Gefühl von „Zimt ohne Zucker“ – Hannah Köpf mit neuem Album „Cinnamon“

Zart, fast gläsern singt diese Stimme vom Werden und Vergehen, „Golden Leaves (that turn to brown)“. Dabei, und das ist vielleicht das Besondere an dem wunderbar weichen Mezzosopran von Hannah Köpf, keine Spur zerbrechlich. Immer ist da auch eine stabile Beständigkeit, die verspricht, abends nicht einfach verschwunden zu sein, wenn die Sonne untergegangen und die Songs verklungen sind.


Hannah Köpf. Foto: Michael Scheiner

Das hat auch viel mit der Musik der Kölnerin zu tun, die von einer countryaffinen Jazzband aus den Weiten von Alabama und Louisiana ins dicht besiedelte Europa geholt wird. Köpfs mittlerweile viertes Album, nach vorherigen Jazz- und Singer-Songwriteralben, besticht durch eine astreine Americana-Stimmung. Zehn Songs voll leichter Melancholie, verhaltener Freude und Erinnerungen an Dinge, wie den Zimtgeruch im Haus der Großmutter. Der hat dem Album zu seinem ungewöhnlichen Titel verholfen. Eine getragene Gitarrenmelodie, eine dunkle Trommel, die sich vor dem anrührenden Song verneigt und eine zurückgenommene Fiddle, die im Hintergrund weite Räume öffnet. „Cinnamon“ erzählt davon, wie Köpf durch den vertrauten Geruch des Gewürzes ins Haus ihrer Oma zurückversetzt wird. Das überwältigende Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit, welches sie dabei erlebt, ist allerdings durchsetzt von der Gewissheit um etwas Vergangenes. „Zimt ohne Zucker“, beschreibt sie diesen Flashback, den die Band um Schlagzeuger und Produzent Tim Dudek klanglich derart genießerisch verpackt, dass man diesen intensiven Geruch in der Nase zu spüren glaubt.

Cover des neuen Albums „Cinnamon“

Eindrucksvoller Folk, ein leichter New-Orleans-Soul, Americana und Southern Country, alles klingt bei Köpf so natürlich und unverfälscht, als wäre sie mit diesen uramerikanischen Gattungen aufgewachsen. Fast zwangsläufig tauchen daher Assoziationen zu anderen großen Songwriterinnen und Sängerinnen von Carrie Newcomer über die legendäre Joni Mitchell bis zu Norah Jones auf. Solche Vergleiche sind sicher berechtigt und nützen vielleicht, um schneller eine Einordnung vornehmen zu können. Tatsächlich führen sie aber auch zur unvermeidlichen Erkenntnis, dass sich Sängerin und Band mit ihrem musikalischen Kosmos hinter nichts und niemandem verstecken müssen. Entstanden ist dieser in kooperativer Teamarbeit. Während Köpf die von persönlichen Eindrücken und Haltungen geprägten Texte schrieb, skizzierte ihr Partner Dudek die musikalischen Ideen und goss sie in stimmige, gefühlsbetonte Arrangements. Gleichzeitig war er auch für die Aufnahmen und das Mixen zuständig. Dudek prägte somit maßgeblich die Stimmung und Balance des Albums, das bei aller gelassenen Ruhe und melancholischen Färbung auch mit überraschender Dynamik in vibrierenden Soli auf der Slideguitar und starkem Soul überrascht. Konflikte, wie sie häufig vorkommen, lieferten gleich Stoff für einen der Songs: „You were right again“. Köpf singt in dieser versöhnlichen Nummer zu Slide- und akustischen Klängen offen über Wutanfälle und eigene Schwächen. Unterstützt wird sie von enorm vielseitigen Musikern, wie dem Gitarristen Hanno Busch und Sebastian Sternal auf dem Klavier, Keyboard und der Orgel. Jazzcracks, die auch auf Country stehen. Zwischendurch lassen sie in „Cinnamon“ auch ihre jazzigen Seiten aufleuchten.

Das optimistische „Paper Boat“ steigert sich von einem introvertierten Blues zu einem gospeligen Schunkler. „Velvet Sky“ beendet das Album ruhig, nur instrumentiert mit der virtuos gezupften Gitarre von Busch und Dudek. „Zum ersten Mal bin ich vollkommen happy mit einem Album“, verrät Köpf in einem Radio-Interview. Es passe alles: Vom zierlichen Cello von Nathan Bontrager bis zu Denis Gäbels jazzigem Saxofon, das auf der Hälfte der Songs zu hören ist, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

CD: Hannah Köpf, Cinnamon, CD, LP und Download, GLM 8931715, 17,99 Euro (LP)

Beitragsbild: Hannah Köpf. Foto: Michael Scheiner

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