Keeping a Tradition: Joshua Redman mit neuer CD „Still Dreaming“

Joshua Redmans neue CD „Still Dreaming“ ist alles anderes als eine nostalgische Hommage oder gar Reminiszens an das „Old and New Dreams“ Quartett seines Vaters. In den siebziger Jahren stand diese Formation um den Saxophonisten und Joshuas Vater Dewey Redman gemeinsam mit Trompeter Don Cherry, Charlie Haden am Bass und Drummer Ed Blackwell für eine konsequente Fortführung des modernen Jazz-Geistes, der sich, ganz im Geiste ihres Weggefährten Ornette Coleman, in den frühen sechziger Jahren manifestierte. „Old And New Dreams“ – das waren ungestüme, kollektive Improvisationen die seinerzeit zelebriert wurden, das Ausleben musikalischer Freiheiten, energiegeladen, erdig, immer humorvoll mit musikalischem Schalk im Nacken und im weitesten Sinn bereits ein „Tribute to Ornette Coleman“. Der Einfluss dieses Quartetts hat natürlich seine Spuren bei Joshua Redman hinterlassen. Nun war die Zeit reif, aus seiner Begeisterung für „Old And New Dreams“ etwas Neues zu schaffen: ohne nostalgisches Pathos – höchstens als Verbeugung vor seinem Vater… „Still Dreaming“! Mit Ron Miles hat Joshua Redman einen Trompeter gefunden, der, von Don Cherrys Spielweise beeinflusst, eine eigene Sprache auf seinem Instrument entwickelt hat. Scott Colley studierte in jungen Jahren selbst bei Charlie …

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Akustische Emotionen: Jazzkonzert im Kulturzentrum mon ami in Weimar mit dem „Large Ensemble featuring Claudio Puntin“

Claudio Puntin ist nicht nur einer der wenigen Holzbläser der modernen deutschen Jazzszene, die ausschließlich Klarinetten spielen, er ist auch einer ihrer kreativsten Köpfe überhaupt. Nun kommt der Musiker als Gast des „Large Ensembles“ der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar zu einem Workshop am 5. und 6. Juni an das Institut für Neue Musik und Jazz. Die Arbeit mit den Studierenden gipfelt in einem Jazzkonzert am Donnerstag, 7. Juni um 20:00 Uhr im Weimarer Jugend- und Kulturzentrum mon ami. Die Leitung des Konzerts übernimmt Stefan Schultze. „Large Ensemble feat. Claudio Puntin“ ist der Jazzabend übertitelt, für den Puntin (Klarinette, Bassklarinette und Komposition) extra die Musik seines Projekts „Sepiasonic“ für das 14-köpfige Jazzensemble neu arrangiert. Inspiriert sowohl von Popgruppen wie Sigur Rós als auch von der Klangästhetik seines geistigen Mentors Sergiu Celibidache geht es Puntin um eine möglichst räumliche und „hymnische“ Musik. Komponiertes Material wird improvisierend in langen Bögen und Schleifen zu dichten, harmonischen Klangteppichen ausgewoben. „Es geht in erster Linie darum, mit den Studierenden ein Klima zu schaffen, in dem akustische Emotionen zu konzertantem Material strukturiert werden“, erklärt Claudio Puntin sein Konzept. Im Workshop …

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+++News+++ Musik-Verbände kritisieren Reduzierung des Etats für den APPLAUS+++ UDJ sieht ECHO JAZZ-Neuauflage als Chance+++

Musik-Verbände warnen vor Reduzierung des Etats für den Spielstättenprogrammpreis APPLAUS Anlässlich des Starts der Antragsphase beim APPLAUS kritisieren die Bundeskonferenz Jazz und LiveKomm gemeinsam mit weiteren Partnern die drohende Halbierung des Budgets des Spielstättenprogrammpreises. Konnten im vergangenen Jahr noch 86 Clubs und Veranstaltungsreihen mit insgesamt 1,8 Millionen Euro werden, ist im Haushaltentwurf 2018 nur noch die Hälfte der Gelder vorgesehen. Es stehe der wichtige Schwung auf dem Spiel, mit dem in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland die Landschaft der Musik-Clubs belebt wurde. An den vielen prämierten Orten hochwertiger Live-Musik aus den bisherigen Jahren des Preises, sind die positiven Effekte des APPLAUS unübersehbar. Durch ein höheres Budget könnten mehr preiswürdige Programme mit höheren Preisgeldern ausgezeichnet werden. Folglich könne es nicht nur mehr ausgezeichnete Spielstätten geben, die den Preis überaus verdient hatten, sondern könnten diese auch zusätzliche Konzerte mit höheren Gagen für die Musiker*innen durchführen. Als gemeinsamer Preis für Jazz, Rock und Pop ist APPLAUS ein gelungenes Beispiel der Zusammenarbeit zum Teil sehr unterschiedlicher Musikgenres und Szenen. Er würdigt die herausragende kulturelle Leistung der kleinen Spielstätten des Jazz, Rock und Pop, stärkt sie strukturell und lässt …

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Menzels Schwester Emilie im Schlaf. Um 1848, Öl auf Papier, aif Leinwand, 46,8 × 60 cm Adolf Friedrich Erdmann von Menzel. Hamburg, Kunsthalle

Kein ECHO weit und breit – Roter Teppich wird eingerollt

Wenn man einmal bedenkt, welche Wellen der Film zu Anna-Lena Schnabel im letzten Oktober geschlagen hat, als sie und die ECHO-Jazz-Verleihung ins Zentrum mehr oder minder starker Diskussionen rückten, kann man als Außenstehender schon etwas verwundert darüber sein, dass der aktuelle ECHO-Skandal so gut wie keinen „öffentlichen“ Widerhall findet im Jazz-Biotop (zwei [vier] Meldungen von Anke Helfrich und Sebastian Sternal gibt es da*). Ist das nun nur Ignoranz? Oder der Haltung geschuldet, dass man sich sagen mag, das eine habe mit dem anderen nichts zu tun? Bei den Leuten aus dem ECHO-Klassik gab es ja doch zahlreiche Wortmeldungen. Von Christian Thielemann über Daniel Barenboim bis zu Igor Levit. Der ECHO war plötzlich irgendwie „beschädigt“. Erst jetzt? Unter den Jazzerinnen gab es auch nicht wenige, die das Treiben kritisch beäugten. Und nun? Nicht einmal die Meldung, dass man den nächsten ECHO-Jazz ohne Brimborium von Fernsehen und Co über die Bühne gehen lassen will, führte zu irgendeiner nennenswerten Reaktion. Das eine hat offenbar doch mit dem anderen „irgendetwas“ zu tun. Auch der ECHO Jazz ist nun mitbetroffen. Der rote Teppich kann wieder eingerollt werden. Man könnte das …

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