Fuchsthone Orchestra feat. Evi Filippou: Peaks & Plots

(Von Robert Fischer) Neue Frauen braucht das Land? Wohl kaum, denkt man an all die großartigen Musikerinnen, die aktuell auch als Leaderin eigener Formationen für frischen Wind in der Szene  sorgen. Die in München geborene, in Köln lebende Saxofonistin, Bassklarinettistin, Komponistin und Bandleaderin Christina Fuchs gehört schon ein bisschen länger dazu, ebenso die Kölner Saxofonistin, Komponistin und Bandleaderin Caroline Thon. Beide haben viel Erfahrung in der Leitung großer Ensembles – Christina Fuchs gründete 1992 mit Hazel Leach das „United Women’s Orchestra“, Caroline Thon 2011 das Thoneline Orchestra. Seit 2019 gibt es das von beiden gemeinsam geleitete 22-köpfige Fuchsthone Orchestra, dessen 2023 erschienenes Debütalbum, „Structures & Beauty“, bereits erkennen ließ, was spätestens jetzt, mit dem zweiten Album „Peaks & Plots“, zur Gewissheit wird: Das Fuchsthone Orchestra gehört zu den faszinierendsten Jazzensembles unserer Zeit.

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Was neben der Qualitität der komplex arrangierten Kompositionen, die für jedes Programm zu gleichen Teilen von Christina Fuchs und Caroline Thon beigesteuert werden, sicher auch an den großartigen Musikerinnen und Musikern dieses inzwischen in vielen Live-Auftritten immer mehr zusammengewachsenen Orchesters liegt.

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Virtuose Spielfreude

Eine besonders glückliche Entscheidung war es, für das zweite Album die seit 2011 in Berlin lebende griechische Vibrafonistin und Percussionistin Evi Filippou als Gastsolistin einzuladen. Mit ihrer virtuosen Spielfreude bereichert sie jedes Ensemble und weiß auch mit ihrer eigenen Formation, „inEvitable“, zu begeistern. In der Rhythmusgruppe des Fuchsthone Orchestra sitzen mit Jens Düppe am Schlagzeug, Alex Morsey am Bass sowie der Pianistin Laia Genc langjährig bewährte Weggefährten. Zum Klangfarbenreichtum des mit diversen Saxofonen, Flöten, Klarinetten, Trompeten, Flügelhörnern und Posaunen an allen Positionen exzellent besetzten Orchesters gehören zudem der Gitarrist Andreas Wahl, die Geigerin Zuzana Leharová und die Sängerin/Vokalartistin Filippa Gojo. Unverzichtbar zudem für das charakteristische Klangbild: Eva Pöpplein an den Electronics.

Musikalisches Storytelling

Den Auftakt des Albums macht Christine Fuchs’ zappaesk-humorvolles „Don’t forget to pay your bills“, das mit einer unerwartet schroff einsetzenden, aus schrillen Höhen herab in schwer ergründliche Tiefen führenden Kakophonie beginnt, ehe sich wie aus dem Nichts ein treibender, die Titelzeile aufgreifender und stakkatohaft repetierter Rhyhtmus entwickelt, der mit eindrucksvollem Posaunengegrummel in sich zusammenfällt – da sind wir gerade mal in der Mitte dieses energiegeladenen Stückes. Danach vereint „Le Champs“ von Caroline Thon in ihren eigenen Worten die aggressive Energie von Rockmusik, verbunden mit elektronischer Minimal Music, dem Element von Wort als Klang und den melodischen Klangflächen des Vibrafons von Evi Fillipou. Auch ein erstes virtuoses Geigensolo ist zu hören, und wer in dem Ganzen einen kompositorischen roten Faden sucht, den verweist die Komponistin auf Bela Bartóks Kernmotiv-Theorie, durch fortlaufende Variation ein komplexes Musikwerk aus einer einzigen kompositorischen Zelle heraus zu entwickeln.

Großformatige Klanglandschaften

Gut nachvollziehen lässt sich beim Hören die übergeordnete Programmatik des Albums: „Peaks“ sind die Höhepunkte, Ereignisse, Begegnungen und Erfahrungen des Jahres 2025, die von den beiden Komponistinnen in „Plots“, den Handlungslauf einer musikalischen Erzählung, umgesetzt werden. Besonders eindrucksvoll: „Taksim“ von Christina Fuchs, benannt nach einem zentralen Platz in Istanbul, entstanden in politisch unruhiger Zeit während ihrer Künstlerinnenresidenz am Bosporus, angereichert mit Field Recordings von den Gesängen der Muezzins und anderen Straßengeräuschen der Millionenmetropole zwischen Orient und Okzident. Oder „Savita“ von Caroline Thon, benannt nach der jungen deutschen Ukrainehelferin Diana „Savita“ Wagner, die ein berührendes Front-Tagebuch geschrieben hat und während eines Hilfseinsatzes getötet wurde.

Im Ganzen gelungen ist den beiden Komponistinnen und ihrem fantastischen Fuchsthone Orchestra ein über 71-minütiges, durchgängig die Spannung haltendes, grandiosen Solisten viel Raum zur Improvisation gebendes, so beeindruckendes wie inspirierendes Album, das noch lange nachhallt,v wenn der letzte Ton verklungen ist.

Aktuelles Album:
Fuchsthone Orchestra & Christina Fuchs & Caroline Thon
feat. Evi Filippou
VÖ: 29.05.2026
Unit Records GmbH

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