„Evans in England“ – Resonance veröffentlicht Live-Mitschnitt des Bill Evans Trios von 1969

Bei der aktuell auf dem Resonance Label erschienenen CD „Evans in England“ handelt es sich um einen äußerst hörenswerten Live-Mitschnitt des Bill Evans Trios, der im Dezember 1969 im Londoner Ronnie Scott’s Club aufgenommen wurde. Es ist die mittlerweile vierte Bill Evans Live-Trio-Produktion (neben Top of the Gate (23.10.1968), Black Forest (20.06.1968) und Hilversum 22.06.1968)) mit bis dato unveröffentlichtem Material, das Resonance den geneigten Hörern und Bill Evans Fans zugänglich macht. Während bei den Konzerten in Hilversum und Villingen (Black Forest) Jack De Johnette mit von der Partie war, saß bei den Konzerten im Greenwich Village (Top of the Gate) und im Ronnie Scott’s Club, neben Eddie Gomez am Bass, Marty Morell am Schlagzeug.


Cover des neuen Albums „Evans In England“

Dieses Trio zählt unbestritten zu den herausragenden Evans-Formationen. Hoch virtuos, mal aufbrausend und gleichzeitig mit Feingefühl begegnen Gomez und Morell dem Spiel von Bill Evans, fordern ihn mit Soli, Läufen, spannenden Rhythmussequenzen und geben musikalisch Vollgas. Angesichts der mittlerweile gut dokumentierten Auswahl an Tonträgern dieses Trios, ist hier trotzdem auch der eine und andere musikalische Schatz zu hören. So spielt das Trio eine frühe Aufnahme des Evans-Klassikers „The Two Lonely People“ und eine wunderbare, fast impressionistisch anmutende Interpretation von „Sugar Plum“. Weitere Highlights dieses Konzertes sind, neben ein paar Standards wie „My foolish Heart“, umwerfende Versionen der Evans Kompositionen „Turn Out The Stars“, „Re: Person I Knew“, „Waltz For Debbie“ und „Very Early“. Zu guter Letzt überzeugt die Aufnahme auch soundtechnisch – da bleiben so gut wie keine Wünsche offen. Das Booklet ist, wie üblich bei Resonance, umfangreich und liebevoll ausgestattet. Es enthält Interviews mit Marty Morell, Eddie Gomez, dem Filmemacher Leon Terjanian, der nach dem Fund des Live-Mitschnitts den Stein zu dieser Veröffentlichung praktisch ins Rollen brachte, sowie stimmungsvolle Fotos von Jean-Pierre Leloir und Jan Persson. Die Linernotes stammen von Resonance Produzent Zev Feldman und dem Musikjournalisten Marc Myers.

By the way: Resonance Records, ein amerikanisches Independent-Label aus Los Angeles, wurde im Jahr 2008 gegründet und widmet sich als Non-Profit-Organisation unter Produzent und CEO George Klabin und Vize CEO Zev Feldman voller Enthusiasmus dem Erhalt des Jazz-Erbes und der Förderung des Jazz-Nachwuchses. Das Label ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass es sich immer wieder lohnt, in Archiven zu graben, Aufnahmen zu sichten und musikalische Entdeckungsreisen  zu unternehmen. Auch soundtechnisch werden immer wieder hohe Anforderungen gestellt – hier muss alles stimmen, damit ein Mitschnitt veröffentlicht wird.  Der Mut, den Zev Feldman und George Klabin an den Tag legen, ist in dieser hart umkämpften Branche in der Tat vorbildlich und einzigartig.

Bill Evans: Evans in England
Resonance Records HCD – 2037

Beitragsbild: Bill Evans beim Konzert im Londoner Ronnie Scott’s Club 1969. Foto: Jean-Pierre Leloir

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Ein Kommentar

  1. Betr.Bill Evans in England.
    Eigentlich kann man alles was oben steht nur unterschreiben wäre da nicht der Satz -hier muss alles stimmen damit ein Mitschnitt veröffentlicht wird -genau da liegt das Problem, die Tonbänder wurden nicht Tonhöhenkorrigiert. So sind alle Stücke zu tief, etwa die Hälfte sogar fast einen Halbton. Da ja auch das Tempo nicht, stimmt wird der originale Klang verfälscht. Derartiges kennt man sonst von zahlreichen Bootlegs, aber hier handelt es sich um ein weltweit vermarktetes Produkt, da hätte ein solch gravierender Fehler nicht passieren dürfen.
    Grüße, Michael Casper

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