Ystad Sweden Jazz Festival – Gesänge, Möwen, Vollmond und die Kaffeestunde

Im 17. Jahr gab es nun das Jazzfestival im südschwedischen Ort Ystad: Traumwetter mit angenehm kühlem Wind, musikalische Vielfalt – und bewegende Stunden mit jung gebliebenen Altstars. Ideale Bedingungen für ergiebige Sommertage mit Jazz. Scharfgeschnittene Gesichtszüge, Brille, elegant grau-gescheiteltes Haar, beigefarbener Anzug: Der brasilianische Songschreiber und Sänger Ivan Lins, seit über 50 Jahren ein großer Name, stand mitten auf der Bühne hinter einem Keyboard und legte die Hand aufs Herz. „Ich bin verliebt in diesen Ort, mein Gott!“ Er hob hervor, wie beeindruckt er sei: „Keine kommerzielle Firma, keine politische Verwaltung, einfach nur Menschen“ würden das zuwege bringen, was er hier erlebe. „Erstaunlich!“ – Das klang, hervorgebracht in ruhigen, bedachten Sätzen, nicht nach Schmeichelei, sondern nach authentischer Begeisterung. Entsprechend lang kostete der Sänger sein Konzert auch aus: Fast zwei Stunden stand er vor dem Publikum im ausverkauften Theater der südschwedischen Küstenstadt, erzählte in intimer Langsamkeit von seinem Leben und seinen Songs, interpretierte mit immer noch tragfähiger, wenn auch in wenigen Momenten inzwischen brüchiger Stimme zur feinfühligen Begleitung einer hochversierten Band Liebeslieder aus unterschiedlichen Phasen sowie Klassiker wie seinen 70er-Hit „Madalena“ – und wurde am Ende …

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Ein letztes kleines Jazz-Woodstock? Betrachtungen vom Inntöne-Festival 2025

Wie langweilig, einen Festivalbericht mit dem Wetter zu beginnen. Aber seit Paul Zauners Inntöne-Festival, der „Jazz auf dem Bauernhof“ in Diersbach bei Schärding, während und wegen der Corona-Zeit von Pfingsten auf Juli und von der Scheune aufs freie Feld wanderte, ist das Wetter natürlich ein wichtiges Thema. Wie bei allen Open Airs braucht man Glück, und das hatten die Inntöne bisher stets, von minimalen Gewitter-Unterbrechungen abgesehen. Auch heuer blieb es die gesamten drei Tage trocken, schön und warm. Alles war also wieder angerichtet für das kleine Jazz-Woodstock: Dieses fröhlich-freundliche Kampieren, Flanieren und sich Delektieren rund um die Musik. Anders als vor 55 Jahren in Bethel ohne Regenschlacht und Verkehrs-Chaos, dafür mit allen nötigen Facilities und kulinarischer Rundum-Versorgung. Das ebenfalls fast immer glückliche Händchen von Paul Zauner beim Festival-Line-Up setzte sich fort. Jeder, selbst ein ausgewiesener Jazz-Experte, konnte hier wieder Entdeckungen machen. Schon am Freitag zum Beispiel die trotz langer Karriere und Kollaborationen mit The Brand New Heavies, Bobby McFerrin oder auch Till Brönner hierzulande weitgehend unbekannte britische Sängerin Heidi Vogel, die zeigte, dass es auch in der wilden Londoner Szene ganz klassischen Jazzgesang rund um …

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