Jazz mit Frühlingsgefühlen – Ein Bericht vom 35. Kemptener Jazzfrühling

Der 35. Kemptener Jazzfrühling begann auf der Freilichtbühne auf dem Rathausplatz wenig frühlingshaft mit Nieselregen und kaltem Wind. Und so blieb das Wetter dann im Wesentlichen auch für die 9 Tage des Festivals. Davon ließ sich allerdings das Publikum beim Eröffnungskonzert mit der Local Vintage Company aus der ungarischen Partnerstadt Sopron nicht verdrießen. Mit Swing und Verve und alten Hits von Cab Calloways „Minnie the Moocher“ über „Bei Mir Bistu Shein“,  „It don’t mean a thing“, „Sing, Sing, Sing“ bis „Rum and Coca Cola“ unterhielt das elfköpfige Ensemble, das seit einem Jahr besteht und hörbar ein Faible für die Andrews Sisters hat, drei Stunden lang prächtig. Ihren Platz nahm danach die Louisiana Funky Butts Brass Band ein, die seit der Eröffnung durch die Innenstadt gezogen war, wo gleichzeitig auf Plätzen und in Lokalen und Geschäften noch fünf andere Bands spielten. So ähnlich beginnt alljährlich der stilistisch und räumlich vielfältige Jazzfrühling, der jeweils vom letzten April- bis zum ersten Mai-Wochenende dauert. Am Nachmittag zeigte im Allgäu-Gymnasium nach der Schul-Bigband dann die bald 25-jährige Lehrer-Bigband Bayern unter der Leitung von Hugo Siegmeth, was sie so spieltechnisch, arrangiermäßig …

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Sven Faller mit exzellentem Trio auf Tour durch Süddeutschland

Regensburg. Lou Reeds „NCY Man“ müsste im Fall von Sven Faller (bass) von Jazzclub-Chef Winfried Freisleben noch um die „NYC Woman“, Schlagzeugerin Mareike Wiening, ergänzt werden. Damit konnte Freisleben in seiner Begrüßung von Fallers „Night Music/German Music“ illustrieren, dass die regional verorteten Musiker einen internationalen Horizont mitbringen. Dritter im Bund beim Auftritt im Leeren Beutel war der Regensburger Gitarrist Andreas Dombert. Faller, seit sieben Jahren in Schwandorf ansässig und lange mit dem Trio 11 unterwegs, hat sich vor einigen Jahren aus dem erfolgreichen Projekt zurückgezogen, um vermehrt eigene Ideen ausloten und Vorhaben umsetzen zu können. Neben einigen Duos gehört dazu das Soloprojekt „Night Music“, das der Wahloberpfälzer als Album, ergänzt um ein Buch mit eigenen Geschichten, veröffentlicht hat. Seither ist er mehrfach damit auf Tour gegangen, aktuell mit einer brandneuen, eindrucksvollen Besetzung, die ausgesprochen stimmig und überzeugend wirkt. Dazu trägt die gebürtige Erlangenerin Wiening mit ihrem fein akzentuierenden, dynamisch enorm variablen Schlagzeugspiel ebenso bei wie der gebürtige Niederbayer Dombert. Das kreative Feuer, welches die vorwiegend zurückhaltend aufspielende Musikerin auch in sich trägt, ließ sie diesmal nur selten aufblitzen. Meist zeigte sie sich als exquisite Begleiterin, leichthändig …

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„4 Wheel Drive“ im Münchner Prinzregententheater

Hinter dem Namen „4 Wheel Drive“ steckt eine Supergroup mit Nils Landgren, Michael Wollny, Lars Danielsson und Wolfgang Haffner. Seit jeher scheidet das Konzept der All-Star-Bands die Geister. In der Regel sind Studio-Aufnahmen solcher Gruppen musikalisch gesehen maximal „ganz in Ordnung“, aber auch nicht viel mehr. Über die gerade beim Act Label erschienene „4 Wheel Drive“ CD kann man durchaus geteilter Meinung sein, aber was die vier Musiker live auf der Bühne anstellen steht auf einem vollkommen anderem Blatt. Da kommt nicht nur Spielfreude auf, da wird der Saal richtig gerockt, mit Verve, mal fetzig, mal mit melancholisch jazzigen Arrangements und wunderbaren Improvisationen! Und genau da hat eine solche Supergroup ihren unbestreitbaren Vorteil. Man sieht die Stars, die man immer schon mal sehen wollte, gemeinsam auf einer Bühne. Die musizieren natürlich souverän und geben dem Publikum genau das, was sie wollen: Mucke vom Feinsten – in der Regel. Aber wir sind hier im Genre Jazz, und da werden Kompositionen oder Hits nicht einfach nur … gespielt. Bei „4 Wheel Drive“ live entfalten sich die Musiker, treten in Dialog mit sichtlichem Spaß am Spiel. Im Münchner …

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Japanische Poesie und Free-Eruptionen

Beim Auftritt des Schlagzeugers Eric Schaefer mit „Kyoto mon Amour“ im Leeren Beutel erlebten Zuhörer einen musikalischen Hochgenuß. Vermutlich hat Doris Dörries wunderbares Filmdrama „Kirschblüten – Hanami“ das hiesige Bild von Japan ebenso stark geprägt, wie Fukushima oder glitzernde Großstadtimpressionen von Tokio. Eindrücke aktueller kultureller und künstlerischer Entwicklungen über das Land der aufgehenden Sonne gelangen meist nur sporadisch in westliche Sphären. Das gilt auch für den Jazz, der eine mindestens ebenso lange Tradition in Japan wie in Europa hat. Nach der Kurzfilmwoche mit  Länderschwerpunkt Japan, setzte auch der Jazzclub im Leeren Beutel einen musikalischen Akzent in Richtung Osten. Mit seinem letzten Album „Kyoto mon Amour“ und einem fifty-fifty besetzten Quartett knüpft der Schlagzeuger Eric Schaefer ausgesprochen spannende Verbindungen zwischen den Kulturen. Beim Auftritt im Beutel konnte sich eine eher bescheidene Zahl von Zuhörern überzeugen, welche fantastische Musik daraus entstanden ist. Vom berstenden Freejazz über World Music, Blues und kraftvoll pulsierende Rockeinflüsse bis hin zu klassischen japanischen Traditionen vereint der Berliner darin höchst unterschiedliche Formen, Klänge und Rhythmen. Nach einem mehrmonatigen Studienaufenthalt in der alten Kaiserstadt Kyoto hat Schaefer eine starke Nähe zur japanischen Kultur, zu …

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Neuer Jazzverband für Rheinland-Pfalz gegründet

In Mainz haben sich Jazz-Akteure aus ganz Rheinland-Pfalz im neuen Jazzverband „JAZZ RLP – Landesverband für Jazz in Rheinland-Pfalz“ zusammengeschlossen. Schwerpunkte der Verbandsarbeit sollen Nachwuchsförderung und Regionalarbeit werden. Ein Neuanfang für die Jazz-Szene in Rheinland-Pfalz –mit diesem Anspruch wurde am vergangenen Sonntag mit der überwältigenden Teilnahme von rund 75 Jazzmusikern, Initiativen, Festivals und anderen Akteuren aus dem gesamten Bundesland ein neuer Jazzverband in der Musikhochschule Mainz auf den Weg gebracht. Mit „JAZZ RLP – Landesverband für Jazz in Rheinland-Pfalz“ wurde ein Verein gegründet, welcher künftig die Jazzmusikschaffenden in Rheinland-Pfalz vertreten wird. Dieser Schritt wurde auch deshalb notwendig, da sich eine ältere Landesarbeitsgemeinschaft für Jazz in einem langjährigen Gerichtsverfahren befindet und seit geraumer Zeit handlungsunfähig ist. Mit der Gründung eines neuen Verbands wurde eine funktionierende Struktur geschaffen, die sich frei von Altlasten, geeint für den Jazz im Bundesland stark machen kann. Als 1. Vorsitzender wurde mit David Maier ein studierter Musiker und Kulturmanager gewählt, der neben seiner Funktion als Kulturkoordinator der Stadt Worms auch das internationale Musikfestival Worms: Jazz and Joy kuratiert. Die gebürtig aus Bad Ems stammende Saxofonistin und Jazzpreisträgerin des Landes Baden-Württemberg, Alexandra Lehmler, …

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50 Jahre Jazzwoche Burghausen – „it has lines in its face“

„Gute Musik ist immer aktuell, schlechte nie“ – getreu diesem Zitat von Festivalorganisator und Macher Joe Viera fand dieses Jahr die 50. Jazzwoche Burghausen statt. Mit einem engagierten, interessanten Programm und Höhepunkten, die so manchen Jazz- und Musikfan noch lange schwärmen lassen wird. Jazzwoche Burghausen, das ist mehr als nur ein Festival, denn überall ist Musik: die ganze Stadt swingt, in der Fußgängerzone der Altstadt, vor dem Rathaus oder Cafés und last not least natürlich in der Wackerhalle, dem Stadtsaal oder dem traditionsreichen Jazzkeller. Das alles kombiniert mit einer begleitenden Ausstellung im Haus der Fotografie, einer neuen Bronzeplatte für Roy Hargrove – Langeweile oder Müßiggang kommen da zu keinem Zeitpunkt auf – man muss das Festival konzeptionell als Ganzes betrachten. Internationale Stars und Größen wie Ramon Valle, Al di Meola, Terri Lyne Carrington gemeinsam mit Diane Reeves, Angelique Kidjo und Lizz Wright oder Sly & Robbie feat. Nils Petter Molvaer gaben sich dieses Jahr die Klinke in die Hand, um namentlich nur ein paar Highlights aufzuführen, die das Publikum anzogen und begeisterten. Insgesamt gab es in der Tat wenig musikalische Überraschungen, dafür jedoch jede Menge …

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„Joachim, willst Du mit uns spielen?“

Der Pianist Joachim Kühn traf im Dortmunder Jazzclub domicil auf die Ruhrgebiets-Kollektivband „The Dorf.“ Es braucht eigentlich kaum einer Erwähung: Auch der Pianist Joachim Kühn ist schon oft im Dortmunder Jazzclub domicil aufgetreten: „Es dürfte ungefähr im Jahr 1970 gewesen sein – und ich fand den Keller damals auch sehr schön“ erinnert sich der heute 75jährige Pianist an die alte Spielstätte des Jazzclubs in einem Keller an der Leopoldstraße. Später zog das domicil ins ehemalige Hansa-Theater und ist heute als regelmäßiger Aufführungsort für Jazz und anderes im Ruhrgebiet nicht wegzudenken. Seit der Gründung dürften hier etwa 3600 Livekonzerte über die gegangen sein – getragen von öffentlicher Förderung und noch mehr mehr bürgerschaftlichem Engagement, geadelt durch etliche Spielstättenpreise und immer wieder neu bestätigt durch eine kontinuierlich hohe Publikumsnachfrage. Das Auftaktkonzert einer ganzen Reihe zum runden Jubiläum demonstrierte, worum es in einem guten Jazzclub geht: Mit einem Soloauftritt von Joachim Kühn einen der besten internationalen Musiker auf der Höhe der Zeit nach hierhin zu holen. Zugleich mit einem Gig der Ruhrgebeitsformation „The Dorf“ am Puls der regionalen Musikszene zu sein. Im Idealfall berührt sich dies und reagiert …

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„Von Ersatz kann keine Rede sein!“ – „Latin meets Gypsy“ begeisterte im Jazzkeller Hürth

Nachdem das Ensemble «globalBEAT» das letzte Mal 2016 für den Jazzclub in Hürth aufgetreten war, hätte die Formation rund um den Chapman-Stick-Virtuosen Christian Becker am Wochenende eigentlich erneut im Jazzkeller auf der Hermülheimer Straße spielen sollen. Leider sagte «globalBEAT» acht Stunden vor Konzertbeginn krankheitsbedingt ab. Da stellte sich für Günter Reiners, Vorsitzender des Jazzclubs Hürth e. V., die Frage: „Was tun?“ Glücklicherweise ist der Jazzclub Hürth bestens vernetzt: Mit einigen Telefonaten schaffte es Reiners buchstäblich in letzter Minute, Ersatz für das Konzert zu finden. Wobei wirklich nicht von „Ersatz“ gesprochen werden sollte, wenn man der hohen musikalischen Qualität Rechnung trägt, die ein spontan gebildetes Ensemble aus vier mit dem Jazzclub verbundenen Musikern am Abend auf die Bühne brachte. Unter dem rasch gefundenen Titel «Latin meets Gypsy» unternahmen die Gitarristen José Díaz de León und Sven Jungbeck, die seit einiger Zeit zusammen als Duo auftreten, zusammen mit dem in Hürth bestens bekannten Geiger Sebastian Reimann sowie Christoph Bormann am Bass einen Streifzug durch Gypsy Swing und Latin-Jazz. Ein Programm, das in seiner Qualität und dramaturgischen Ausgewogenheit überraschte. Funkensprühendes Feuerwerk Den Anfang machten die Musiker mit Gypsy Swing …

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Festival jazzopen Stuttgart eröffnet mit Verleihung der German Jazz Trophy 2019 an Dee Dee Bridgewater

Stuttgart. Über 50 Acts in elf Tagen auf fünf Bühnen. Nach der 25-jährigen Jubiläumsfeier im Juli letzten Jahres präsentieren die jazzopen Stuttgart vom 4. bis 14. Juli 2019 erneut ein vielfältiges Programm, in dem Jazz trotz allem Popstarrummel noch immer die DNA darstellt. Der Veranstalter Opus rechnet Pop-timistisch mit einem Besucherrekord von über 50.000. Auf der jazzopen-Hauptbühne im Ehrenhof des Neuen Schlosses treten Bob Dylan, Sting –„My Songs und Jamie Cullum & LP auf. Im Vorprogramm stehen Rickie Lee Jones, José James und das Moka Efti Orchestra feat. Severija auf der Schlossplatz-Bühne. Auf der zweiten Hauptbühne im Innenhof des Alten Schlosses präsentiert das Festival Mnozil Brass –„Gold“, Bobby McFerrin –„Gimme 5“ Chilly Gonzales & Kaiser Quartett sowie Chick Corea –„My Spanish Heart“. Als Festival-Auftakt ist erneut die Verleihung der German Jazz Trophy im SpardaWelt Eventcenter geplant  – dieses Jahr wird die Auszeichnung an die US-amerikanische Sängerin Dee Dee Bridgewater verliehen. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert sowie mit einer Statue des Stuttgarter Bildhauers Otto Hajek. Er wird verliehen von der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg, der neuen musikzeitung und JazzZeitung.de Aus der …

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Cooler Bop vom Schlangenbeschwörer

Vincent Herring begeisterte mit Soul Chemistry im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel. Auch, weil der Altmeister ein seltenes Statement abgab. Vincent Herring ist gewiss keine Reinkarnation des großen Charlie Parker. Und dennoch, wenn Herring auf der Bühne steht und in sein Horn bläst, erinnert so einiges an den legendären Altsaxofonisten, der als einer der Schöpfer des Bebop gilt. Da ist die leicht massige Gestalt des New Yorkers, der eigentlich aus Kentucky stammt. Dann auch die Haltung, wie man sie von alten Fotos aus den 50er Jahren von Charlie Parker kennt. Und vor allem der mächtige Ton und das superschnelle Spiel auf dem Altsax, bei dem sich die Finger scheinbar lösen und selbständig über die Klappen zu tanzen scheinen. Zwar trägt Herring beim Konzert mit Soul Chemistry im Leeren Beutel keine Krawatte, wie sein großes Vorbild.  Mit einem leuchtend blauen Einstecktuch im Jackett seines Anzugs verfügt er aber über die gleiche Eleganz und geschmackvolle Erscheinung, die heute manchmal merkwürdig altertümlich wirkt. Bei Musikern aus dem boporientierten Mainstream ist es nach wie vor weit verbreitet, großen Wert auf die äußerer Aufmachung zu legen. Zum Anzug, den alle vier …

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