Jazz ist politisch!

Die Jazzahead steht vor der Tür. Am Wochenende werden wieder Musiker, Agenturen, Labels, Händler, Veranstalter und andere Jazz-Netzwerker durch die Bremer Messehallen ziehen. Es treffen sich Gleichgesinnte, die in erster Linie die Leidenschaft für Jazz verbindet. Doch erfreulicherweise trifft man hier auch viele, die mehr nach Bremen gelockt hat als nur die Aussicht auf den nächsten Festivalgig, Medienpartner oder anderweitig unterschriebenen Vertrag. Ungewöhnlich viele Engagierte finden sich hier zusammen, die verstanden haben: Jazz ist politisch!


Ich für meinen Teil will in diesem Blog versuchen, diese drei Worte aus den unterschiedlichsten Perspektiven zur Diskussion zu stellen, Neuigkeiten zu liefern und Kontroverses zu bieten, weil ich glaube, dass früher oder später jeder, der es mit dem Jazz ernst meint, an der politischen Dimension nicht vorbei kommt.

Ich hoffe, bei dem ein oder anderen regt sich jetzt schon erster Wiederspruch, denn dann kann das hier eine spannende Blog-Debatte werden. Exemplarisch zitiere ich den Feuilleton-Chef der Süddeutschen Zeitung, Thomas Steinfeld. Zum Hintergrund: Die Bundeskonferenz Jazz, ein Zusammenschluss von Jazzaktivisten, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommend die Berücksichtigung des Jazz in der Kulturpolitik einfordern, hatte im Bundestagswahlkampf alle Parteien gefragt was sie in den kommenden 4 Jahren für den Jazz tun wollen.

Daraufhin Steinfeld: „Ach, was für weinerliche Knechte diese Funktionäre in ihrem leeren Vertrauen auf die Politik doch sind, und wie verschlagen sie jedes bisschen Anerkennung, das ihnen die Parteien gewähren, in eine Finanzierungszusage verwandeln möchten. Gesetzt den Fall, es käme bei den Bemühungen der Bundeskonferenz Jazz ein wenig Geld heraus, eine Förderung für Clubs, eine Auszeichnung, eine Erleichterung bei der GEMA. Wer hätte etwas davon? Die Spielstätten? Vielleicht. Aber der Jazz?  Wie verwegen und albern ist die Hoffnung, ein musikalischen Genre würde besser, lebendiger und vor allem beliebter, wenn man einen „Kulturtarif für Kleinveranstalter“ einrichtete und sich deswegen von der Politik vereinnahmen lasse.“ (Hier der ganze Text)

Ich halte diese Position und den Artikel für exemplarisch, voller bekannter Vorurteile, unterhaltsam geschrieben, schlecht recherchiert und sogar bedrohlich. Doch vielleicht spricht dieser Süddeutsche Ihnen und Euch aus der Seele!? Die Kommentarfunktion ist eröffnet.

[Nachtrag: Zur Jazzahead meldet sich der erste Bundestagsabgeordnete per Pressemitteilung.]

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2 Kommentare

  1. Jazz ist ein Kommerz-Produkt – wie unsere Politik inzwischen auch? Soeben erreicht uns die wunderbare Miteilung, dass Trompeten-Star Brönner den herrlich durchökonomisierten „Jazz-Echo“ moderiert. Daarf man ja echt gespannt sein. Anbei die geschmackvole Pressemeldung:

    Till Brönner moderiert den ECHO Jazz

    Bundesverband Musikindustrie bestätigt Dee Dee Bridgewater, Céline Rudolph, Wolfgang Haffner und Michael Wollny als weitere Gäste

    Deutschlands bekanntester Trompeter übernimmt am 5. Mai das Mikrofon. Till Brönner moderiert die Premiere des ECHO Jazz. Der Auftritt der amerikanischen Jazz-Ikone Dee Dee Bridgewater setzt einen weiteren Höhepunkt des Abends. Die Preisträger Michael Wollny, Céline Rudolph und Wolfgang Haffner nehmen ihre Trophäe in der Bochumer Jahrhunderthalle persönlich entgegen. Wer die ECHO Jazz-Stars auf der Bühne live erleben möchte, erhält die begehrten Tickets unter http://www.eventim.de.

    Till Brönner ist der ECHO-Experte. Mit sechs Trophäen erhielt der 38-Jährige die Auszeichnung in der Kategorie Jazz beim ECHO – Deutscher Musikpreis so oft wie kein anderer Jazz-Künstler. Beste Voraussetzungen, um als Gastgeber des ersten ECHO Jazz die Größen der Szene zu begrüßen. Brönner selbst zählt längst zur internationalen Spitzenklasse. Eine Grammy-Nominierung, gemeinsame Auftritte mit Jazz-Stars wie James Moody und Tony Bennett sowie die immer wieder erfrischend neue und gewagte Zusammenarbeit mit Künstlern verschiedenster Stilrichtungen wie Rosenstolz, Hildegard Knef oder Thomas Quasthoff sind Eckpunkte seiner Karriere.

    Dee Dee Bridgewater heißt Entertainment. 60 Jahre jung, begeistert sie ihre Fans auf den Konzert- und Musicalbühnen dieser Welt. In New York beginnt 1970 ihre Karriere, der Durchbruch gelingt mit „Live in Paris“. Die Grammy- und Tony Award-Gewinnerin ist der preisgekrönte „Ambassador of Jazz“. Ein „Lady sings the blues“ von Dee Dee Bridgewater graviert sich in die Gänsehaut. Die Bochumer Jahrhunderthalle wird somit zum musikalischen Tattoo-Studio der amerikanischen Künstlerin.

    Mit fünf Jahren sitzt Michael Wollny das erste Mal am Klavier. Jugend musiziert und Bundesjazzorchester werden zu den wichtigsten Stationen in seiner Laufbahn. Mit seinem Trio [em] und mit Partner Heinz Sauer sorgt er für Gesprächsstoff. Jetzt steht er auf der Watch-List für den Sprung zu den Großen des Jazz und bekommt verdienterweise einen ECHO Jazz für seine Leistungen als „Pianist des Jahres national“. Der 1978 in Schweinfurt geborene Wollny nimmt die Auszeichnung für sein aktuelles Album „Wunderkammer“ in der Premierengala persönlich in Empfang.

    Sie ist die Vokalentdeckung des Jahres. Die JAZZTHETIK schreibt „Meisterstück“. „Metamorflores“ nennt sich das fantasievolle Album der Céline Rudolph. Ein einzigartiger Stil aus brasilianischen Rhythmen, französischen Klängen und Jazz, der auch einen Till Brönner zum Mitmachen animierte. Die Berlinerin verblümt den Jazz mit Bossanova, sei es bei Beatles-Interpretationen wie „Norwegian Wood“ oder traditionellen Sambas, um dann würzig eine Prise Chanson oder Ragga hineinzugeben. Die Professorin für Gesang nimmt den ECHO Jazz natürlich in der Kategorie „Sängerin des Jahres national“ entgegen.

    Wolfgang Haffner weiß das Schlagzeug, den heimlichen Star unter den Jazz-Instrumenten, zu spielen. Der Bayer erhält den ECHO Jazz als „Drummer des Jahres national“. Die Jury ehrt die Leistungen des Schlagzeugers auf dem Album „Round Silence“. Beim ECHO Jazz trifft er auf alte Kollegen. In der Vergangenheit spielte er in Klaus Doldingers Passort mit und zählt aktuell neben Larry Carlton, Roy Hargrove sowie Helge Schneider auch Nils Landgren zu seinen Musikpartnern.
    Zu den bereits bestätigten Gästen des Abends gehören Silje Nergaard, Götz Alsmann und Nils Landgren sowie die ECHO Jazz-Preisträger Curtis Stigers, Klaus Doldinger und das Vijay Iyer Trio.

  2. Warum immer so biestige Kommentare über den armen Herrn Brönner. Herr Doldinger hat schon recht… Siehe das Interview weiter unten auf der Seite.
    Da kommt einer mal aus dem Keller und sieht gut aus, das mögen die ernsthaften Journalisten dann schon wieder nicht. Typisch DEUTSCH?

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