Musikalisch mehrdeutige Schlachtplatte – Erika Stucky in Regensburg

Aus dem Dunkel klopft es laut fordernd – „macht mir Platz, ich komme rein!“ Knarzend stiefelt Erika Stucky im abgedunkelten Saal des Leeren Beutel vorne an der Bühne vorbei zum Garderobenständer, dabei mit einem Schaufelstiel auf dem Steinfußboden trommelnd. Dort angekommen beginnt sie mit tänzerischem Schwung leere Kleiderbügel rauszureißen und hinter sich zu werfen. Ein trotziges Kind, das lustvoll provoziert und sich zugleich von schmerzenden Zwängen befreit. Dabei stößt sie gellende Rufe aus. „Stucky con carne“ nennt die schweizerische Sängerin, Performerin und Multimedia-Künstlerin ihr Programm, mit welchem sie beim Jazzclub im Leeren Beutel gastierte – und dafür begeistert gefeiert wurde. Dabei ist das Thema, welches „die Meisterin im Brechen von Traditionen“ mit Schlagwerker FM Einheit, dem prächtigen Holzbläser Steffen Schorn und dem vielseitigen Ben Jeger am Keyboard und an der Glasharfe inszenierte, keine leichte Kost. Servierte sie doch mit Videos und Klangcollagen, düsteren Lichtstimmungen und szenischen Auftritten, Popsongs und Jodeleinlagen dem Publikum eine latent bedrohliche „Metzgete“, eine Schlachtplatte wie es im Alemannischen heißt, die keineswegs nur Leichtverdauliches enthielt. Papi-Tochter-Programm In diesem Papi-Tochter-Programm, wie Stucky es vorstellt, seinen viele „daddy issues“ enthalten. „Hush little baby, my …

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Magische Klangmomente: Rockjazzformation OM gibt seltenes Konzert in Regensburg

Es sei das beste gewesen, was sie seit langem gehört habe. Etwas unsicher, aber mit leuchtenden Augen, hält die junge Frau Urs Leimgruber und Christy Doran nach deren Auftritt mit OM im Leeren Beutel ein abgelöstes Plakat zum Signieren hin. Sie spiele selbst Musik, erklärt sie und antwortet auf die Frage nach ihrem Alter: „18 Jahre.“ „So muss es sein“, strahlt sie darauf der 67-jährige Saxofonist an, „die Jugend hört unsere Musik“. Damit übertreibt der grauhaarige Musiker mit dem adretten Pferdeschwanz zwar leicht, denn das Gros der Zuhörer im Konzertraum gehört eindeutig älteren Semestern an. Vermutlich haben einige schon die erste Auflage des Quartetts in den späten 70er- oder frühen 80er-Jahren miterlebt. Damals zählte OM aus dem zentralschweizerischen Luzern zu den aufregendsten Gruppen des sich neu entwickelnden Jazzrock-Genres. Selbst hat das – bis heute – kollektiv organisierte Quartett seine Musik allerdings immer als „Electric Jazz“ bezeichnet. Durchaus auch um sich gegen die einsetzende Kommerzialisierung und musikalische Vereinfachung abzugrenzen, die sich auch bald herausbildete und manchen Bands eine breitere Anerkennung verschaffte. Neben dem deutschen Trio Giger-Lenz-Marron und der englischen Band Nucleus um den Trompeter und Musikprofessor …

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Malene Mortensen – durchwachsenes Debüt

Bei der  Sängerin Malene Mortensen kann man in Versuchung geraten über ihr unpassendes Sommerkleid, die langen blonden Haare oder ihre Erscheinung insgesamt zu parlieren. Das liegt weniger an ihrem Auftreten beim Jazzclub im Leeren Beutel, wo sie mit einer Pianotrio-Besetzung ihr Regensburg-Debüt gab. Vielmehr hat in der ersten Hälfte des Konzertes einiges nicht so recht zusammengepasst. Stimmlich hatte Mortensen leichte Probleme, traf Töne nicht genau und bekam kurze Hustenanfälle. Die Band wirkte, bis auf den sehr beweglichen und einfallsreichen Bassisten Paul Hinz, wenig inspiriert. Schließlich hörte sich Mortensens akkordisches Spiel auf einer leuchtend roten Jazzgitarre – Blickfang auf Plakaten und Postern – auch noch an, als sie eine Anfängerin am Werk. Etwas, was Mortensen definitiv nicht ist.   Die Dänin ist seit Anfang des Jahrtausends musikalisch unterwegs, anfänglich mit gecoverten Popsongs in Castingsshows. Aber schon ihr erstes Popjazz-Album „Paradise“ spielte sie mit dem Übervater des dänischen Jazz, den Oscar-Peterson-Bassisten Nils-Henning Ørsted-Pedersen, und Alex Riel ein. Auf dem Produzentenstuhl sass kein anderer als der Pianist Niels Lan Doky, ebenfalls eine herausragende Größe des zeitgenössischen  nordischen Jazz. Inzwischen hat Mortensen bereits sieben Alben veröffentlicht, ihr letztes „You …

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