Live Visuals – ein ungewöhnliches Konzert

Farben hören, Töne sehen: Am 25. Februar 2016 präsentiert die Versicherungskammer Kulturstiftung in der Giesinger Konzertreihe Martin Albrecht SCRIABIN CODE, ein Konzert mit Live Visuals. Für den russischen Komponisten Alexander Skrjabin waren Töne mit Farbwahrnehmungen verbunden. Er komponierte für Auge und Gehör, befeuert von der Idee eines überwältigenden Gesamtkunstwerks. 100 Jahre nach seinem frühen Tod greift das Ensemble um den Jazz-Klarinettisten Martin Albrecht die visionären Ideen Skrjabins auf und übersetzt sie mit einer Video-Performance ins 21. Jahrhundert. Die Pianistin Asli Kiliç spielt ausgewählte Skrjabin-Préludes, die durch Improvisationen des Ensembles kontrastiert werden. Pianist Daniel Prandl, Klarinettist Martin Albrecht, Schlagzeuger Dirik Schilgen und Katharina Gross am Kontrabass: Eine Besetzung, die für improvisierte zeitgenössische Musik steht und ihre musikalische Herkunft im Jazz hat. Die Musikwissenschaftlerin Martina Taubenberger moderiert den Abend. 25.02.2016 um 19.30 Uhr, Ort: Versicherungskammer Bayern, München Weitere Infos unter: http://www.versicherungskammer-kulturstiftung.de/kulturstiftung/

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Jazz war seine zweite Leidenschaft – Zum Tode von Roger Willemsen

Von Dietrich Schlegel. Die Literatur war die eine Leidenschaft des am vergangenen Sonntag am Krebs gestorbenen Autors, Fernseh-/Radio-Moderators und Filmemachers Roger Willemsen. Seine zweite war der Jazz. Sie kam aber in den vielen Nachrufen in den Medien eher zu kurz, wurde oft gar nicht einmal erwähnt. Zu vielfältig, fast unübersehbar war auch das Schaffen dieses ungewöhnlichen, auch ungewöhnlich kreativen Intellektuellen. Doch die Hingabe, mit der er sich der Musik im Allgemeinen und dem Jazz im Besonderen widmete, war beeindruckend. Er verfügte über fundierte Kenntnisse der Geschichte des Jazz, seiner Stilrichtungen und seiner Interpreten. Und er war – wie das Verve-Online-Magazin „Jazz Echo“ seinen Nachruf überschrieb – „ein Advokat des Jazz“, ein unermüdlicher Werber für die heiß geliebte Musik der Improvisation. In seine Fernseh-Talkrunden lud er nicht nur Jazzmusiker wie Herbie Hancock, Chick Corea oder Quincy Jones ein. Er gewann auch Michel Petrucciani (1962 – 1999) zum „Hauspianisten“ seiner Talkshow „Willemsens Woche“ und verschaffte dem durch seine Knochenkrankheit schwer behinderten, aber ungestüm lebenshungrigen genialen Musiker in Deutschland eine über die Jazzszene hinaus reichende Bekanntheit. Die Zusammenarbeit der beiden schon so äußerlich unterschiedlichen Männer – Petrucciani war …

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Zum Tod des Saxofonisten und Klangforschers Norbert Vollath

Am Donnerstag, 1. Oktober, ist der Saxofonist, Bassklarinettist und  Klangforscher Norbert Vollath in seiner zweiten Heimat Irland  gestorben. Er wurde 59 Jahre alt. Seit einigen Jahren lebte er mit  seiner Frau, der Künstlerin Patricia „Pat“ Doherty, im einsamen Westen  der Insel, wo er auch am Strand seine Klangforschungen mit Wind,  Wellen, Wasser und Sand betrieb.  Die Installation „submerged IV“ war  eines der Projekte des Oberpfälzers, an denen er seit längerem  arbeitete. Vollath war ein Gründungsmitglied der Formation „Negerländer“ mit drei  Saxofonen und Schlagzeug/Perkussion. Anfänglich noch unter dem  spöttischen Namen „Die Original Negerländer“, erspielte sich das  kreative und musikalisch wegweisende Quartett schnell einen  exzellenten Ruf als innovatives, witziges und originäres Musikprojekt,  das sich wenig um stilistische oder Genregrenzen scherte. Nach anfänglichen Erfolgen und Tourneen unter anderem mit dem Goethe- Institut in Westafrika, begann die Gruppe Stimmfilm zu vertonen und  mit Künstlern anderer Kunstgattungen – Dichtung, bildende Kunst, Tanz  – zusammenzuarbeiten. Mit dem Musiker und Wortkünstler Mike Reisinger  gründete Vollath vor knapp 20 Jahren 1996 das Duo de Clarinettes- Basses, das anfänglich häufig Lesungen und Multi-Media-Veranstaltung  musikalisch begleitete. In den letzten Jahren weitete er seinen  künstlerischen Aktionsradius …

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New Orleans tief verbunden – Zum Tode von Gerhard „Doggy“ Hund, Chef der Maryland Jazz Band of Cologne

Von Dietrich Schlegel – „You know what it means to miss New Orleans“. Dieser alte Song stand wie ein Leitmotiv über dem Leben von Gerhard „Doggy“ Hund, dem Mitgründer, Leader und Posaunisten der Maryland Jazz Band of Cologne. Gerade erst, am 29. August, dem 10. Jahrestag, war der Verwüstung von „Big Easy“ durch den Hurrikan „Katrina“ gedacht worden, da starb nur eine Woche später der in Wien geborene, im Rheinland heimisch gewordene Musiker nach kurzer schwerer Krankheit, doch völlig überraschend für seine vielen Freunde und Fans mit 72 Jahren in seinem Wohnort Kerpen bei Köln. Kaum vorstellbar, dass sich ein anderer deutscher Jazzmusiker derart tief mit der Geburtsstadt des Jazz verbunden fühlte. 1979 war er erstmals dorthin gereist, um den Wurzeln des originalen Jazz, die er nach Jahren des damals für Amateurbands üblichen British Trad durch die Musik eines Bunk Johnson oder George Lewis endlich für sich entdeckt hatte. Unzählige Besuche folgten, mehrfach auch mit seiner kompletten Band. 2011 trat sie erstmals – als offizieller deutscher Kulturbeitrag – und 2014 nochmals beim Jazz & Heritage Festival auf. Sie gab Gastspiele in der legendären Preservation Hall …

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Eine Botschaft an Attila

MESSAGE TO ATTILA – The Music of Attila Zoller ENJ-9620 2 (Veröffentlichung  am 28. August 2015) Der ungarische Gitarrist Attila Zoller war Zeit seines Leben Bindeglied zwischen der europäischen und amerikanischen Jazz-Szene, egal ob swingende Tradition oder Avantgarde, als Instrumentalist wie als Komponist. Ein kompromissloser Vollblutmusiker, Komponist, Lehrer (Pat Metheny ist wohl einer seiner erfolgreichsten Schüler) und nicht zuletzt technischer Innovator für sein Instrument, die Gitarre. Auch 17 Jahre nach seinem Tod haben seine Kompositionen und Schaffen nichts an Strahlkraft verloren. Das beweist eindrucksvoll das „Message to Attila“ Album, das nun auf dem Münchner Enja Label erschienen ist. Zoller und Enja war bereits zu Lebzeiten eine einzigartige Verbindung und inspirierendes Konstrukt. Zollers Tochter Alicia hat nun ein wunderbares Projekt auf die Beine gestellt: Ehemalige Studenten und Freunde Zollers wurden kontaktiert, haben sich zusammen getan und seine Kompositionen bzw. Zoller-Klassiker, die die Musiker selbst beeinflusst und ein Leben lang begleitet haben, eingespielt und neu interpretiert. Eingeleitet wird die Aufnahme mit einer sehr persönlichen Message an Attila von keinem Geringeren als dem großen Bassisten Ron Carter. Dann geht es los – Mike Stern, Wolfgang Lackerschmid, das Duo …

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Ungarische Klassiker „verjazzt“

Von Mathias Bäumel – Neue CD »Hungarian Jazz Rhapsody« von Mihály Borbély bietet Hingabe und Substanz Wie sagte einst meine ungarisch-jüdische Nenn-Oma aus Budapest auf meine Frage, wieso es bei ihr immer so gut schmecke? »Nun, man darf nicht nur mit Liebe kochen – man muss auch ein paar Zutaten hineingeben!« Diese ernst gemeinte, aber schalkhaft vorgetragene Weisheit hat mein Leben bisher mitgeprägt. Die Nenn-Oma liegt längst auf jenem jüdischen Friedhof in Budapest, auf dem auch der Komponist des Liedes vom traurigen Sonntag, Rezsö Seress, liegt, und ich selbst bin seither immer wieder auf der Suche nach der Verbindung beider Aspekte: Hingebung und Substanz, auch im Rahmen meines Interesses für Jazz. Kürzlich wurde ich diesbezüglich wieder einmal fündig. Und – wieder einmal – in der Musik des ungarischen Saxofonisten und Tárogató-Spielers Mihály Borbély. Der hat, nach seinen großen Würfen, den Veröffentlichungen »Hommage à Kodály« und »Meselia Hill«, nun ein Album herausgebracht, das sich unter dem beziehungsreichen und von Attila Zoller stammenden Namen »Hungarian Jazz Rhapsody« einigen Kompositionen der ungarischen Populärmusik zuwendet, älteren und nicht so alten. »Várj, Míg Felkel Majd A Nap« (Warte bis die …

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Gedenkkonzert zum 2. Todestag von Leo von Knobelsdorff

Vor zwei Jahren starb in Erftstadt der legendäre Kölner Boogie-Pianist Leo von Knobelsdorff. Zu seinem Gedenken  findet am Samstag, den 21. Februar 2015, 20.15 Uhr, in der Aula der Gottfried-Kinkel-Realschule an der Jahnstraße in Liblar ein Konzert statt. Veranstaltet wird es vom Kulturhaus Erftstadt, Szene 93 und Jazzin‘ Erftstadt. Die Schirmherrschaft übernahm Bürgermeister Volker Erner. Axel Zwingenberger und Knobelsdorffs letzter Schüler Stefan Ulbricht am Piano, Moritz Schlömer an den Drums und Thomas Aufermamm, Vocals, erinnern mit diesem Konzert an den großen Musiker. Den Erlös erhält die Erftstädter Flüchtlingshilfe. Moderieren wird das Konzert Philipp Wasmund. Im Vorraum wird es eine Ausstellung des Musikarchivs Köln mit Stücken aus Knobelsdorffs Nachlass geben. Eintrittskarten für das Konzert gibt es im Erftstädter Buchhandel für 12, ermäßigt 8 Euro, sowie unter www.szene93.de und unter Tel. 0 22 35/92 28 34. Und hier ein Artikel aus unserem Archiv von Dietrich Schlegel zum Tod von Leo von Knobelsdorff (JazzZeitung Ausgabe 2/2013) Ein Denkmal gesetzt Zum Tode des Boogie Woogie-Pianisten Leo von Knobelsdorff Er war eine legendäre Musikergestalt weit über Köln und das Rheinland hinaus, und er war auf seine unverwechselbare Art auch ein Original …

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Peter Herbolzheimer European Jazz Academy in ihrem 13. Jahr – ein Rückblick

In der Landesmusikakademie Hessen auf Schloß Hallenburg in Schlitz bei Fulda ging mit dem Abschlusskonzert am Abend des Nikolaustages die 13. Arbeitsphase der Peter Herbolzheimer European Jazz Academy zu Ende. Fünfundzwanzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten in den vorausgegangenen fünf Tagen ein höchst anspruchsvolles Programm erarbeitet, das sich aus Originalkompositionen und Arrangements des großen europäischen Bigbandleiters zusammensetzte, darunter so bekannte Titel wie La Fiesta von Chick Corea, Pat Methenys Better Days Ahead und Boblicity von Miles Davis sowie Herbolzheimer-Klassiker wie Just Like That, The Healer und Mambo Al Dente. Der jüngste Teilnehmer hat das Alter von fünfzehn Jahren erreicht, saß am Schlagzeug und ist noch Schüler, während der zweite Altist des Saxophonsatzes die siebzig überschritten hat und als pensionierter Bundesverwaltungsrichter bereits in allen bisherigen Herbolzheimer-Arbeitsphasen seit der Gründung im Jahre 2007 mitwirkte. Das hätte den im März 2010 verstorbenen Kölner Bigbandmusiker gefreut, denn die von ihm betriebene Gründung dieses Orchesterprojektes geht auf seine Idee zurück, junge und ältere Generationen von sowohl professionellen als auch fortgeschrittenen Jazzmusikern in Arbeitsphasen zusammenzubringen und sie unter qualifizierter Anleitung miteinander und voneinander lernen zu lassen. Dass das musikalische …

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Kenny Wheeler. Foto: German Jazz Trophy

Zum Tod von Kenny Wheeler

Der kanadisch-britische Trompeter Kenny Wheeler (* 14. Januar 1930 in Toronto, Ontario; † 18. September 2014 London) galt nicht nur als Trompetenvirtuose mit unverkennbar eigenem, ätherischen Ton, sondern als einer der produktivsten Komponisten des Jazz: Gegen 200 Stücke hat er geschrieben, die auf gut 30 Alben veröffentlich wurden, die meisten bei dem deutschen Label ECM Records in München. Kenny Wheeler war schon seit längerer Zeit krank und bettlägerig. Musikerkollegen hatten mit Benefizkonzerten Geld gesammelt, um die Krankheitskosten tragen zu helfen. Nun ist er 84-jährig in London gestorben. Lesen Sie Ausschnitte aus der Laudatio für Wheeler, die Jazzzeitungsredakteur Andreas Kolb im Jahr 2005 in Stuttgart anlässlich der Überreichung der „German Jazz Trophy – a life for jazz“ an den Trompeter hielt. Die Trompete zeichnet sich durch eine seltsame Ambivalenz aus. Als dem repräsentativen Instrument des Hofes hatte sie von jeher eine Sonderstellung. Als Lehrlinge für die damals angesehenste und nur in höfischen Diensten stehende Zunft der Trompeter und Pauker wurden ausschließlich ehrbare und unbescholtene junge Männer aufgenommen, die nach einer strengen Lehrzeit von sechs Jahren (bis zur Künstlerreife braucht man heute auch so etwa 12 Semester) …

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„Kreuzritter des Swing“: zum Tod von Al Porcino

Text und Foto von Michael Scheiner – Im Mai 2010 feierten Jazzorchester Regensburg und Uni Jazz Orchester mit dem Bandleader Al Porcino dessen 85. Geburtstag im vollbesetzten Audimax. Am Silvestermorgen, nicht wie von einigen Medien berichtet am 2. Januar, ist der Musiker im Alter von 88 Jahren in seiner Wahlheimat München gestorben. „Wir sind alle wie vor den Kopf gestoßen“, sagt die Trompeterin Annette Neuffer, die elf Jahre in der Bigband ihres „väterlichen Mentors und Lehrers“ gesungen hat. Porcino war in den letzten Jahren häufiger in Regensburg. Meist auf Einladung des Jazzdirektors und Posaunisten Christian Sommerer. Der schätzte die große Erfahrung des Altmeisters sehr hoch und engagierte ihn für Workshops mit Studenten und verschiedenen Big Bands. Porcino folgte diesen Einladungen immer gern, erkannte er doch in Sommerer einen Geisterverwandten, der vieles von dem fortsetzen konnte, was ihm in der Musik und im Leben wichtig war. Am 14. Mai 1925 in New York City geboren, trat Porcino mit 17 Jahren in das Orchester des berühmten Sängers Louis Prima ein. Nach der Tournee mit Prima wurde die Arbeit in und mit Jazzorchestern zu Porcinos Lebensaufgabe. In den …

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