Kein Hitzefrei für die Avantgarde: Das 44. Südtirol Jazzfestival Alto Adige hat begonnen

Das Südtirol Jazzfestival Alto Adige eröffnete seine 44. Ausgabe im Bozener NOI Techpark – und erlebte einen Traumstart unter freiem Himmel. Kurz zuvor war das Festival mit dem EJN Award for Adventurous Programming des Europe Jazz Network ausgezeichnet worden. Zehn Tage lang wird nun das ganze Land zur Bühne – mit über fünfzig Konzerten an drei Dutzend Spielstätten mit mehr als hundert Musikerinnen und Musikern aus halb Europa und darüber hinaus. Es ist diese eine Stunde am Abend, in der die Tageshitze noch in den Betonflächen des Bozner NOI Techpark steht und der Himmel über den Bergen zu glühen beginnt. Mitten in einem flachen Wasserbecken stehen drei norwegische Schlagzeuger auf kleinen Podesten: Gard Nilssen, Hans Hulbækmo und Håkon Mjåset Johansen. Hineinspringen lohnt nicht, dafür ist das Wasser zu seicht. Doch ihr Zusammenspiel entwickelt einen eigenen Sog: Sie verweben ihre Rhythmussprachen zu einem einzigen Puls – drei Individualitäten, die ihr Spiel mit der Atmosphäre ringsum verschmelzen lassen. Auf der Bergkette über dem Stadtteil leuchten mächtige Haufenwolken orange in der Abendsonne. Werbung Eben noch prägt die ausgelassene Stimmung des Begrüßens und Wiedersehens das Geschehen. Der Hochsommer, der …

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Das 1. Muniq Jazz Festival begeistert auf ganzer Linie

Schee war’s. Alles in allem ein gelungenes Festival, entspannte Stimmung, kommunikative Atmosphäre, musikalisch fantastisch mit wunderbaren Begegnungen abseits der Bühne. Das Wetter spielte mit, die Locations haben sich als absolut festivaltauglich erwiesen und so passte eins zum anderen … aber nun der Reihe nach. Werbung Das Niq-Team und das 1. Muniq Jazz Festival Wer steckt hinter allem? Das NIQ e.V. Team! Vor gut vier Jahren von AkteurInnen der Münchner Jazzszene gegründet, entstand schließlich die Idee, ein Festival zu veranstalten das aktuelle Strömungen des Jazz und improvisierte Musik kombiniert. Dreh- und Angelpunkt sind Münchner Jazzmusiker, die einen aktiven Austausch zur überregionalen Szene herstellen und so Kooperationen ermöglichen. Seit Monaten intensiver Vorbereitungen des Niq Teams, Sponsoren- & Locationsuche nahm das 1. Muniq Jazz Festival Form und Gestalt an. Am 19. und 20. Juni war es endlich soweit. Das Programm stand, Locations waren gebucht, Licht- und Tonteam waren gefordert und gaben ihr Bestes. Im Nachgang betrachtet war das Muniq Jazz Festival eine bemerkenswert innovative Veranstaltung, die über den Jazz-Tellerrand blickt und mit abwechslungsreichen Programm für Begeisterung sorgte. Zwei heiße Tage Heiß war es, nicht nur wegen sommerlicher Temperaturen, …

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„Viel Spaß Viel Spaß“: Web Web in der Unterfahrt

(Von Claus Lochbihler) Mit augenzwinkernden Ansagen, einem neuen Album und einer neuen Bassistin präsentieren „Web Web“ in der ausverkauften Unterfahrt ihre ganz eigene Mischung aus Spiritual Jazz, „Passport“-Covern und Ethno-Anklängen. Roberto Di Gioia und seine Mitstreiter entwickeln dabei einen Sog, der Musiker und Publikum gleichermaßen erfasst – bis am Ende sogar ein Jazzprofessor aus Georgia für die Zugabe auf die Bühne kommt. „Web Web: Kover Kover, Ihr versteht?“, fragt Roberto Di Gioia augenzwinkernd, als er dem Unterfahrt-Publikum die Band und das neue Album vorstellt. Und dabei verdoppelt er ihre Vornamen dadaistisch: Tony-Tony Lakatos am Tenorsaxophon und der Querflöte, Peter-Peter Gall am Schlagzeug; und – als Neuzugang für Christian von Kaphengst – Franzi-Franzi Aller am E- und am Kontrabass. Werbung Blindes Vertrauen Zu jedem Bandmitglied erzählt Roberto-Roberto kurz, was ihn mit den Bandmitgliedern verbindet: Bei Lakatos, der in seine Soli Repeat-Licks so virtuos einbaut, als ob er den Bandnamen auch musikalisch begründen möchte, sind es 40 Jahre gemeinsames Musizieren. Bei Gall habe er, Roberto Di Gioia, beim ersten gemeinsamen Konzert schon nach vier Takten gewusst: „Mit dem willst du in einer Band spielen.“ Und bei Franzi Aller …

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Zehn Jahre Shake Stew

Shake Stew reißt beim Jubiläumskonzert zum Zehnjährigen im Hof des Regensburger Thon Dittmer Palais  das Publikum zu Begeisterungstürmen hin. Gegen Ende des eher kurzen, musikalisch überaus üppigen Auftritts von Shake Stew ist es bei leichtem Niesel doch spürbar klamm geworden. Dabei hat sich „Österreichs  Jazzband der Stunde“, wie die Wochenzeitung „Die Zeit“ das Septett um Bandleader Lukas Kranzelbinder schon früh hervorhob, mächtig ins Zeug gelegt, um dem Publikum ordentlich einzuheizen. Das gelang ihr auch vom Fleck weg mit einem Medley älterer Stücke. Damit zeichnete die Band schon einen riesigen Bogen, den sie von der Noise Music der späten 90er Jahre übers südliche und nördliche Afrika bis in die aktuelle Londoner Subkultur durchwanderte. Wobei der brachiale Lärm des Noise nur ein entferntes Echo im Übergang von einem zum nächsten Stück blieb. Im flächigen Sound zweier Bassgitarren türmten sich wabernde Klangwände im eher geruhsamen Arkadenhof des Thon-Dittmer-Palais` auf, die alles mit sich rissen, was auf entspannter und lässiger Feelgood-Atmosphäre eingestellt war. Werbung In Stimmung gebracht worden waren die Zuhörenden schon zuvor vom Jazzorchester des Von-Müller-Gymnasiums. Unter der anfeuernden Leitung von Sebastian Glas und Jazzclub-Beirat Michael Straube, der seit …

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Das 7. „Look Into The Future“-Festival in Burghausen vereinte wieder wegweisende Künstler aller Genres

 Ungewisser Blick in die Zukunft – Spannende Grenzgänge „Music On The Edge“ war das Motto des 7. „Look Into The Future“-Festivals in Burghausen. Es hätte auch schon auf alle früheren Ausgaben gepasst. Kein reines Jazz-Festival ist das, obwohl traditionell viele Künstler dem Genre zuzurechnen sind, nicht einmal ein reines Musikfestival. Hier wird das präsentiert, was interdisziplinär und über Genregrenzen hinaus gedacht ist, sozusagen in die Zukunft der Kultur allgemein. Dafür stehen schon seine Macher: Die Brüder Cornelius Claudio und Johannes Tonio Kreusch haben ihre so unterschiedlichen Karrieren als Jazzpianist und klassischer Gitarrist schon seit Langem in vielen Projekten als Künstler wie als Veranstalter zusammengeführt – mitunter auch inspiriert und unterstützt von ihrer Schwester Carolina Camilla Kreusch, einer renommierten bildenden Künstlerin und Kunstprofessorin. Werbung So bemühte fast jede Veranstaltung den kreativen Austausch unterschiedlicher Künste und Künstler, mit dementsprechend vielen Uraufführungen oder einmaligen Vorstellungen. Gleichzeitig beschäftigte sich „Look Into The Future“ stärker als andere Festivals mit Raum und Zeit als Vorgaben künstlerischen Schaffens. Das Kloster Raitenhaslach als „Festivalzentrale“ ist ein ebenso außergewöhnlicher Spielort wie das Ankerkino, die Studienkirche oder der Stadtsaal. In ihnen verbinden sich die Ästhetik …

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Das 55. moers festival zwischen Märchen, Neuer Musik und urbaner Öffnung

(Von Stefan Pieper) Die 55. Ausgabe des moers festivals hat zu Pfingsten alles wieder auf Anfang gestellt. Nach einem Jahrzehnt in der Festivalhalle am Stadtrand ist das Festival zurück in die Innenstadt gekehrt: fünf Tage statt vier, eine große Freiluftbühne am Kastellplatz, dazu Kirchen, Clubs und zahlreiche weitere Spielorte drinnen wie draußen für circa 100 Konzerte insgesamt. Und drumherum Menschen aller Altersgruppen, die reichlich kamen – mit noch mehr kontroversen Meinungen und Empfindungen zum neuen Konzept. Am Ende soll das Monster sterben. Teil drei von Gellért Szabós „Der moderne Mensch und der heilige Berg“ steuert auf der Open-Air-Bühne auf einen verstörenden Höhepunkt zu. Szabó selbst tobt, fuchtelt, treibt – und das hat etwas zutiefst Furchteinflößendes, umso mehr, als sein Leipziger „Ideal Orchestra“ dieser Raserei eine geradezu unheimliche Präzision entgegensetzt. Ein bizarres Hochamt aus Klangmassen und schauspielerischer Eruption, das zwei Tage zuvor in St. Josef noch auf ganz anderer spiritueller Wellenlänge funkte, als schließlich ein Bach-Choral spirituelle Erlösung spendete. Werbung Erst durch Gleichgültigkeit werden die bösen Wölfe groß Erlöst werden soll das Publikum in Moers von jenem Donald Trump, der in den Videoeinspielungen des STM-Schauspielers Matthias …

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Erfolgreiche Nachwuchsförderung Jazz-Jugend forscht: Zur besonderen Ausgabe des Biberacher Jazzpreises 2026

Als er 1990 zum ersten Mal ausgerichtet wurde, war der Biberacher Jazzpreis der erste Nachwuchswettbewerb Deutschlands im Jazzbereich. Dass die biennal stattfindende, vom Jazzclub Biberach zusammen mit der Stadt getragene Veranstaltung nicht nur traditionsreich ist, sondern bis heute zu den wichtigen ihrer Art gehört, sieht man schon an den Preisträgern, aus denen fast durchgehend etwas geworden ist: Angefangen mit Cornelius Claudio Kreusch, max.bab, Kristjan Randalu oder Laia Genc bis zu Matthias Lindermayr, Jakob Manz (vor Johanna Summer) oder zuletzt vor zwei Jahren Renner. Diesmal war es eine besondere Ausgabe, war der Jazzpreis doch in das zweiwöchige Landesjazzfestival Baden-Württemberg integriert, das zum 50. Geburtstag des Jazzclubs nach Biberach vergeben worden war. Und im Festival-Gewand präsentierte er sich auch: Besucherrekord mit 380 Besuchern im ausverkauften Saal der Stadthalle; nie war der Sound besser; nie die Betreuung und Videobegleitung professioneller; nie die Beleuchtung schöner, nicht zuletzt dank den vom Lichttechniker selbst gebauten Bühnenstrahlern, die sanfte Farben von großen Metallschirmen abstrahlten. Werbung Wer die inzwischen allerorten angesiedelten Nachwuchspreise seit längerem verfolgt, weiß um die Qualität, die hier geboten ist. Viele gehören mittlerweile regelmäßig zu den Höhepunkten von Festivals. So …

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Attraktiver Jazz für alle – Ein Resümee des Jazzfrühlings Kempten 2026

Seit langem gehört der Jazz zu dem, was man gerne Hochkultur nennt. Man sieht das an der akademischen Ausbildung der Musiker parallel zur Klassik, an den selbst für jedes Vorort-Kulturzentrum oder -Bürgerhaus inzwischen obligatorischen Jazzreihen oder am selbstverständlichen Einzug des Jazz in die „Kulturtempel“. Doch die wichtigsten Festivals, zumindest in Bayern, sind noch aus einer von einzelnen Gallionsfiguren angeregten Graswurzelbewegung entstanden und werden nach wie vor von ihr getragen. Was also in Burghausen die IG Jazz ist, ist in Kempten der Kleinkunstverein Klecks e.V. Zum 41. Mal hat der Verein mit seinen gut 70 aktiven Mitgliedern den „Jazzfrühling Kempten“ ausgerichtet. Mit heuer wieder gut 50 Konzerten auf fast 30 Bühnen gehört er nach wie vor zu den großen, anerkannten und eine ganze Stadt erobernden Festivals. Freilich hatte der Jazzfrühling in seinen besten alten Zeiten schon mal über 100 Konzerte. An seiner Größe wäre das Festival aber auch fast gestorben. Schon vor Corona hat der Verein einen Verjüngungs- und Konsolidierungsprozess gut hinbekommen. Auf Gerold Merkle und Hansjürg Hensler als prägende Figuren folgte ein Team um den Pianisten Andreas Schütz. Der Verein zieht ausreichend neue junge Mitglieder, …

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Konzertreihe „jW geht Jazz“ in der Berliner Maigalerie feiert Zweijähriges

(Von Gisela Sonnenburg) Das ist selten: Eine Tageszeitung betreibt eine Galerie und präsentiert dort regelmäßig Konzerte mit renommierten Jazzmusizierenden. Diese Besonderheit bietet die überregional erscheinende, linke Berliner Tageszeitung „junge Welt“ („jW“), die sich damit kulturell zu profilieren weiß. Zustande kam die „jW geht Jazz“ genannte Reihe aber durch einen Notfall. Denn die Jazzkoryphäe Hannes Zerbe, bekannt als Pianist, Komponist und Organisator, musste befürchten, dass die von ihm ausgerichteten, seit Jahrzehnten beliebten Jazzkonzerte im Berliner Musikinstrumenten-Museum mangels Förderung durch den örtlichen  Senat eingestellt würden. Diese Förderung kam später wieder dazu. Doch auch die zunächst nur als Ersatz gedachte, nicht mit Steuergeld geförderte Konzertreihe „jW geht Jazz“ in der Maigalerie der „jungen Welt“ wurde ein Erfolg – und blieb. Jetzt begeht sie ihr zweijähriges Jubiläum. Zeit der Unsicherheit „Das war damals wirklich prekär“, erinnert sich Hannes Zerbe, wenn man ihn auf die Zeit der Unsicherheit in Bezug auf die Finanzierung der Konzerte im Musikinstrumenten-Museum in Berlin anspricht. Zerbe, 1941 im heute polnischen Litzmannstadt geboren, ist seit Jahrzehnten eine treibende Kraft im  Berliner Jazz. „Jatz“ spricht Zerbe sein Lieblingswort auf deutsch aus, als Ausdruck seiner ostdeutsch geprägten Herkunft. Aber …

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Die Münchner Techno-Bigband stellt neues „himmlisches“ Programm in der Regensburger Dominikanerkirche vor

Die ein wenig versteckt in der Predigergasse liegende Dominikanerkirche St. Blasius war bisher keineswegs als Hort überschäumender Lebensfreude und unbändiger Bewegungslust bekannt. Seit letztem Wochenende ist das anders. Schon vor dem Konzert der in München beheimateten Jazzrausch Bigband, die den bewusstseinsverändernden Zustand bereits im Namen trägt, hatten sich vor dem schmalen Eingang am Albertus-Magnus-Platz lange Menschenschlangen gebildet. Geduldig warteten sie auf Einlass in die nur selten zugängliche frühgotische Basilika. Es war, wie es eine ältere Besucherin zurückhaltend ausdrückte, „ein ganz besonderes Erlebnis“. Das war vom Ort, der nach vorne zum Altar gerichteten Bänke, der für fast die Hälftedes Publikums ungewohnten Musikmischung aus Jazz und technoiden Grooves bis hin zur Form der Musikaufnahme in der Tat. Bevor sich die Besuchenden einen Platz in dem von draußen erhellten Kirchenraum einen Platz suchen konnten, bekamen sie von Mitgliedern der Bigband einen Kopfhörer mit dem Hinweis in die Hand gedrückt, dass ein Teil der Musik nur über dieses Hilfsmittel zu hören sei. Werbung Mittig im Hauptschiff, wo sich Haupt- und Quergang kreuzen, war eine eher kleine Bühne aus mehreren Elementen aufgebaut, die – wie sich wenig später herausstellte – …

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