, Jazz in Radio & TV, Jazz in Bayern und anderswo (372 kb))

 

Werkschau

John Scofield swingt wieder

Na endlich: John Scofield hat aus der Serie von groove-orientierten Neo-Funk-Alben, die manchen seiner Jazz-orientierten Fans schon wie eine Endlosschleife vorkamen, herausgefunden. Nach langer Zeit liegt von ihm mit „Works for me“ (Verve) wieder mal ein straightes, zeitgenössisches, richtig swingendes Jazz-Album vor.

Die neue Einspielung mit dem lakonischen Understatement-Titel  klingt nach einer modernisierten Version des Post-Bop, wie ihn das „Blue Note“-Label Mitte der 60er- Jahre unter das Jazz-Volk gebracht hat, allerdings relaxter und abgeklärter, in manchen Themen sogar richtiggehend laid-back, jedenfalls „cooler“ als man es sich – mit Ausnahme vielleicht von Mehldau – von den sonst eher extrovertierten Spielernaturen erwarten würde, die Scofield auf „Works for me“ um sich geschart hat. Die Brücke zum „Blue Note“-Post Bop der 60er stellt eine Schlagzeug-Legende dar, um die Scofield - gemäß seinem Motto, dass eine JazzCombo immer nur so gut sei wie ihr Drummer – seine „one-time only dream band“ gruppiert hat: Am Schlagzeug sitzt der 66-jährige Billy Higgins, ohne dessen groovig eingängige wie komplex swingende Beats mit ihrem abstrahierten New Orleans Feeling Aufnahmen wie Lee Morgans „The Sidewinder“ (1963) und Hancocks „Watermelon Man“ sicherlich nicht zu zeitlosen Wegmarken des Jazz der 60er- Jahre geworden wären.

Am Bass harmoniert Christian McBride – der Mann mit dem derzeit sattesten Bass-Ton – bestens mit Higgins. Deutlich wird dies bereits mit den allerersten Tönen des ersten Stücks, das seinenTitel einem kurzen Studio-Dialog zwischen Higgins und McBride verdankt. Higgins ruft dem jungen Bass-Kollegen „You just play it and I’ll catch you“ zu, McBride legt einen soliden Bass-Groove hin, Higgins steigt ein, und ab geht die Post („I’ll catch you“). Am Piano hat sich Scofield, der vor lauter Hammond-Begeisterung schon vergessen zu haben schien, dass es auch noch das gute alte Piano gibt, den Jung-Star Brad Mehldau auserkoren, um dessen Sideman- und Interaktions-Qualitäten man spätestens seit Joshua Redmans „Moodswing“ weiß. Neben Scofield firmiert Kenny Garrett als Thementräger und Co-Improvisator.

Die Gitarren-Saxophon-Verbindung funktioniert wie das Duo zweier Bläser mit perfekt aufeinander abgestimmtem Blending: Scofields Gitarre, deren Legato-Charakter bei aller Zerissenheit durch den dezent angezerrten Sound betont wird, klingt in Unisono-Passagen wie die Trompete an der Seite von Garretts Saxophon. Gelegentlich erinnert das Zusammenspiel der beiden an die GerryMulligan/Chet Baker-Aufnahmen aus den 50er-Jahren. Die Solisten spielen sich die Bälle virtuos zu, etwa im Blues „Heel to Toe“, den Garrett und Scofield in einer Abfolge von Call-and-Response-Passagen bestreiten. Scofield entführt den Hörer in die Welt einer seltsamen, ganz und gar individuellen Schönheit.

Eine Band klingt jeweils nur so gut wie ihr Drummer, sagt man. Und eine CD wie  ihre Aufnahmequalität. „Works for me“ ist nicht nur hervorragend komponiert und gespielt, sondern auch exzellent aufgenommen. Durch eine panorama-artige Aufteilung der Instrumente auf den linken oder rechten Kanal klingt Scofields neue Einspielung so transparent, dass man wirklich jeden Rimshot von Billy Higgins und jede Dead Note von Scos Ibanez hört. Works for me too, Mr. Scofield.

Claus Lochbihler

 

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