Paradiesischer Saxophonsound von Frank Gratkowski

graTKOWSKI_»Z-Country Paradise«, Z-Paradise Records/nrw distribution

Sie gehören zur Creme des zeitgenössischen Jazz, haben auch Erfahrungen in anderen Bereichen gesammelt – und klingen so wuchtig, verrückt, erfrischend, provokativ wie Captain Beefheart, wie Broken Heart Collector, Zoogz Rift oder die Flying Luttenbachers. Klar – die Instrumentierung von Frank Gratkowskis »Z-Country Paradise« weicht von denen der genannten Bands durchaus ab, aber der Freigeist, die raffinierte Rhythmik, die Expressivität, die Offerten des Unerwarteten, auch manche musikalische Skurrilität sprechen eine eindeutige Sprache: Mit Z-Country Paradise ist eine Band geboren, die die Hochglanz-All-Inklusive-Ressort-Musik à la Tom Gaebel, Torsten Goods oder Viktoria Tolstoy mit Stürmen sauerstoffreicher Frischluftwirbel hinwegfegen kann.


Die Serbin Jelena Kuljic singt Texte von Arthur Rimbaud, dem serbisch-stämmigen US-Amerikaner Charles Simic und der in Amsterdam lebenden kanadischen Künstlerin Gabriele Günther, und ihr Gesang wirkt eindringlich, gewagt, entfesselnd. Kann sich jemand eine rasende Fahrt mit dem Motocross-Motorrad über die zerklüfteten Schrammsteine im Elbsandsteingebirge vorstellen? Frank Gratkowski (as, bcl) selbst nennt diese seine Band eine Traum-Band. Ich kann dem Meister da nur Recht geben: Traumhaftes Zusammenspiel (Christian Marien, dr; Oliver Potratz, b; Kalle Kalima, g), zum Mit-der-Zunge-Schnalzen (ein »Träumchen«), zum Träumen einladend, einfach das, was man sich auf diesem Gebiet der Musik schon immer erträumt hat. Wer zum Moers-Festival 2015 war (ich leider nicht), berichtete Tage später daheim von einem Konzert, dass sein Leben veränderte. Wer das verpasst hat, kann und sollte sich an dieser CD gütlich tun.

Mathias Bäumel

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