COVID-19 und der Bayernjazz?

Im Süden Deutschlands bringt die Pandemie indirekt traditionsreiche Jazz-Institutionen ins Wanken

Jazz-Hot-Spot Nummer 1: Burghausen. Burghausens Bürgermeister, Florian Schneider, und die IG Jazz als Veranstalter der Sommerkurse Burghausen haben coronabedingt Joe Viera und sein Dozententeam als Leiter der Burghausener Jazzkurse abgeschafft. Nachdem Joe Viera es für nicht Jazz-adäquat hielt, den Sommerkurs 2021 im Streaming-Format anzubieten, installierte man kurzerhand ein junges, neues Team (siehe Website für den Sommerkurs im August). Dieses konnte durchaus qualitätsvolle Angebote für online-affine Jazzer machen, dennoch ging eine Protestflut von treuen Teilnehmern und Teilnehmerinnen der letzten Jahre in Burghausen ein.


Joe Viera (re.) mit dem Trompeter Julian Wasserfuhr während des Sommerkurses 2002. Foto: Andreas Kolb

Ex-BuJazzO-Chef Peter Ortmann, der selbst lange Jahre Dozent der Remscheider Jazzkurse war und Joe Viera aus diesen Tagen gut kennt, schrieb etwa: „Einen Generationswechsel kann man anders einleiten. Joe Viera ungewürdigt um seine Verdienste links liegen zu lassen, das zeugt schon von einem seltsamen Verständnis für die Bedeutung des Jazz für und in Burghausen.“ Als Reaktion auf die Protestes sollte es eine Gesprächsrunde der Burghauser Organisatoren mit Joe Viera, Martin Schrack und Ignaz Dineé als Vertreter des Dozententeams geben, moderiert von BR-Redakteur Roland Spiegel. Ergebnisse liegen der Jazzzeitungsredaktion noch nicht vor. Joe Viera, der im September 2022 seinen achtzigsten Geburtstag feiert, ist künstlerischer Leiter der Internationalen Jazztage Burghausen.

Bühne und Arkaden im Hof des Thon-Dittmer-Palais. Foto: Susanne van Loon

 

Jazz-Hot-Spot Nummer 2: Regensburg. Das Bayerische Jazzinstitut und das Bayerische Jazzweekend, seit 40 Jahren unauflöslich verwoben, sind ab sofort getrennte Partner. Kulturreferent Wolfgang Dersch kündigte dem Bayerischen Jazzinstitut und dessen Geschäftsführerin, Sylke Merbold, die Intendanz auf. „Die Intendanz hat man nicht lebenslang abonniert“, sagte Kulturreferent Wolfgang Dersch gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung am gestrigen Montag. Und weiter: „Wir möchten neue Impulse, mehr Transparenz“. Anscheinend gab es im Zusammenhang mit der durch Corona erschwerten Programmierung der 40. Jubiläumsausgabe des Weekends Meinungsverschiedenheiten zwischen Intendanz und Kulturreferat. Von der finanziellen Ausstattung her soll sich nichts ändern. Der Referent will ein Kuratorium installieren, das für das bayernweite Profil des Festivals steht, und dazu ein Team für die Organisation gewinnen. Die Aufwandsentschädigung, die bisher ans Jazzinstitut geflossen ist, werde umgelenkt.

Kulturreferent in Regensburg: Wolfgang Dersch. Foto: Michael Scheiner

Das Festival ist eine besondere Konstruktion. Gegründet vor 40 Jahren von Richard Wiedamann – nachdem die Stadt Regensburg bereits Festivalgründer um Joe Viera nach Burghausen hatte ziehen lassen – und seither von der Stadt veranstaltet, war das Bayerische Jazzinstitut – damals unter der Leitung Wiedamanns, später in den Händen von Sylke Merbold – die Intendanz des Festivals für Amateurbands, so die ursprüngliche Idee. Träger des Instituts war der Vorläufer des Bayerischen Jazzverbands, die Landesarbeitsgemeinschaft Jazz in Bayern. Nach Querelen zwischen Verband und Institut, wurde auf Veranlassung des Freistaates der Verband bayerischer Sing- und Musikschulen als neuer Träger gefunden. Hauptgeldgeber bleibt nach wie vor der Freistaat.

Die beiden festangestellten Mitarbeiterinnen des Instituts, Sylke Merbold und Ulrike Schwarz, haben nun zwangsläufig mehr Zeit für wissenschaftliche Aufgaben und die Pflege der Bayerischen Jazzszene, soweit dies nicht längst der inzwischen vom Jazzinstitut losgelöste Bayerische Jazzverband macht.

Beitragsbild: Die Intendanz wechselt, das JazzWeekend bleibt. Bühne im Innenhof des Thon-Dittmer-Palais in Regensburg. Foto: Susanne van Loon

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