Mosaic Records: Classic V-Disc Big Band Jazz Sessions

Nachdem das Label Mosaic Records vorletztes Jahr bereits eine 11-CD Box mit Classic V-Disc Small Group Jazz Sessions veröffentlicht hat (siehe dazu JazzZeitung vom 07.11.2024) folgt nun der zweite Geniestreich mit den V-Disc Big Band Jazz Sessions auf 10 CDs. Auch diese Mosaic Box ist weltweit wieder auf 5.000 Exemplare limitiert. Die legendären V-Discs: Amerika zieht in den zweiten Weltkrieg und die United Service Organization (USO), gegründet 1941, sorgte damals in Übersee für die Unterhaltung und das Wohlergehen von US-Soldaten. Als „moralische Stärkung“ u.a. mit sogenannten V-Discs („Victory Discs“). Musikalische Schätze des Jazz, der Unterhaltungsmusik und Klassik, zum Teil exklusiv aufgenommen während des „record ban“ von August 1942 bis November 1944. Diese Aufnahmen waren in diesem Zeitraum die einzig offiziellen Sessions und Produktionen mit Instrumentalmusikern, die für diesen Rahmen aufgenommen und veröffentlicht werden durften. Später folgten dann weitere, spezielle Aufnahme-Sessions für dieses Army Projekt. Als 12-inch Schellacks zusammengestellt und in 10er Kartons mit jeweils 100 Grammophonnadeln verpackt, wurden die V-Disc‘s dann nach Übersee verschifft. Werbung Was die vorliegenden Aufnahmen besonders interessant macht ist die Tatsache, dass sie, entstanden zwischen Oktober 1943 und November 1948, den absoluten …

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Heuken – Koch – Grossmann mit starkem Vibe für Post-Tiktoker

Drummer Johannes Koch legt mit Trio Future Backup ein chillig-verträumtes Debütalbum vor Kommt mit dem Vorstoß der Sozis zu Social-Media-Beschränkungen jetzt die Post-Tiktok-Generation? Den Soundtrack dafür gibt es schon. Die Band Future Backup praktiziert damit ein gelassenes Anschwimmen gegen den Zeitgeist. Auf ihrem Album „Golden“, das eben beim österreichischen Indielabel Boomslang Records erschienen ist, schalten die drei Musiker in einer Welt des höher-schneller-weiter zwei oder gar drei Gänge runter. Werbung Sie dehnen den Moment und bleiben, bildlich gesprochen, im musikalisch-yogischem Om, in dem sich Töne, Rhythmen und Sounds ausgesprochen chillig und dennoch höchst präzise entfalten können. Der gebürtige Regensburger Johannes Koch, der erst vor zwei Jahren mit seinem Quartett „Life is Great“ ein gefeiertes Debüt erlebte, spielt schon lange mit Vibraphonist Volker Heuken und Lukas Grossmann an der Orgel (auch Synthie) im Trio. Nach x Konzerten und Festivalauftritten vom Jazzfest Berlin bis zu den wichtigen Szenefestivals Hurricane & Southside folgt endlich ihr Debüt mit dem konzeptlosen Album. Konzeptlos, weil weniger eine ausgereifte Idee, als vielmehr ein Gefühl Auslöser für die elf Titel war. Die Skizzen dazu hat Heuken, der in Nürnberg bei Roland Neffe Jazz-Mallets …

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Norbert Stein ist mit dem Pata Trio auf der Spur der „Planetentochter“

Tastend, fast zerbrechlich beginnt das Tenor sich einen Weg zur imaginären „Planetentochter“ zu bahnen, einem mythologischen Wesen, schön und versponnen. Genauso will es vom Pata-Trio des Saxofonisten und Komponisten Norbert Stein wahrgenommen und mit poetischem Eigensinn erspürt werden. Umgarnt von Beckengeraschel (Jörg Fischer) und flüchtig mäandernden Klaviersprüngen (Uwe Oberg) zieht es schließlich, begleitet von einem warmen Basston, fein flackernd seine Bahn im Universum des Pata-Masters. Werbung Vom Trio bis zum Orchester Seit Jahrzehnten erforscht und erweitert der Kölner mit unterschiedlichsten Besetzungen vom Trio bis zur orchestralen Formation ein Universum aus freier Improvisation,  Komposition und Lust am Schönen. Es sind die Klänge und ihre kommunikativen Beziehungen, die er nicht müde wird zu ergründen. Die „Planetentochter“, mit einem skurrilen, in Urzeiten einmal futuristischen Fluggerät auf dem Cover, nimmt die Nummer 27 in dieser Albumdiskothek ein und damit schon die dritte Zehnerstaffel ins Visier. The Raven Speaks Mit sechs Titeln und knapp vierzig Minuten ist es ein eher kurzes Album, nach dem üppigen letzten, mit zwölfköpfiger Besetzung eingespielten „Pata Kandinsky“. „The Raven Speaks“ ist ein Paradestück für die einerseits melodisch eigensinnige, sehr bildhaft wirkende musikalische Gewichtung Stein`scher Kompositionen …

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Makar Novikov: Long Journey – neue CD

(Von Robert Fischer) Es gab ja mal eine Zeit, da wurden komponierende Bassisten ein bisschen belächelt. „Die schreiben ihre Stücke doch immer nur um ihre Basslinien herum“, hieß es. Zum Glück sind diese Zeiten längst vorbei. Wer noch eines aktuellen Beleges dafür bedarf, der hört sich am besten das aktuelle Album von Makar Novikov an: Long Journey wäre auch dann ein erstaunliches Debüt als Komponist und Bandleader, wüsste man nichts von der Geschichte des russischen Bassisten Makar Novikov, der in seiner Heimat bereits einer der bekanntesten Vertreter seiner Kunst war, als er 2022 auf Tour in Italien vom russischen Überfall auf die Ukraine überrascht wurde und sich, mit nur einem Koffer in der Hand, dazu entschloss, nicht mehr nach Russland zurückzukehren. Werbung Versierter Sideman Heute in Berlin lebend, hat er sich in der europäischen Szene schnell als versierter Sideman etabliert und präsentiert nun mit einem hochkarätig-international besetzten Quintett, zu dem neben ihm selbst am Bass Olivia Trummer (p, voc), Alex Sipiagin (tr, flh), Gianni Gagliardi (sax) und Donald Edwards (dr) gehören, acht wunderbar ausgewogen produzierte Kompositionen aus  eigener Feder: Modern Jazz vom Feinsten, mal energetisch …

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John Wolf Brennan – von Nacht I Gallen und anderen Tieren

Kein bisschen leise sagt man manchmal über Ältere, die entgegen äußerer Erwartungen auch in höherem Alter noch aktiv sind. Auf Musiker:innen und andere Kunstschaffende trifft dies fast immer zu. John Wolf Brennan, der irisch-schweizerische Pianist und Musikpädagoge, macht da keine Ausnahme. Der Output des Komponisten und Improvisationsmusikers ist fast schon spektakulär. Alleine in den letzten zwei Jahren sind es mehr als ein halbes Dutzend, insgesamt zählt sein Gesamtwerk über 80 CDs/Einspielungen. Aktuell gehören dazu Aufnahmen mit neuer Musik mit der Groupe Lacroix, mit weit gespanntem musikalischen Horizont mit den Pilgrims, mit dem Langzeitprojekt Pago Libre und gemischten Besetzungen. „Wild Card – Songs For A Farm“ ist nach dem erfrischend uncoolen 24er Album „FriendShip – Riffs ahead!“ mit tausenderlei Zitaten der Pop- und Rockgeschichte jüngstes Pago-Libre-Werk und Album Nummer 83. Es ist das 15. Album des renommierten Jazz-Quartetts und musikalisch und von seiner Entstehung her etwas ziemlich Ausgefallenes.  „Songs From A Farm“ ist kein  einfacher Gimmick, die Musik wurde tatsächlich auf einem Bauernhof eingespielt, was dem Album eine erdige Atmosphäre verleiht. Werbung Wilde Tänze mit Kobolden Tatsächlich regten Hühner, Raben, Zwergziegen und Alpacas die Musikanten an …

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„Under The Same Stars“ – das Duo Erdenebaatar & Kugelmann

Kaum zu glauben, dass die Veröffentlichung von Shuteen Erdenebaatars Quartett Debut auf dem Label Motema fast auf den Tag genau 2 Jahre her ist. Nun erscheint dort mit „Under The Same Stars“ ihr zweites Album, diesmal im Duo mit Nils Kugelmann. Erdenebaatars musikalischer Weg ist bisher einzigartig. Nach Beginn ihres Bachelorstudiums in klassischer Komposition mit 16 Jahren kommt sie 2018 nach Deutschland, studierte an der Hochschule in München und absolvierte schließlich im Alter von 23 Jahren ihr Doppelmasterstudium in Jazzklavier und Jazzkomposition. Mittlerweile ist sie als Pianistin erfolgreich und international gefragt. An ihrer Seite und gleichzeitig ihr Partner ist Bassist Nils Kugelmann, der die Szene seit geraumer Zeit mit seinem inspirierten Spiel bereichert. Die Geschichte dieses Duos hat eine ganz besondere Bewandtnis. Während seiner Schulzeit spielte Nils Kugelmann gelegentlich ein ganz besonderes Instrument: eine Kontra-Alt-Klarinette. Während der Jahre seines Studiums an der Hochschule geriet sie in Vergessenheit, sorgfältig verstaut in einem Koffer, den Erdenebaatar zufällig in seiner Wohnung entdeckte. Neugierig darauf, was sich darin verbirgt, holte Kugelmann das Instrument heraus und begann zu spielen. Ein ungewöhnlicher, reizvoller Klang erfüllte den Raum und mit Erdenebaatars Klavierspiel …

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Bo van de Graaf – One Way Ticket to Tibet
Bo van de Graaf – One Way Ticket to Tibet

Irgendwo zwischen Tibet und Loopcity … 20 Tonträger:innen im Schnelldurchlauf

20 CDs im Schnelldurchlauf: 1. Bo van de Graaf – One Way Ticket to Tibet, 2. Leykam / Meyer / Schaller – Krautinsel; 3. European Guitar Quartet – Fourtune; 4. Sigurd Hole Ensemble – Extinction Sounds; 5. Stuppin & Berger: Aurora Borealis; 6. Florian Paul & Die Kapelle der letzten Hoffnung; 7. Kavall – Inmitten; 8. Schallplatten – die große Mode; 9. Younee – Improvisations; 10. Tobias Hoffmann Jazz Orchestra – Innuendo; 11. Keith Jarrett – The Old Country; 12. Wolfgang Muthspiel – Etudes / Quietudes; 13. Stefan Goldmann – Alluvium; 14. Schick / Tuerlinckx / Zoepf – Ensemble A; 15. Kerim König – Grounded; 16. Mengamo Trio: Chat bizarre; 17. M.E.A.N.: drei; 18. Döring: And other strange songs from the remote planets; 19. Gerdes: African contemporary piano music; 20. Moss: Loopcity 1

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Dream Suites – CD von Samo Salomon

(Von Mathias Bäumel) Grundsätzlich ist es ein schwieriges Unterfangen, knapp 30 Freejazz-Musikanten zusammenzuführen (wenngleich nicht immer alle zugleich), um ein Bigband-Konzept mit dem des Freejazz zu verbinden. Welche er-improvisierten Melodien gehen auf welche Ideen anderer Mitmusiker zurück? Besonders herausfordernd ist das Perkussionsspiel von Bob Moses, der sich inzwischen als Ra Kalam bezeichnet, ein Name, der ihm von seinem spirituellen Mentor Bhapuji Tisziji Muñoz verliehen wurde. Es ist ein irrsinnig-trance-artiges Perkussionsspiel, das diese Orchester-Musik trägt und das den Rahmen markiert für immer neu sich entwickelnde Klangflächen. So entsteht eine Daueroffensive der verschiedenen Bläser, wobei „Offensive“ durchaus lyrische Wendungen und entspannt-gelassenes Spiel mit meint. Werbung Gitarren-Dialoge Exzellent und insofern hervorhebenswert sind in der Musik „Dream Suites Vol. 1“ Dialoge zwischen wechselnden Gitarren, hier allen voran gespielt von Rez Abbasi, Jonathan Goldberger und Samo Salamon. Inwieweit die „Freedom March Suite“ Salamons angelehnt an Sonny Rollins umstrittenen „Freedom March“ ist, sei dahingestellt; sie und die beiden auf dieser CD noch vorhandenen Stücke wirken weit lebendiger als das jazzgeschichtlich bekanntere Sonny-Rollins-Stück und sind allein schon deshalb ein brillantes Stück Jazzgegenwart. CD-Tipp Samo Salamon & Ra Kalam Bob Moses Orchestra: „Dream …

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Emma Rawicz/Gwilym Simcock: Big Visit

(Text und Fotos: Robert Fischer) Es gibt für alles ein erstes Mal. Das erste Mal, dass der Autor dieser Zeilen das Saxophon in einer Duokombination zu lieben begann, war ein rotes SteepleChase-Album, das „Looking at Bird“ hieß und den großartigen, leider viel zu früh verstorbenen Kontrabassisten Niels-Henning Ørsted Pedersen in trauter Zweisamkeit mit Archie Shepp zum Klingen brachte. Seitdem sind einige Jahre ins Land gegangen – über 40 sogar, um genau zu sein –, aber die Liebe ist geblieben. Die zum Saxophon sowieso, aber auch die zur kammermusikalisch intimen Inszenierung dieses Instruments. Und wie das so ist, wenn die Gefühle groß sind, geht man an jede neue Inszenierung mit einiger Vorsicht heran. Man möchte ja nicht enttäuscht werden … Vor- und Nachteil Was bei „Big Visit“, dem gerade eben erschienenen Duo-Album von Emma Rawicz und Gwilym Simcock, aber gar keine Gefahr ist. Diesmal geht es also um die Kombination Saxophon/Klavier, für die es im Jazz deutlich mehr Vorbilder gibt als für die mit dem Kontrabass, was Vor- und  Nachteil zugleich sein kann. Ein Vorteil ist das harmonische Bett, welches das Klavier jedem musikalischen Partner bereiten kann, …

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