Flügelhorn und Zeichentisch: Zum Tod von Herbert Joos

Er war ein kompromissloser Künstler, einer der sagte: „ Zuerst kommt das, was ich machen möchte, unabhängig davon, ob es jetzt gerade ‚in‘ oder ‚out‘ ist.  Dann erst kommt das Geldverdienen.“ Dieser Maxime blieb er treu und von daher war sein Künstlerleben immer ein Tanz auf der Rasierklinge. Durch den immensen Erfolg des Vienna Art Orchestra wurde der Flügelhornist und Trompeter Herbert Joos zu Beginn der 80er-Jahre endlich einem breiteren Publikum zum Begriff. Da stand er schon zwei Jahrzehnte auf der Bühne. Seit Mitte der 1960er Jahre gehörte er zum Modern Jazz Quintet Karlsruhe, aus der dann die Gruppe Four men only (mit Wilfried Eichhorn und Rudolf Theilmann) entstand. Anschließend war er Mitglied in verschiedenen Modern- und Freejazz-Formationen (u. a. mit Bernd Konrad, Hans Koller und Adelhard Roidinger bzw. Jürgen Wuchner). Er spielte auf dem Free Jazz Meeting Baden-Baden bei einem Flügelhorn-Workshop mit  Kenny Wheeler, Ian Carr, Harry Beckett und Ack van Rooyen. Außerdem leitete er sein eigenes Bläsertrio, Quartett und Orchester. Aus den über 50 Alben, die er unter eigenem Namen herausbrachte oder auf denen er als Sideman zu hören ist, ragt die Soloplatte …

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+++ News +++ Jazz-Workshop „privatissime“ +++ Jazz und Wein-Festival Leibnitz 2019 +++

+++ Jazz-Workshop „privatissime“ +++ Der Jazz-Kontrabassist Bernd J. Kröger veranstaltet einen Jazz-Workshop vom 26.08. bis 31.08. im Embacher Sporthotel in Lend, Österreich. Ziel des Workshops ist es eine Session-Band  zusammenzustellen, die sich innerhalb der Workshop-Woche ein Repertoire von fünf bis zehn Stücken aneignet. Täglich beschäftigen sich die Teilnehmenden mit Jazz Harmonielehre und Improvisationstraining, aber auch die Jam-Sessions kommen nicht zu kurz, um sich musikalisch kennenzulernen und aufeinander abzustimmen. Denn im Vordergrund steht ganz klar der Spaß am Musizieren, obwohl Bernd Kröger, dank seiner Ausbildung und dem Forschungsgebiet Musik und Sprache auch hier und da ohne Probleme theoretische Bausteine einbauen kann. Aktuell arbeitet er mit jungen Musikern der Jazz-Hochschule Maastricht und Amsterdam zusammen: Equipment in Form von Gesangsanlage, E-Piano und Verstärker sind vorhanden. Die eigenen Instrumente sind von jedem Teilnehmenden natürlich selbst mitzubringen. Gebühr: Die Teilnahmegebühr beträgt 200 Euro Unterbringung: Eigenverantwortliche Unterbringung in Embach oder Umgebung Infos:  www.jazzcats.de   +++ Jazz und Wein-Festival Leibnitz 2019 +++ Beim siebten Jazz und Wein-Festival in Leibnitz stehen Weltklassebläser im Mittelpunkt. Der Altsaxophonist Miguel Zenón konnte für das Programm gewonnen werden, der als einflussreichster Musiker der jungen Jazzgeneration zählt. Ein …

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Neue Urheberrechtsrichtlinie und der Jazz: Workshop und Podiumsdiskussion auf der Frankfurter Musikmesse

Die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) lädt am 03. 04. 2019 zu zwei Veranstaltungen zur neuen Urheberrechtsrichtlinie auf der Frankfurter Musikmesse ein. Nach dem das EU-Parlament vergangene Woche der neuen Urheberrechtsnovelle zugestimmt hat, sollen im Rahmen eines „Open Space“-Workshops aktuelle Fragestellungen zum Thema Urheberrecht und Rechteverwertung im digitalen Umfeld  diskutiert und Handlungsoptionen erarbeitet werden. Die UDJ möchte dabei sowohl für einzelne Jazzmusikerinnen und -musiker, als auch für sich selbst als Interessenvertretung klar abgegrenzte Ziele und Arbeitsfelder formulieren, um die Komplexität des Themas zu reduzieren. Zur Teilnahme sind alle Akteur/-innen der Jazzszene eingeladen, um möglichst viele verschiedene Perspektiven einzubringen. Im Anschluss soll diskutiert werden, wie sich die Jazz-Szene in den Wirren der jüngsten politischen Entscheidungen zum Urheberrecht positionieren kann. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche neuen Perspektiven sich für Musikerinnen und Musiker ergeben, um unter den aktuellen Rahmenbedingungen mit ihrer Kunst Geld zu verdienen. Zu Gast auf dem Podium sind der Sprecher der Initiative Urheberrecht, Prof. Dr. Gerhard Pfennig, Komponist und GEMA-Aufsichtsrat Jochen Schmidt-Hambrock, Gitarristin und Komponistin Susann Weinert und der Vibraphonist und Komponist Wolfgang Lackerschmid. „Urheberrecht und Rechteverwertung im digitalen Umfeld – welche Bedeutung hat …

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+++ News: +++ Preisträger des 2. ACHAVA Jazz Award in Weimar: das Miguel Zenón Quartett +++14. Caprichos Musicales – Gitarrenworkshop auf Teneriffa +++

Weimar: Das Miguel Zenón Quartett gewinnt den ACHAVA Jazz Award 2019   Der ACHAVA Jazz Award  ist eine Koproduktion der ACHAVA Festspiele Thüringen und der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Er zeichnet ein künstlerisch herausragendes Band-Projekt aus, das den transkulturellen Charakter des Jazz ins Zentrum seines Schaffens stellt und dies auf hohem künstlerischen Niveau umsetzt, indem es die improvisatorischen oder kompositorischen Ausdrucksmittel des Jazz beispielsweise mit Volksmusik, populärer Musik oder europäischer Kunstmusik vermischt. Aus den sieben Finalisten wurde von der Jury das Miguel Zenón Quartett ausgewählt. Namensgeber der Preisträger des 2. ACHAVA Jazz Award ist der Saxophonist Miguel Zenón, der in Puerto Rico geboren und aufgewachsen ist und derzeit in New York lebt. Seine Musik ist eine Mischung von lateinamerikanischer Folkmusik und Jazz. Außerdem gehören dem Quartett an: Luis Perdomo (Klavier), Hans Glawischnig (Kontrabass) und Henry Cole (Schlagzeug). Die Begründung der Jury: Der New Yorker Saxophonist Miguel Zenón widersetzt sich den Gewohnheiten. Seine Musik ist komplex und klar zugleich, fein strukturiert und weit ausholend, kunstvoll geplant und offen konzipiert. Sie verknüpft seit mehr als zwei Jahrzehnten Rhythmen und Spielformen seiner Heimat Puerto Rico mit …

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+++ news +++ Frankfurt +++ Girls’ Day jetzt auch im Jazz +++

Am 15. April 2019  sind alle Mädchen und junge Frauen zwischen 12 und 20 Jahren in die Frankfurter Musikwerkstadt eingeladen, um Jazz in seiner Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten zu entdecken: Beim 1. Jazz Girls’ Day können sich die Teilnehmerinnen in einem Workshop von Jazzmusikerinnen aus den USA inspirieren lassen und in die Jazzmusik hinein schnuppern. Der Workshop beinhaltet Jam Sessions, praktischen Unterricht am Instrument, Spiele, Performances und Podiumsdiskussionen. Er bietet einen Schutzraum, der es den Mädchen ermöglicht, sich kreativ zu betätigen und neue Perspektiven zu entdecken. Am Abend haben die Teilnehmerinnen Gelegenheit, ihre Dozentinnen mit ihrer Band „SHEroes“ auf der Bühne der Frankfurter Musikwerkstatt zu erleben. Geleitet wird der Tag von „SHEroes“, sechs Musikerinnen – Monika Herzig (p), Reut Regev (ps), Leni Stern (g), Jamie Baum (fl), Rosa Avila (dr) und Jennifer Vincent (b) – die in den USA schon mehrfach einen Jazz Girls Day durchgeführt haben. Ihr Album wurde von der Jazz Journalists Association in die Liste der „10 Best New Releases of 2018“ aufgenommen. Der Workshop richtet sich an Anfängerinnen und Fortgeschrittene gleichermaßen, Erfahrungen im Jazz sind also nicht notwendig. Anmeldeschluss: 22. März 2019 Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten …

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+++ News: +++ Workshopkonzert der Hochschule für Neue Musik und Jazz in Weimar +++ Jazzworkshop an der HfK Bremen für Studieninteressierte +++

Weimar: „Projekt Eins“ für Ersties? Die kostenfreie Jazznacht „Projekt Eins“ am 3. Februar in der Schützengasse bildet den Abschluss des diesjährigen Jazz-Workshops der Hochschule für Neue Musik und Jazz in Weimar – dort treten sechs Ensembles des Instituts auf. Um für ein Jazzstudium in Weimar zu werben, hatte das Institut für den 2. und 3. Februar zu einem kostenlosen Schnupper-Wochenende mit der Jazznacht als Höhepunkt nach Weimar eingeladen. Interessierte Jazzmusikerinnen und Jazzmusiker aus der ganzen Bundesrepublik haben sich dafür angemeldet. Nach Weimar reisen Interessierte für die Fächer Saxophon, Klarinette, Posaune, Klavier, Gitarre, Bass, Drumset sowie Gesang. Während Workshop-Koordinator Prof. Wolfgang Bleibel die Blasinstrumente betreut, unterrichten auch seine Professoren-Kollegen Jo Thönes (Drumset), Manfred Bründl (Kontrabass / E-Bass), Achim Kaufmann (Klavier) sowie Jeff Cascaro und Michael Schiefel (Gesang). In einer Infostunde stellt der Komponist, Jazzmusiker und Arrangeur Stefan Schultze das Fach Arrangement und Komposition vor. Am Sonntag, 3. Februar erhalten die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer die Gelegenheit, in studentischen Ensembles zu spielen. Zum Abschluss folgt noch eine Besichtigung des Tonstudios und des Festsaals im Fürstenhaus. www.hfm-weimar.de Jazznachfolger für Bremen Die Jazzabteilung der HfK Bremen bietet für Studienbewerberinnen und …

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Sven Faller. Foto: Michael Scheiner
Sven Faller. Foto: Michael Scheiner

Bassist Sven Faller leitet künftig den Bereich Jazz bei der Sommerakademie Neuburg an der Donau

Neuburg a.d. Donau. Neben Musik- und Musikfachschulen haben sich Workshops zu einem wichtigen Standbein der „jazz education“ entwickelt. Mit einem außerordentlich breiten Angebot aus Bildender Kunst, Tanz, Kunsthandwerk, Alter Musik, Klassik und Jazz hat die Neuburger Sommerakademie dabei immer eine Sonderstellung eingenommen. Spezialisierte Workshops, wie in Bayern in Erlangen und Burghausen, haben sich gegenüber diesem Gemischtwarenladen – um es einmal flapsig auszudrücken –  immer leichter getan, interessierte Musikschaffende anzusprechen. Das möchte der neue Leiter der Jazzabteilung, der Bassist Sven Faller, mit einer neuen, jüngeren Dozentenmannschaft und erweitertem Konzept künftig ändern. Kommenden Sommer will er bei der Sommerakademie ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nach mehr als drei Jahrzehnten anfänglich zäher Aufbauarbeit zieht sich der Saarländer Professor Herbert Wiedemann von der künstlerischen Leitung im Musiksektor zurück. Den Bereich Klassik hat er bereits vor drei Jahren an den Cellisten Alexander Suleiman abgegeben, im Bereich Jazz ist Faller vor einiger Zeit vom Stadtrat als neuer Leiter bestätigt worden. Mittlerweile hat Suleiman, Professor an der Musikhochschule in Suzhou, den Klassikbereich mit neuen Ideen und Ansätzen spürbar internationalisiert. Auch Faller, seit vier Jahren bereits als Dozent in Neuburg tätig, will den Jazzzweig …

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Von Möbeln im Ohr und Klängen, auf denen man sitzt

„Visionen“ sind heilbar, wollte der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt einst selbstgefällig weismachen. Es wäre schade drum. Deutlich wird das auch an Visionen, welche die Berliner Pianistin Fee Stracke auf einem Flughafen in Kanada überkamen. Nach einem Workshop sass sie dort erschöpft rum, als sich plötzlich die Stuhlreihen und Sitze um sie herum zu Rhythmen und einer Melodie formten. Gottseidank rannte Stracke, nach Deutschland  zurückgekehrt, nicht gleich zum Arzt, sondern begann Archive und Bibliotheken nach anderen besonderen Sitzgelegenheiten zu durchforschen. Recht bald stieß sie dabei auf den Ulmer Hocker von Max Bill, den Plastic Side Chair auf Traverse von Charles und  Ray Eames, den ikonischen Freischwinger von Mies van de Rohe, Marc Stam und Marcel Breuer aus den 20er Jahren, Michael Thonets Kaffeehausstuhl und etliche andere Möbel mit Stil und Geschichte. Aus den eher zufälligen musikalischen Visionen wurde eine künstlerische Absicht – und nach Monaten des Forschens, konzeptuellen Tüftelns und Noten Schreibens ein Packen voller Stücke, mit dem Fee Stracke ins Studio gehen konnte. Ein Stipendium des Berliner Senats half dabei und mit Daniel Meyer (g), Berit Jung (b) und Hampus Melin (dr) fand die Visionärin …

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„Wir tragen die Musik zu den Menschen!“ – Jazz-Workshop mit Helmut Eisel in Hürth

Am Vortag der 24. Hürther Jazznacht 2018 fand morgens in der Aula des Albert-Schweitzer-Gymnasiums ein Workshop statt. Auf Initiative des Jazzclubs Hürth e. V. durften Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums drei Stunden lang intensiv mit Helmut Eisel zusammenarbeiten. Der gefeierte Klezmer-Klarinettist und musikalische Grenzgänger probte mit neun Heranwachsenden unter anderem Giora Feidmans „Forget the tears, it’s beautiful“. Dabei vermittelte er auch etwas über die spirituellen Grundlagen der Klezmer-Musik, wenn er den Ursprung des Begriffs aus dem Aramäischen erläuterte. „Das Wort Klezmer bedeutet wörtlich ‚Gefäß des Liedes‘ oder ‚Gefäß der Musik’“, unterstrich Eisel. „Wenn wir live spielen, heißt das in diesem Zusammenhang, dass wir die Musik zu den Menschen tragen. Wir werden also der Kanal für Musik, die im eigentlichen Sinne schon da ist und auch in den Menschen weiterwirken wird, wenn wir aufgehört haben zu spielen“, sagte Eisel weiter zu den Schülern, die an Klavier, Posaune, Trompete, Saxophon, Querflöten und Cajón in einen Dialog mit dem Profi traten. Vor allem lag Eisel daran, die Schüler zum eigenen Improvisieren zu ermutigen: Wilde Skalen spielend, in denen seine Klarinette jauchzte und lachte, seufzte und jammerte, forderte er …

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Ein West-östlicher Jazz-Folk-Divan – Die Debüt-CD der Band „Eurasians Unity“

Wer sich die im Juni bei Enja Yellow Bird erschienene CD „Eurasians Unity“ anhören möchte, dem sei angeraten, zuvor auf Google Earth zu surfen oder einen klassischen Weltatlas zur Hand zu nehmen. Denn nicht jeder mag auf Anhieb wissen, wo zumindest einige der sieben Herkunftsländer der acht Musiker mit sieben Sprachen, die in diesem Orchester vereint sind, auf der Landkarte genau zu finden sind. In geographischer Definition liegen Usbekistan, Aserbaidschan, Iran, die Ukraine, Bulgarien, Polen und – am westlichen Zipfel – auch Deutschland – allesamt auf der Eurasischen Kontinentalplatte. Kultur, Volkskunst und Musik der jeweiligen Regionen auf diesem gewaltigen Terrain sind jedoch äußerst unterschiedlich. In westlicher Sicht je weiter östlich desto fremdartiger. Diese Unterschiede sind es, die Caroline Thon reizen. Die Kölner Saxophonistin, Komponistin und Bandleaderin folgte schon immer ihrer künstlerischen Devise, Grenzen zu testen und zu überschreiten. Das bewies sie bisher schon mit ihrem Quintett „Patchwork“ und mehr noch mit ihrem Thoneline Orchestra, mit dem sie die weithin beachteten Alben „Panta Rhei“ (2011) und „Black & White Swan“ (2015) veröffentlicht hatte. Spielte sie mit diesen Formationen fast ausschließlich ihre eigenen Kompositionen, so ging sie …

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