Paul Bley – Nachruf auf einen Modernisten

Leuchtende Akkorde, klarer Anschlag, moderner Improvisationsduktus – dies sind die gängigen Attribute, die dem Pianisten Paul Bley zugesprochen werden. Dass sie wahr sind, belegen über 100 CD-Einspielungen des großen Improvisators der Jazz-Moderne. Am 3. Januar starb der kanadische Pianist im Kreise seiner Familie wie der „Ottawa Citizen“ unter Berufung auf Bleys Tochter meldete. Paul Bley (* 10. November 1932 in Montreal; † 3. Januar 2016) galt nicht nur als einer der innovativsten Avantgarde-Pianisten seiner Zeit, er war auch kulturpolitisch tätig: Der Verband der Jazz-Komponisten (Jazz Composers Guild) wurde mit von ihm ins Leben gerufen. Sein letztes Album war 2014 erschienen, es war die Aufnahme eines Konzerts in Oslo vor sechs Jahren. Es enthält fünf große Improvisationen über eigene Themen und über „Pent-Up House“ von Sonny Rollins und zeigt einen Pianisten, der – von Moden und Strömungen unbeirrt – seine Kunst entfaltet. Mehr zu Paul Bley in der nächsten Ausgabe der neuen musikzeitung (nmz/Februar 2016) CD-Tipp: Paul Bley: Play Blue (Oslo Concert) ECM Records

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Meisterlich auf 12-saitiger und Konzertgitarre: Ralph Towner

Ralph Towners Solokonzert in der Unterfahrt am 28. November war unter der Überschrift „ECM Artists in Concert“ annonciert. Nicht zu Unrecht wenn man bedenkt, dass die meisten seiner CD-Veröffentlichungen unter seinem Namen bei der Edition of Contemporary Music herausgekommen sind. Thomas J. Krebs hat Towners jüngsten Besuch in München besucht und in Farbe und Schwarzweiss festgehalten. Am 1. März dieses Jahres ist Towner 75 Jahre alt geworden, am 3. Juli wurde er mit der German Jazz Trophy  im Rahmen der Stuttgarter Jazzopen für sein Lebenswerk geehrt. Lesen Sie dazu das Porträt von Harry Klein. http://www.nmz.de/artikel/der-seismograph-der-seele  

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CD-Rezension: Hommage à Eberhard Weber

Von Thomas J. Krebs – Vorliegende Aufnahme ist ein „Destillat“ der beiden Konzertabende vom Januar 2015, die zu Ehren von Eberhard Webers 75. Geburtstag im Stuttgarter Theaterhaus stattfanden. Ein bemerkenswertes Live Album in vielerlei Hinsicht. So ist es gelungen so ziemlich alle wichtigen Weggefährten Webers nach all den Jahren wieder einmal zusammen zu bringen. Auf dieser CD vereint sind Jan Garbarek, Gary Burton, Danny Dottlieb, Paul McCandless, Scott Colley, die SWR Big Band unter Leitung von Helge Sunde und Michael Gibbs und last not least Pat Metheny mit einer Auftragskomposition, aber dazu später. Lediglich Steve Swallow war aus persönlichen Gründen verhindert und Ralph Towner, der bei den Proben noch mit von der Partie war, konnte leider aufgrund gesundheitlicher Probleme nicht mit dabei sein. „Des Meischte ist geschwätzt“ so Eberhard Webers Kommentar gleich zu Beginn des Events im Stuttgarter Theaterhaus. Er war nie ein Mann großer Worte, sondern mehr der Melodien, gleichzeitig Revolutionär seines Instruments, dem er auf eigene Weise wundervollste Klangfarben entlockte, es aus dem klassischen (Begleit-) Hintergrund löste, als erster ins Rampenlicht stellte und den Bass damit als Soloinstrument adelte. Jan Garbarek eröffnet die …

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Die schönsten Jazz, Funk & Soul-Plattenhüllen aller Zeiten

Hört man CDs, oder streamt man Musik, dann vermisst man meistens weniger den Vinylklang – der Hörsinn scheint sich auch an digitale Qualität anpassen zu können. Doch diejenigen, die noch wissen, dass es so etwas einmal gab, vermissen es immens: das Cover. 31 Zentimeter auf 31 Zentimeter groß erlaubt es eine wesentlich lebendigere Gestaltung als jede CD-Hülle oder jeder Seitenaufruf online. Eine Schallplattenhülle besitzt Haptik und die Schrift ist in der Regel auch für Menschen über 25 Jahre noch ohne Lupe lesbar. Vor allem aber sind die Hüllen der LPs – also Langspielplatten mit je etwa 45 Minuten Spieldauer pro Seite – ein Spiegel der Grafik und Bildsprache der 50er- bis 80er-Jahre. Und die sind sehenswert: Nicht umsonst gibt es seit Jahren immer wieder aufwändige und großformatige Bildbände mit Coverabbildungen, die meist einem Label gewidmet sind wie Blue Note, Verve, MPS oder ECM. Der Ansatz zweier in neuem Format wieder aufgelegter Publikationen in der Reihe Bibliotheca Universalis des TASCHEN-Verlags ist ein anderer. Er versammelt hunderte von Coverabbildungen geordnet nach den wichtigsten Musikern des Jazz und Soul. Zu jedem Werk gibt es ein Fact Sheet über …

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Kollektivsound in den Armen der Krake – Christoph Irniger

Von Klaus Hübner –  5 Fragen an … Christoph Irniger:  Wenn Christoph Irniger, Raffaelle Bossard und Ziv Ravitz die Krake freilassen, greift ein komplexes, vielarmiges Konstrukt nach einer globalisierten Musik. Von der Schweiz aus nimmt der Sound Fahrt auf, schaut vielseitig interessiert in die Nebenlinien des Jazz und weicht auch Rock und Pop nicht aus dem Weg. JazzZeitung: Welchen konkreten Klängen sind Sie auf den Spuren des Oktopus begegnet? Es sind alles Melodien. Das Saxophon, der Kontrabass, das Schlagzeug und das, was der Zuhörer vielleicht automatisch ergänzt oder dazu denkt. Sie sind stark beeinflusst durch die Musik unserer Zeit (Pop, Rock) und natürlich des Jazz, welcher auch die Art und Weise, wie wir mit den Inhalten umgehen, prägt. Ich versuche, die Melodien so zu komponieren, das die Verantwortung für die Hauptmelodie nicht immer alleine beim Saxophon, die Verantwortung für den „Boden“ nicht immer alleine beim Bass und die Verantwortung für den Rhythmus nicht immer alleine beim Schlagzeug liegt. Zudem sollen die Melodien auch die (fehlenden) Harmonien klingen lassen, so dass die Band so kompakt wie eine Popband klingt. Der kollektive Sound soll trotz individueller Entfaltung …

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Rezensiert: Eine Olive des Nichts

Von Thomas J. Krebs – Jazz-Musik-Noise & Lyrik einmal anders… unabhängig von der Tradition, die dem Genre Jazz & Lyrik an sich innewohnt, unvergessen dabei ECM Veröffentlichungen von Peter Rühmkorf oder Bruno Ganz Vertonung von Hölderlin Gedichten. Lyrik von Tomas Tranströmer, Adam Zagajewski und Philippe Jaccottet, kombiniert mit Soundscapes aus dem ECM Archiv, zusammengestellt und arrangiert von Burkhard Reinartz. Dass und wie es funktioniert stellt Reinartz mit der der CD „Eine Olive des Nichts“ eindrucksvoll unter Beweis. Der in Köln lebende Radioautor und Regisseur Burkhard Reinartz hat seit geraumer Zeit eine starke Affinität zu ECM und deren Veröffentlichungen. Ob Musik von Valentin Silvestrov, Arne Henriksen, Nik Bärtsch, Christian Wallumrod, das Tarkowsky-Quartett oder die Soundlandschaften von Eivind Aarset, diese Klänge beeinflussen maßgeblich seine Arbeit und Produktionen. Ein weiterer Schwerpunkt seines Schaffens ist die Lyrik. Die Aufgabe, der sich Reinartz stellte war, beides zu kombinieren – offene Klänge, Rhythmen, eine Art Film-Soundtrack mit Lyrik und dabei neue Pfade zu beschreiten. Dabei stand ihm das gesamte ECM Archiv zur Verfügung, und so kreiert er mit seiner Arbeit auf der CD „Eine Olive des Nichts“ eine Atmosphäre, die den …

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Malerfürst Markus Lüpertz als Bandleader. Foto: Thorsten Wulff

News: Markus Lüpertz im Leeren Beutel in Regensburg +++ OREGON-Quartett in der Max-Reger-Halle in Weiden +++ Nik Bärtsch im Grillo-Theater in Essen

Markus Lüpertz und TTT zu Gast in Regensburgs Leerem Beutel Am Montag den 06. April (20 Uhr) veranstaltet der Jazzclub Regensburg im Leeren Beutel ein Konzert des deutschen Malers, Autors und Jazzmusikers Markus Lüpertz. Das Jazzensemble TTT ist die Farbpalette, die MARKUS LÜPERTZ zur Verfügung steht, und deren Möglichkeiten an Schattierung und Tongebung kostet er lustvoll aus. Die Bühne ist die Leinwand für ein Gemälde voller Kraft, Widersprüche, Dissonanzen, selten Stille und Wohlklang, immer aber Energie und Spannung, Experiment und Ausdruck. TTT ist mit international erfahrenen Jazzmusikern besetzt: Ryan Carniaux (tr), Manfred Schoof (tr), Gerd Dudek (sax), Wolfgang Lackerschmid (vib), Frank Wollny (b) und Guido May (dr). Vom Klavier aus leitet, inspiriert oder stört Markus Lüpertz das Geschehen auf der Bühne: kontrolliertes Chaos, aufwühlende Expressivität und fesselnde Hingabe. Stefanie Schlesinger (voc) und Wolfgang Lackerschmid (vib) werden außerdem an diesem Abend einen Ausschnitt aus ihrem Programm „Herzschmerz“ vorstellen: Die beiden haben Gedichte und Texte des Autors Lüpertz vertont und werden diese in intimer Duoformation präsentieren. www.jazzclub-regensburg.de/ Das OREGON-Quartett spielt Sonderkonzert in Weiden Das OREGON-Quartett von Ralph Towner kommt im Zuge des Jubiläumsjahres des Jazz-Zirkles am Sonntag …

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Wolfgang Sander: Keith Jarrett. Eine Biographie. Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2015 364 Seiten, 22,95€ / E-Book 19,99€

Wolfgang Sandner: Keith Jarrett. Eine Biographie.

Keith Jarrett feiert am 8. Mai diesen Jahres seinen 70. Geburtstag. Das wird natürlich gebührend gefeiert. Im Hause ECM werden zu diesem Anlass gleich zwei Aufnahmen erscheinen. Eine klassische Einspielung mit Werken von Samuel Barber & Bela Bartok, sowie eine Solo CD mit Live-Improvisationen aus dem Jahr 2014. Soviel zu seiner Musik, die aktuell veröffentlicht wird. Und damit kommen wir auch gleich zum wesentlichen Punkt. Bei Jarrett steht immer die Musik im Vordergrund. Über den Menschen Keith Jarrett selbst blieb bisher vieles im Hintergrund und Verborgenen. Wolfgang Sandner, der ihn in persönlichen Gesprächen kennenlernen durfte, legt nun ebenfalls rechtzeitig zum seinem 70. Geburtstag eine fundierte Biografie über den Ausnahmepianisten vor. Das bis dato einzige erschienene, groß angelegte Werk schrieb 1992 der britische Trompeter Ian Carr. In der Zwischenzeit hat sich aber nicht nur im Jazz, sondern auch bei Jarrett viel ereignet, so dass Sandners Buch nicht zuletzt zu diesem Anlass überfällig war. Der Leser erfährt hier keine voyeuristischen Einblicke in Jarretts Leben, sondern seinen Lebenslauf, der parallel mit der Entwicklung des Jazz in soziologischen und historischen Kontext gestellt und mit persönlichen Ereignissen verwoben wird. Selbstverständlich …

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German Jazz Trophy für Ralph Towner

Jazzgitarrist und „Oregon“-Bandmitglied Ralph Towner erhält für sein musikalisches Lebenswerk die German Jazz Trophy. Der Preis ging 2001 erstmals an Erwin Lehn, Leiter der SDR-Bigband, und wir bis heute jährlich vergeben. Zum Auftakt der jazzopen stuttgart übergibt Jürgen Walter, Staatssekretär im baden-württembergischem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, am Freitag, 3. Juli, den Jazzpreis an den US-Amerikaner Towner im Eventcenter SpardaWelt. Beim anschließenden Preisträgerkonzert tritt der Geehrte solo und gemeinsam mit seinen Kollegen von „MGT“ auf (Wolfgang Muthspiel und Slava Grigoryan). Bereits seit drei Jahrzehnten ist Ralph Towner aus dem zeitgenössischen Jazz nicht mehr wegzudenken, ob als Gitarrist oder Pianist, ob als Komponist oder als einer der Köpfe der Band „Oregon“. Orchesterwerke, Kammer- und Filmmusik: Das sieht nicht gerade wie der Werkkatalog eines Jazzgitarristen aus. Towner (*1940) ist einer der innovativsten und vielseitigsten Jazzgitarristen seiner Generation; in seinem Werkkatalog. Zwei Dutzend Aufnahmen mit der World-Music-Formation Oregon und nochmals so viele Einspielungen als Solo-Künstler für das Label ECM belegen das eindrücklich. Auf der klassischen Konzertgitarre oder der zwölfsaitigen Stahlsaitengitarre hat Ralph Towner einen ganz eigenen, sofort identifizierbaren Sound geschaffen. Daneben setzt er auch Klavier, Trompete und …

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Die Band Cyminology @ Unterfahrt

Von Thomas J. Krebs – Vollbesetztes Haus am Samstagabend in der Münchner Unterfahrt: „Orient trifft Okzident“! Cymin Samawatie präsentierte dort mit ihrer Gruppe Cyminolgoy die gerade auf ECM erschiene CD „Phoenix“. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Kombination persischer Lyrik mit kammermusikalischen, zeitgenössischen, jazzigen Klängen, diesmal erweitert um eine wunderbare Klangfarbe mit Martin Stegner an der Viola. Cymin Samawatie entließ das Publikum, verzaubert vom Klang ihrer Stimme und ihrer Band, nach einem grandiosen Abend und berührenden Momenten wieder ins winterliche Münchner Wochenende. Alle Fotos: Thomas J. Krebs

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