Amaro Freitas Trio

Amaro Freitas Trio in Regensburg

Obrigado – ihr seid unglaublich! Jazz, Naturklänge und brasilianische Regenwaldstimmung im Leeren Beutel Beim Anblick des Amaro Freitas Trio, das durch den Mittelgang im Leeren Beutel Regensburg die Bühne enterte, konnte man auf die Idee kommen, ein Konzert mit wenig Abstufungen und Nuancen stünde bevor. Zwei der Musiker, Bassmann Sidiel Vieira und Rodrigo Braz am Schlagzeug waren ganz in weiß gewandet, lediglich Namensgeber Freitas am Flügel trat in schwarz auf, dem internationalen Bekleidungscode der Kunstszene. Nach dem ersten langen Stück, das vor Energie, Tempo und Abwechslung barst, war diese einschränkende Vorstellung komplett pulverisiert. Was der Pianist aus dem nordöstlichen Brasilien in diese Komposition alles hineingepackt hat, würde bei manchen anderen Musikern für ein ganzes Album oder mehr reichen. Es fanden sich darin brachiale freie Passagen, die in der Form, weniger in der Kompromisslosigkeit und Härte an Cecil Taylor erinnerten. Werbung Genauso gut schien der 35-jährige Tastenzauberer auch den üppigen Stil eines McCoy Tyner, wie becircende Minimalisten und moderne Romantiker des Klaviers zu kennen. Abrupt wechselte er vom wilden funkensprühenden Ritt in eine fast süßliche Melodie, die mit rhythmischer Raffinesse von seinen Mitmusikern gebrochen wurde. Dann …

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Membran des Geistigen durchstoßen – John Coltrane auf der Spur

„Das ist die Art Musik, die Gott hören würde!“ Ein Eintrag unter einer Aufnahme von „Naima“, die John Coltrane mit seinem Quartett 1965 bei einem belgischen Festival eingespielt hat, erinnert an die fast mythische Verehrung, die der amerikanische Musiker manchmal bis heute genießt. Der zwei Jahre später verstorbene Saxophonist hatte diese Komposition seiner ersten Frau Juanita „Naima“ Coltrane gewidmet. Mit dieser hingebungsvoll interpretierten Ballade eröffnete ein Quartett um Uwe Steinmetz das Konzert „Coltrane 100 – A Love Supreme“ beim Jazzclub im Leeren Beutel Regensburg – und traf das Publikum gleich mitten ins Herz. Ungewöhnliches Format Die gut besuchte Veranstaltung zum 100. Geburtstags eines der bedeutendsten Musiker des 20. Jahrhunderts hatte ein ungewöhnliches Format. Statt einfach bekannte Stücken zu spielen, hatte Steinmetz die Journalisten Roland Spiegel vom BR und den Autor dieses Beitrags eingeladen. In Gesprächsrunden zur Person und zu Wechselwirkungen von Jazz, Spiritualität und Demokratie gingen sie der Wirkung des großen Musikers auf Jazz und Popkultur nach. Es gibt um den inneren und äußeren Nachklang, den dieser große Musiker bis heute hat. Werbung Für Spiegel, der beim Bayerischen Rundfunk tausende von Jazzsendungen moderiert hat, ist …

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Gitarrist Peter Bernstein: Swingender Post-Bop mit griffiger Eleganz

„Hey man“ begrüßt der Regensburger Gitarrist Helmut Kagerer den amerikanischen Kollegen Peter Bernstein im Gedränge der Tür zum Saal im Leeren Beutel. Dieser stutzt kurz, schließt den Kollegen dann freudig in die Arme. „Hey, always on tour“, gibt Bernstein zurück und strebt nach einem begeistert aufgenommenen ersten Set mit einem Wink in die Pause. Da hatte der 59-Jährige, der sechs Tage zuvor auf Europatournee Geburtstag feierte, das fast ausverkaufte Konzert mit dem Stück „Simple As That“ begonnen. Die relaxt swingende Komposition aus seinem Album „What Comes Next“ kann in ihrer zurückhaltenden Ruhe und spielerischen Eleganz als Statement verstanden werden. Sie war in der ersten Hochphase der Coronapandemie entstanden. In New York City, wo die Aufnahme im Herbst stattgefunden hatte, herrschte damals eine angespannte Nervosität und Angst, waren doch schon im Frühjahr und Sommer viele Todesfälle bekannt geworden. Werbung Wunsch nach Besonnenheit Auch das Titelstück, mit dem Bernsteins Quartett nach längerer Pause die zweite Hälfte seines Jazzclubkonzertes startet, unterstreicht in seiner Unaufgeregtheit den Wunsch nach Besonnenheit. Tempo nimmt die Band in „Harbor No Illusions“ auf, „Mach dir keine Illusionen“ auf deutsch, dem letzten Stück des Abends …

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Elliot Galvin – höllische Klanggewitter, irritierte Zuhörer

In der britischen Jazzszene hat es neben einer breiten Trad-Linie und einem innovativen Fusionzweig seit den 1970er Jahren auch eine starke Free-Szene gegeben. Auf dem Festland ist diese nur wenig wahrgenommen worden. Umso höher ist es dem Jazzclub anzurechnen, dass er mit dem Quartett des britischen Pianisten Elliot Galvin ein Schwergewicht der gegenwärtigen Jazzszene eingeladen hat, der an diese frühen Avantgarde- und Freejazz-Strömungen anknüpft. Geisterhafte Klavierklänge Bevor die ersten geisterhaften Klavierklänge die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zogen, fielen bereits die ungewöhnliche Instrumentierung und geschlechterparitätische Besetzung ins Auge. Eigentlich schade, dass dieser Umstand noch immer einen  Aufmerksamkeitswert besetzt, obwohl doch die Gleichberechtigung in weiten Teilen der Gesellschaft längst zur Normalität gehört. Werbung Neben dem Bass als einzigem elektrisch verstärktem Instrument, gespielt von Ruth Goller, waren Piano, Schlagzeug und eine Geige im Einsatz. Die allerdings war, wie bei vielen E-Gitarristen mit einer ganzen Latte von Effektgeräten verbunden. In einem langen frei improvisiertem Solo steuerte Mandhira de Saram diese derart virtuos mit den Füssen, dass sich über der Zuhörerschaft ein geradezu höllisches Klanggewitter entlud. Mit der brachialen Geräusch- und Lärmorgie gab die Violinistin der anfänglichen morbid-verlorenen Stimmung, …

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Mit Rappen, Pfeifen und Trompeten – Joo Kraus gastiert mit seinem Quartett in Regensburg

Der Trompeter Joo Kraus gastierte mit seinem Quartett im Regensburger Jazzclub Leerer Beutel. Mit seinem prächtig groovenden, sogar clubtauglichen Sound spricht der Trompeter, Sänger, Keyboarder und Komponist schon immer eine generationenübergreifende hellauf begeisterte Zuhörerschaft an. Seine Songs wie „Surfin` at Night“ oder schlicht „Chaka Boom (Tic Toc)“ interpretiert er meist in einem Sprechgesang, der am Rap-Idiom andockt. Das hat er bereits vor Jahrzehnten im Duo mit dem Kraan-Bassisten Helmut Hattler gemacht. Tab Two nannten sie ihr Jazz-Rap-Duo, mit dem sie auch in Regensburg gastierten und das lange als das erfolgreichste Duo des deutschen Jazz galt. Seit der Auflösung von Tab Two und einer kurzen Reunion für ein Releasekonzert eines weiteren Albums ist Kraus vor allem mit eigenem Quartett unterwegs. In der Besetzung mit den beiden Stuttgartern Veit Hübner am Kontrabass – gelegentlich auch Keyboards – und Torsten Krill am knackig wummernden Schlagzeug und dem elektrisierenden Gitarristen Jo Ambros hat er vor zwei Jahren das Album „No Excuse“ veröffentlicht. Aus dieser „musikalisch bunten Tüte, dem Briefmarken-Sammelalbum“, wie es zu recht auf Online-Plattformen beworben wird, stellte er Songs wie das poppige „Hope“, das mystisch-dunkle Titelstück und „Crying …

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Cecile Verny – Erinnerungen an Afrika  

(Text und Fotos: Michael Scheiner) Es war ein Einstand, der einem die Härchen auf der Haut zum Vibrieren bringen konnte. Mit einem dunklen bluesig-balladesken Song weckte die Sängerin Cecile Verny im Leeren Beutel Regensburg Erinnerungen an eine der größten Bluessängerinnen der Rockgeschichte, die unvergeßliche Janis Joplin. Gleichzeitig klang das harmonisch einfache „The Dream“, redundant gespielt, wie die Blaupause eines unbekannten Doors-Songs – intensiv, düster und erregend. Ein fernes Echo an jene bewegte Zeit, als Verny in der Elfenbeinküste gerade auf die Welt gekommen war. Tatsächlich gibt es etwas, was die beiden ganz unterschiedlichen Sängerinnen, die mehr als eine Generation und auch sonst Welten auseinanderliegen, verbindet. Beide sind ohne formale Gesangsausbildung zur Musik gekommen, haben autodidaktisch angefangen und sich ihren Ausdruck selbst erspürt und erarbeitet. Verny, die mit zwölf Jahren nach Frankreich kam und früh zu singen begann, kennt Joplin sicher, obwohl der Blues bei ihrer Liebe zum Jazz nur eine untergeordnete Rolle spielt. Mit ihrem vor Jahrzehnten gegründeten Quartett ist sie bereits mehrfach in Regensburg aufgetreten. Zuletzt vor knapp zehn Jahren, mutmaßten einige Jazzclubmitglieder, die sich die Köpfe darüber zerbrachen, wie oft Verny bereits beim Club …

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+++ News: +++ jazzahead! April 2026: Ab sofort startet die Registrierung und die Bewerbungsphase für die 38 Showcase-Konzerte +++ Albert-Mangelsdorff-Preis 2025 geht an Lauren Newton +++ Jazzclub Regensburg übernimmt den Saal in des städtischen Kulturhauses Leerer Beutels in Eigenregie+++

+++ Albert-Mangelsdorff-Preis 2025 geht an Lauren Newton +++ Zum 17. Mal wird der Albert-Mangelsdorff-Preis in Anerkennung für Jazz- und Improvisationsmusiker:innen vergeben Die US-amerikanische und in Deutschland aktive Vokalistin Lauren Newton wird in diesem Jahr mit dem Albert-Mangelsdorff-Preis geehrt. Er gilt als bedeutende Auszeichnung für Jazzmusiker*innen in Deutschland und wird seit 1994 von der Deutschen Jazzunion für herausragende künstlerische Leistungen sowie nachhaltige Impulse für die Entwicklung der Jazz- und Improvisationsszene verliehen. Werbung Über die Preisträgerin Lauren Newton, in Oregon geboren und seit 1974 in Baden-Württemberg lebend, machte sich mit ihrer kunstvollen Erweiterung vokaler Ausdrucksmöglichkeiten international einen Namen. Als Solistin trat sie in legendären Formationen wie dem Vienna Art Orchestra oder Vocal Summit und an der Seite von Größen wie Bobby McFerrin oder Anthony Braxton auf. Ihre Diskografie umfasst rund 90 Aufnahmen. Auszeichnungen wie der Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik 1983 und der Sonderpreis des Jazz-Preis Baden-Württemberg für ihr Lebenswerk 2020 ehrten die Künstlerin, die bis heute mit Konzerten, Kompositionen und Lehre die Musikszene inspiriert. Ihr Buch Vocal Adventures – Free Improvisation in Sound, Space, Spirit and Song erschien 2022 im Wolke-Verlag. Ihr einzigartiger Stil macht sie zu …

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Sullivan Fortner – Blues, Jazz und Spielwitz

Zwischen dem Prager Club Jazz Dock und dem Wiener Konzerthaus legte der amerikanische Pianist Sullivan Fortner einen bejubelten Stop beim Jazzclub Regensburg ein. Der 39-jährige New Yorker gilt aktuell als einer der angesagtesten Acts, neben seinem eigenen Trio arbeitet er auch mit den Sängerinnen Cécile McLorin und Samara Joy zusammen. Mit Joy, einer jungen Musikerin aus der Bronx, hat er für das von ihm arrangierte „Twinkle Twinkle Little Me“ heuer einen Grammy für die beste Jazzperformance erhalten. Das Duo hat damit Größen wie Chick Corea und John Scofield ausgestochen. Southern Nights Im bis zu den hinteren Stehreihen bestens gefüllten Leeren Beutel spielte Fortner mit Tyrone Allen am Bass und Schlagzeuger Kayvon Gordon eigene Kompositionen aus dem  wenige Tage zuvor erschienen neuen Album „Southern Nights“ und Songs von John Coltrane bis Thad Jones. Gleich mit der ersten Nummer, einer Komposition des 2013 verstorbenen Pianisten Cedar Walton, setzte er eine markante Duftmarke des breitgefächerten musikalischen Kosmos, in dem er sich wie ein Fisch im Wasser bewegt. Werbung Wie der Texaner Walton ist auch Fortner fest in der afroamerikanischen Tradition des Jazz verwurzelt, spielt Blues, Soul und typische …

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Nach Rio für Aerobic-Album: Curt Cress in Regensburg

„Handmade“, handgemacht, wird heute als zweifelhaftes und zudem unscharfes Qualitätsmerkmal in der Popmusik benutzt, um Musik zu beschreiben, bei der auf Elektronik und Computer verzichtet wird. Abgesehen davon, dass der Verzicht auch auf Unkenntnis oder Abwehr gegenüber neuen Entwicklungen beruhen kann, erfolgt auch die Erzeugung elektronischer Tonspuren und Klänge selten ohne Hände. Curt Cress hat sich in seiner langen internationalen Karriere als Schlagzeuger nie gegen digitale Neuerungen abgeschottet. Auf Einladung des Regensburger Drummers Gerwin Eisenhauer (Trio ELF) und des Jazzclub war er zum Drumtalk nach Regensburg in den Leeren Beutel gekommen. Bereits in den 1980er Jahren, erzählt er, habe er sich ein elektronisches Drumkit angeschafft – und es teuer vermietet. Warum er zu einem der bestbezahlten Schlagzeuger der Jazzszene wurde, hängt sicher auch mit diesem ausgeprägten Sinn für Neuerungen und seiner Klugheit in geschäftlichen Dingen zusammen. Den eigentlichen Ausschlag allerdings hat etwas anderes gegeben. Seine musikalische Leidenschaft und die „Energie, die ich für jede Art Musik im Studio und auf der Bühne reinstecke“, hat ihm heute den Ruf einer Schlagzeuglegende eingebracht. Deshalb ist er jahrzehntelang nahezu weltweit von Künstlern und Produzenten für Aufnahmen gebucht worden. …

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Poetische Jazzsongs mit Humor und Tiefe

Konzert. Um ein Haar wäre der großartige Auftritt von Sängerin Efrat Alony Covid zum Opfer gefallen.   Werbung Regensburg. Nach außen schrill, nach innen poetisch, träumerisch und oft alles andere als geradlinig. Efrat Alonys Songs beschäftigen sich auf vielfältige Weise mit Eindrücken und ihrer Sicht auf die Welt um sie herum und damit, wie sie sich darin spiegelt. Da kräuseln sich Gedanken, Ignoranz wird als Glücksgefühl erlebt und „der süße Duft der Luft nach einem Regenschauer“ erfüllt sie mit Hoffnung. Auf der Bühne, wie bei ihrem Konzert beim Jazzclub im Leeren Beutel, tritt die Sängerin und Komponistin extravagant gekleidet auf. Auf den ersten Blick wirkt sie damit ein wenig überkandidelt. Beginnt sie aber zu singen, rücken ihre blauen Schuhe mit den Haifischzähnen, die türkisfarbene Brille und der weite steife Rock, nach wenigen Momenten weit in den Hintergrund. Dann konzentriert man sich nur noch auf diese phänomenale Stimme, die im Laufe von zwei Stunden eine ganze Klangwelt zu erschaffen imstande ist. Das Ausdrucksspektrum, mit dem Alony das Publikum ein ums andere Mal fasziniert und begeistert, ist riesig. Sie singt hoch und dünn wie ein Mädchen, springt …

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