Toll Brönner. Foto: Andreas Bitesnich

Till Brönner: zwischen Jazz, Pop & X-Factor

Also, eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen, das Thema Till Brönner nicht mehr so schnell an-, bzw. aufzugreifen, aber es scheint doch die Gemüter zu bewegen. Nach Erscheinen des Artikels von Michael Scheiner zum Leipziger-Jazztage-Konzert Brönner-Sommer auf nmz-online kam gleich ein böser Kommentar…


Heute erreichte mich unten stehende Pressemeldung zu seiner neuen CD bei Universal, die ich euch auch nicht vorenthalten will. Mmmh, alles schön und gut, aber X-Factor? Ist er in Sarah Connor verliebt? Braucht er Geld? Kann man seinen erweiterten Horizont ausdehnen wie ein Gummiband? Was meint Ihr/Sie?

„Till Brönner schätzt den weiten Horizont, mit dem er, der hochdekorierte Jazzer, durch die Welt der Musik streift. Sein neues Album „At The End Of The Day“ interpretiert Songs aus fünf Jahrzehnten Popgeschichte. Pop, nicht Jazz! Und unternimmt zudem einen Ausflug zu Johann Sebastian Bach. Er ahnt bereits, dass bei seinen Arrangements von den Beatles über Bowie bis hin zu den US-Rockern The Killers grundsätzliche Fragen auftauchen werden. Etwa: Warum macht der das? Oder auch: Darf der das überhaupt, so als vielfach ausgezeichneter Trompeter, der im Laufe seiner 25jährigen Karriere vier Echos und eine Grammy-Nominierung erhielt, dessen Tonträger in der ganzen Welt schon mehr als eine Millionen mal verkauft wurden und der mit den Größten der Jazz- und Popwelt gearbeitet hat? Grundsatzfragen, die ihn ein wenig nerven. „Ich stelle mich kontinuierlich diesen Jazz-Welten. Und dort entstehen dann neue, andere Sachen. Ob man diese allerdings auf einem Album veröffentlichen muss, steht auf einem anderen Blatt.“ Till Brönner hat sich seit längerem dafür entschieden, seine eigenen Maßstäbe zu setzen.

Nach „Oceana“ (2006) und der Bossa-Nova-Hommage „Rio“ (2008) stöbert Till Brönner 2010 in einer universalen Pop-Bibliothek: „Wir haben das `Rio`-Programm ausgedehnt auf Konzerten in der ganzen Welt gespielt, ohne genau zu wissen, wohin die nächste Reise führen wird. Gleichzeitig habe ich die Begegnungen mit anderen Künstlern intensiviert. Daraus ist eine Sammlung entstanden, die kunterbunter nicht hätte sein können. Faszinations-Fundstücke aus meinem Leben, die ich letztlich danach ausgewählt habe, welche Möglichkeiten sie mir für den eigenen Ausdruck bieten.“ Till Brönner fiel die Wahl der 12 besten aus den etwa 30 Referenzsongs relativ leicht. „Während der Produktion haben wir die `Temperatur` für meine Stimme fließend erarbeitet. Letztlich konnte ich dann auf „At The End Of The Day“ in Personalunion – als Trompeter und Sänger – agieren.“

Brönner bekräftigt, dass er auf musikhistorische Zusammenhänge verzichtet hat. „Space Oddity“ von Bowie steht genauso als eigenständiges Statement, wie es keine inhaltliche Brücke zwischen „Human“ von The Killers und „Human“ der britischen New-Wave-Band Human League gibt. Seine Trompete führt „Air“ aus der 3. Orchestersuite von Johann Sebastian Bach in andere Sphären, genauso wie alle anderen Titel von seinem unverkennbaren Trompetenspiel leben. Brönners neues Album ist purer, ganz persönlicher Eklektizismus. Er durchkreuzt freischwebend ein Pop-Universum, bei dem die Beatles der frühen Sechziger auf das amerikanische 70er-Duo Seals & Croft („Summer Breeze“) treffen.

„Summer Breeze“, die erste Single, wirkte gleichzeitig auch als Ouvertüre für das kommende Album „At The End of the Day“, das nun am Freitag erscheint. Ein kongenialer Auftakt zu einer außergewöhnlichen musikalischen Expedition.

Till Brönner betrachtet die Geschichte des Pop auf seine eigene Art. Wenn man ihn danach fragt, diskutiert er mit Freude über die künstlerischen Strategien von Lady Gaga und Amy Winehouse oder den Minimalismus von Techno. Doch mit seiner Musik zielt er in eine andere Richtung. Trends oder Strömungen des Undergrounds überlässt er anderen – und widmet sich einem Herzensthema: Der Zeitlosigkeit.“

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2 Kommentare

  1. Vielleicht kann ja die eben erschienene Biografie von Herrn Brönner Erhellendes dazu beitragen:
    http://www.kiwi-verlag.de/36-0-buch.htm?isbn=9783462041675

    Die heißt allerdings „Talking Jazz“, nicht „Sabbling Pop“ und ob irgenwelche Liebesbezeugungen an eine Sarah drin vorkommen kann ich erst sagen, wenn ich sie gelesen habe…

    Fakt ist, das Buch, die neue Brönner-Platte (VÖ: 15.10.) wie auch die neue Scheibe von Sarah Connor (VÖ: 22.10.) sind zeitlich extrem toll auf die X-Factor-Staffel und die daraus resultierende Medienpräsenz der beiden abgestimmt. Es lebe das Marketing!!!

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