Klangliche Seiltänze voller Zärtlichkeit

Erst nach mehreren Zugaben durfte das gefeierte Duo mit Jean-Louis Matinier und Kevin Seddiki von der Bühne im Leeren Beutel in Regensburg. Von Michael Scheiner Irgendwann beginnt es im Kopf zu klingeln und Erinnerungen an ein weit entferntes Konzert, „Friday Night in San Francisco“, tauchen bei einigen Akkorden von Kevin Seddiki auf.  Seddiki, 1981 in Clermont-Ferrand zur Welt gekommen, ist viel zu jung, um das ein Jahr vor seiner Geburt live mitgeschnittene Konzert der drei Gitarrengrößen Paco de Lucia, John McLaughlin und Al Di Meola erlebt zu haben. Sicher hat er es später einmal als Video gesehen. Entscheidender für sein eigenes Spiel auf der nylonbespannten akustischen Gitarre aber ist die Mitgliedschaft in Di Meolas Band World Sinfonia. Vier Jahre spielte der französische Gitarrist mit algerischen und italienischen Wurzeln in der Band des als „schnellster Gitarrist der Welt“ gefeierten Fusionmusikers. Dabei fand auch der eine oder andere Lick des älteren Bandleaders seinen Weg in Seddikis Spiel. Von einem Imitat kann bei dem klassisch geschulten Musiker indessen keine Rede sein. Auf jeder Station seiner ungemein weit gefächerten künstlerischen Karriere hat er Ideen aufgesogen und in sein vielgestaltiges …

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Cicero – Zwei Leben, eine Bühne jetzt im Kino

Vor ziemlich genau sechs Jahren erschütterte die Nachricht vom frühen Tod Roger Ciceros die Musikwelt Deutschlands und weit darüber hinaus Fans in ganz Europa. Er hatte den Bigband-Swing mit deutschen Texten so populär wie nie zuvor gemacht, beim ESC in Finnland weit abgeschlagen, aber um so mehr in Deutschland verehrt. Dass er einen ziemlich berühmten Vater namens Eugen hatte, der mit nur 57 Jahren an einem Hirninfarkt gestorben ist, war wohl nur Jazzfans wirklich bekannt. Im berührenden Dokumentarfilm CICERO – ZWEI LEBEN, EINE BÜHNE, der jetzt ab heute in den deutschen Kinos zu sehen ist, zeichnen Kai Wessel und Katharina Rinderle die Vater-Sohn-Beziehung zweier Ausnahmetalente nach. Wegbegleiter wie Charly Antolini, Till Brönner, Ack van Rooyen und weitere Zeitzeugen lassen die beiden in ihren Erinnerungen wieder lebendig werden, und besondere Konzertausschnitte lassen die Lücke, die ihr früher Tod hinterließ, aufleuchten. Der Filmfängt irgendwo backstage in Deutschland an: Ein nicht mehr ganz junger Mann mit Kappe, Jeans und Lederjacke macht Lippenstimmübungen während er Tee kocht und seine Mails checkt. Etwas später mit Hütchen und T-Shirt unterm Anzug wünscht er allen Musikern im Dunklen hinter der Bühne toi …

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Bastian Jütte Quartett mit neuem Album: THE CURE

Mit der gerade erschienenen Aufnahme „The Cure“ folgt, nach dem vielbeachteten 2016 veröffentlichten Debut „Happiness Is Overrated“, nun ein würdiges Nachfolgealbum des Bastian Jütte Quartetts. Aufgenommen wurde „The CURE“ ungefähr eine Woche vor dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020. Wie sich alles weiter entwickeln sollte war damals nicht absehbar, und so ist der Titel Programm. Die ausschließlich aus der Feder von Bastian Jütte stammenden zehn Kompositionen sind Balsam für musikalische Entbehrungen, die wir alle in diesen Zeiten haben hinnehmen müssen. Die Musik auf dem Album ist extrem pointiert, zum Teil herrlich vertrackt und erfrischend gespielt. Bastian Jütte als Bandleader hat zusammen mit seinen Kollegen ein bewährtes, ungemein starkes Quartett auf die Beine gestellt. Mit von der Partie Pianist Rainer Böhm, der mit vielschichtigen Improvisationen begeistert, Henning Sieverts am Bass, groovend wie abwechslungsreich und last not least Florian Trübsbach, der mit traumwandlerischem Spiel am Saxophon Akzente setzt. Man merkt von Anfang bis Ende der Aufnahme, dass hier vier gute Bekannte/Freunde zugange sind, die sich seit Jahren kennen und nicht nur an den Instrumenten gut verstehen. Das Ergebnis ist absolut hörenswert! Der relaxt beginnende Opener „Post City“ …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 07.03.22–13.03.2022

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 10. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Andere tolle Sendungen im Radio finden Sie in der Radiowoche im Bad Blog Of Musick. mo – 07.03.2022 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 19:30:00 | Ö1 On stage: Amarcord im November 2021 im Wiener RadioKulturhaus Mit kammermusikalischen Bearbeitungen der Werke u. a. von Modest Mussorgski, Gustav Mahler und Erik Satie ist das Wiener Quartett Amarcord in den Jahren seit der Gründung anno 2000 bekannt geworden. Wobei Stilreinheit nicht Sache der vier Musiker ist, die auch gerne in Richtung Jazz, Pop, Tango und Volksmusik crossovern und mit Gitarrist Wolfgang Muthspiel ebenso zusammen gearbeitet haben wie mit den Sängerinnen Rebekka Bakken und Elisabeth Kulman. Am 5. November 2021 gab Amarcord im Großen Sendesaal des Wiener RadioKulturhauses das Programm „Das Leopoldstädter Testament“ zum Besten, mit Bearbeitungen von Werken Ludwig van Beethovens sowie stilentgrenzten Liedern -mit und ohne Stimme -und groovigen Instrumentalstücken des in Wien -Leopoldstadt beheimateten Komponisten Marcus Davy. Zudem standen Kompositionen von Georg Breinschmid und Amarcord-Violinist Sebastian Gürtler auf dem Programm. Die seit der Gründung …

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Verschwinden werden unsere Feinde wie Tau in der Sonne: Tamara Lukasheva veranstaltete ein Solidaritätskonzert im Kölner Stadtgarten

„Noch sind der Ukraine Ruhm und Freiheit nicht gestorben, noch wird uns lächeln, junge Ukrainer, das Schicksal. Verschwinden werden unsere Feinde wie Tau in der Sonne, und auch wir, Brüder, werden Herren im eigenen Land sein“, lautet die erste Strophe der ukrainischen Nationalhymne – und nein, sie ist nicht gerade aktuell in diesen Tagen geschrieben worden, auch wenn dies in so tragischer Weise naheliegt. Der ukrainische Dichter Pawlo Tschubynskyj schrieb im Herbst 1862 das patriotische Gedicht, das später zur Hymne wurde, lange bevor es die Ukraine als eigenständigen Staat gab. Sechs Tage nach dem russischen Überfall auf das osteuropäische Land veranstaltete die ukrainische Sängerin Tamara Lukasheva ein Solidaritätskonzert im Kölner Stadtgarten. Viele Protagonisten der Kölner Jazzszene standen als verlässliche Band hinter den drei beteiligen Sängerinnen Tamara Lukasheva, Mariana Sadovska und Tasja Chernishova. Eine der kraftvollsten Gesten hat der Abend schon direkt nach dem ersten Stück: Gemeint ist diese entschiedene Handbewegung, mit der Tamara Lukasheva beim Schlussakkord der ukrainischen Nationalhymne die Band, die gerade hinter ihr steht, „dirigiert“- was einen Moment lang wie das Ausführen eines unsichtbaren Degens, auf jeden Fall wie ein entschiedenes Ausrufezeichen wirkt. …

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Das Gilad Hekselman Trio zu Gast im Jazzclub Unterfahrt

Was für ein Abend! Endlich wieder richtig Stimmung mit einer internationalen Band im ausverkauften Club. Ausverkauft, das heißt zurzeit gut hundert Besucher, zwar mit Masken am Platz, aber nichtsdestotrotz ausgelassen, gespannt und guter Laune. Das Gilad Hekselman Trio spielte am vergangenen Dienstag im Jazzclub Unterfahrt. Kaum ein anderer Gitarrist hat in der letzten Zeit so viel Aufsehen erregt. Im 2017er Critics Poll des Jazzmagazins Down Beat belegte er den ersten Platz unter den Rising Stars, und seitdem ist viel passiert. Anklänge an Pat Metheny oder John Scofield sind offensichtlich, allerdings mit einer komplett eigenständigen, sehr melodiebetonten, Spielweise. Dazu glänzt Hekselman weniger durch Schnelligkeit oder Saitenakrobatik, sondern spielt zielstrebig, mit klarem Ton. Mit von der Partie an dem Abend Petros Klampanis am Bass und der wunderbare Schlagzeuger Amir Bresler. Bereits beim ersten Stück „Long Way From“ sprang der Funke auf das Publikum über, und im Laufe des Abends zündete Hekselman an der Gitarre ein Feuerwerk nach dem anderen: „The Headrocker“ oder das John Scofield gewidmete „Scoville“ gingen in die Vollen. Dazwischen immer mal wieder ruhigere Töne, ein paar Kompositionen aus seinem demnächst erscheinendem Album „Far Star“, …

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+++ news +++ WDR Bigband, Tutu Puoane und John Clayton in Duisburg +++ Crossover Jazz in Oberhausen +++Jazzclub Minden: Konzerte im März +++ Erfurter Reihe „Jazz Stream“ +++

+++ WDR-Bigband mit Tutu Puoane und John Clayton in Duisburg +++ Im Rahmen des Duisburger AKZENTE-Festivals 2022 findet am 25. März in der Philharmonie der Mercatorhalle Duisburg ein Konzert der WDR-Bigband mit Tutu Puoane statt. Die südafrikanische Sängerin lebt seit 2004 in Belgien und begeistert mit ihrer außergewöhnlichen Stimme und viel Charisma. Mit Songs aus ihrer Heimat und Standards des Great American Song Book wird es ein vielseitiges Programm geben, das eine Mischung aus Jazz und Worldmusic bereithält. Die hochkarätige Besetzung aus Puoane, WDR Bigband und Bassist John Clayton als künstlerischer Leiter verspricht feinsten Jazzgenuss. Kartenverkauf und weitere Informationen unter: www.mercatorjazz.de Unser Beitragsbild zeigt Tutu Puoane (Foto: Uli Balß) +++ Crossover Jazz in der Fabrik K14 Oberhausen +++ Am Freitag dem 11.03. gibt das Duo Vivian Arbeiter Probst (Querflöte) und Jan Bierther (Jazzgitarre) gemeinsam mit Eric Richards (Bass) und Miroslaw Tybora (Akkordeon) ein Konzert in der Fabrik K14 in Oberhausen. Das Duo Arbeiter Probst/Bierther widmet sich unterschiedlichen Stilen, wie Jazz, Tango und Folk. Sie interpretieren Eigenkompositionen und -arrangements von Klassikern des Great American Songbooks, sowie von Stücken Piazzollas oder Jobims Weitere Informationen hier Foto: Paul …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner

Die Jazz-Radiowoche vom 07.02.22–13.02.2022

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 6. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Andere tolle Sendungen im Radio finden Sie in der Radiowoche im Bad Blog Of Musick. mo – 07.02.2022 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 19:30:00 | Ö1 On stage: Austria String Trio beim Carinthischen Sommer 2021 in Villach Drei Ausnahmemusiker schließen sich zusammen und vereinen ihre Leidenschaften in einer neuen Formation: der international gefeierte Violinist Benjamin Schmid, der Cellist Florian Eggner, der im Eggner Trio weltweit feinste Kammermusik zum Besten gibt, und Wolfgang Muthspiel, der Ausnahme-Jazzgitarrist und Komponist, der vor einigen Jahren auch mit einem Singer/Songwriter-Projekt hervorgetreten ist. Am 15. August 2021 gastiert das so besetzte Austria String Trio im Rahmen des Carinthischen Sommers im Congress Center Villach und begeistert das Publikum vor allem mit Eigenkompositionen, aber auch mit einer Johann-Sebastian-Bach-Bearbeitung und Variationen über Popsongs. Hier werden die Qualitäten von Kammermusik und Improvisation verbunden, hier wird der Beat, der Puls, der Rhythmus gefeiert. Zusammen gehen die drei Virtuosen selbstbewusst neue Wege. Daniela Knaller präsentiert den gelungenen Konzertabend in Villach. 20:03 bis 21:30 | Deutschlandfunk …

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Jazz im Radio. Foto/Montage: Hufner
Jazz im Radio

Die Jazz-Radiowoche vom 31.01.22–06.02.2022

Ein kleiner Blick in die Radiowoche 5. Die Übersicht zum Download als PDF. Alle Angaben ohne Gewähr. Andere tolle Sendungen im Radio finden Sie in der Radiowoche im Bad Blog Of Musick. mo – 31.01.2022 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 22:04 bis 23:00 | WDR 3 WDR 3 Jazz: Der geheime Garten des Jazz 22:30 bis 23:00 | hr2-kultur Jazz Now: Aus dem Dschungel der Neuveröffentlichungen Am Mikrofon: Jürgen Schwab. Heute mit: Mark Holub: Anthropods | Dieter Ilg: Dedication | Gábor Bolla Quartet: On The Move 22:50 bis 23:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor elf 23:05 bis 00:00 | BR-KLASSIK BR-KLASSIK – Jazztime: Jazztoday Swinging News: Mit dem „Rocky Knauer Septett & The Contemporary Music Orchestra“, dem Gabor Bolla Quartet und der Band der Sängerin Samara Joy. Auswahl und Moderation: Henning Sieverts di – 01.02.2022 01:05 bis 05:00 | Deutschlandfunk Kultur Tonart: Jazz – Moderation: Vincent Neumann 17:50 bis 18:00 | SWR 2 SWR2 Jazz vor sechs 20:05 bis 21:00 | SWR 2 SWR2 Jazz Session: Free Hoops – Das Sylvie Courvoisier Trio beim Jazzfest Berlin 2021 Von Julia …

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Zwei, die sich inspirieren: Siyou’n’Hell

Zwischen funky Grooves, afrikanischen Traditionals und Songs von existentieller Tragweite bewegte sich das Duo Siyou’n’Hell kürzlich im Jazzclub Leer Beutel in Regensburg.  Kein Konzert, welches aktuell stattfindet, geht ohne wenigstens einen kleinen seelischen Striptease über die Bühne des Leeren Beutels. „Nach so vielen Wochen, Monaten der Abstinenz ist es etwas ganz Besonderes“, wandte sich Sängerin Siyou Isabelle Ngnoubamdjum ans Publikum, „hier zu sein.“ Es sei für sie ungewohnt und gleichzeitig sehr vertraut – letzteres hörte man dem Spiel, der Musik des Duo Siyou’n’Hell auch an. Vom ersten zarten Ton an, in den nach einigen Takten Hellmut Hattler auf seinem E-Bass einstimmt, ist diese starke künstlerisch-emotionale Verbundenheit zwischen den beiden spürbar. „Motherless Child“, ein Spiritual mit dem der afroamerikanische Folksänger Ritchie Havens beim legendären Woodstock-Festival bekannt wurde, machte den Auftakt zu einem Abend mit stürmischen Grooves und ebenso ruhigen, innigen Momenten. Überraschungen hielten die beiden Musiker manchmal eher untereinander parat, wenn Hattler seine Duopartnerin unerwartet Haken auf dem Bass schlug und sie daraufhin in herzhaftes Lachen verfiel. Der Spaß und die Freude vor realen und nicht nur zahlenmäßigen Zuhörern bei einem Online-Konzert zu spielen übertrug sich …

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