Im offenen Gelände – Zum Tod von Cassandra Wilson

Die Sängerin, Gitarristin und Produzentin starb am 1. September 2026 mit 70 Jahren in ihrer Heimatstadt Jackson, Mississippi. Ihre größte Wirkung erzielte sie mit dem, was sie wegließ. Erklären musste sie nichts. Dass Blues und Avantgarde, Geschichte und Improvisation zusammengehören konnten – all das ergab sich, während sie darin sang. Und sie griff selbst zur Gitarre: nicht virtuos im klassischen Sinn, aber als Teil dieses Klangkörpers. Sie wollte nicht vor einer Band stehen, sondern sich innerhalb der Musik bewegen. Werbung In Erinnerung geblieben ist nicht zuletzt ein Auftritt beim Moers-Festival, wo Cassandra Wilson vor gut zehn Jahren, am 14. Mai 2016, auf der Bühne stand – nicht mit einem klassischen Jazzquartett oder einer Band, die ihre bekannten Blue-Note-Sounds reproduzierte, sondern mit dem Trio Harriet Tubman: Brandon Ross an Gitarre und Banjo, Melvin Gibbs am Bass, J. T. Lewis am Schlagzeug. Das Projekt hieß „Black Sun“. Schon der Bandname war ein Statement: Harriet Tubman führte im 19. Jahrhundert versklavte Menschen über das Underground Railroad in die Freiheit. Entsprechend weit entfernt von gefälligem Crossover war die Musik des Trios: elektrisch, schwer, bluesgetränkt, mitunter geradezu bedrohlich – ein …

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Gelungenes Mini-Jubiläum – zur 55. Internationalen Jazzwoche Burghausen

Die 55. Internationale Jazzwoche Burghausen zeigte Wege auf, wie Bayerns ältestes Jazzfestival Szenewandel und Sparzwänge bewältigen kann. Ein Aufreger ist ja gut für jedes Festival-Langzeitgedächtnis. Die Polizei rückte zwar bei der 55. Ausgabe der Internationalen Jazzwoche Burghausen nicht an, anders als 2017 bei Cassandra Wilson und 1976, als Chet Baker verhaftet wurde. Dafür war beim Konzert von Festival-Liebling und Dauergast Wolfgang Haffner (nach eigner Schätzung war er mindestens 16 Mal hier) die Jazz-Polizei anwesend. Deutschlands prominentester Drummer hatte sich zu seinem großen Jubiläumskonzert (60. Geburtstag, 50 Bühnenjahre, 40 Jahre seit dem ersten Burghausen-Auftritt) einige Weggefährten eingeladen. Neben Viktoria Tolstoy, Nils Landgren und dem Überraschungsgast Jakob Manz auch Shantel, einen alten Freund aus dem Pop-Bereich, in dem Haffner ja auch gerne zu Gast ist. Und der 58-jährige Stefan Hantel stemmte das in die Wackerhalle, womit er in den Zweitausenderjahren zum Disko-Star geworden war: den Balkan-Pop seines Bucovina Clubs. Was das Burghauser Publikum überdeutlich verprellte: Buh- und Aufhören-Rufe waren zu vernehmen, viele stimmten mit den Füßen ab und verließen die Halle. Werbung Man kann sich nun trefflich darüber streiten, ob man das Burghauser Publikum – die Gebliebenen …

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