Gwilym Simcock zu Gast im Düsseldorfer Goethe Museum: A Good Day At Schloss Jägerhof

Von Dietrich Schlegel – „Da bin ich nun wieder in den Strudel der Töne hingerissen.“ Das Konzert des britischen Pianisten Gwilym Simcock im Düsseldorfer Goethe Museum hätte nicht treffender beschrieben werden können, als mit diesem Zitat Goethes aus einem Brief an seinen „Urfreund“ Karl Ludwig von Knebel, in dem er seinen Eindruck von einem Konzert der berühmten Pianistin Maria Szymanowska zusammenfasst. Wir wissen leider nicht, auf welche Weise die seinerzeit berühmte Künstlerin ihr Publikum verzauberte. Aber wenn der musikbegeisterte Geheimrat solche Worte wählt, hätte er sie vielleicht auch für die Klanggewitter gefunden, mit denen der virtuose Gast aus London die Zuhörer zu begeisterten Beifallsstürmen hinriss. Zum sechsten Mal hatten der Hausherr des größten privaten Goethe-Museums, Professor Dr. Christof Wingertszahn, und die Kulturjournalistin Dr. Barbara Steingießer als Initiatorin und künstlerische Leiterin zu der Konzertreihe in das schmucke Barockschloss Jägerhof eingeladen. Die Reihe hat sich offensichtlich im Düsseldorfer Kultur- und Musikleben endgültig etabliert. Diesmal drohte der Ansturm der – so die stetige doppelte Begrüßungsformal – „Goethe-Freunde und Jazzfans“ die Ausmaße des intimen Konzertsaals schier zu sprengen, und das bei 18 € Eintritt. Schließlich kamen alle Besucher unter, …

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Aus dem Bergwerk an die Spitze – Wolfgang Dauner zum Achtzigsten

Der 1935 in Stuttgart geborene und dort bis heute lebende und arbeitende Komponist und Musiker Wolfgang Dauner ist seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Innovator für den Jazz aus Deutschland. Am 30.12. 2015 feiert der Jazzpianist seinen achtzigsten Geburtstag: Anlass für JazzZeitung.de die Laudatio zu publizieren, die JazzZeitungs-Chefredakteur Andreas Kolb am 21. November 2003 bei der Verleihung der „German Jazz Trophy – A Life for Jazz“ in Stuttgart hielt.   Lieber Wolfgang Dauner, sehr geehrte Damen und Herren, als Chefredakteur der Jazzzeitung begegne ich immer wieder jungen, begabten Musikern, die vor der Frage stehen: „Studiere ich Jazz? Werde ich Jazzmusiker? Oder soll ich nicht doch lieber einen bürgerlichen Beruf ergreifen?“ Mit einem Blick auf die Vita des heute hier Ausgezeichneten fällt mir eine Antwort da nicht schwer: „Mach‘ es einfach wie Wolfgang Dauner. Lebe deine Leidenschaft für den Jazz. Berührungsängste darfst du aber keine kennen: als Jazzmusiker musst du unter Umständen dein Geld auch mal mit anderer Musik verdienen. Außer du bist Erbe von Beruf.“ Nach dem Krieg, Wolfgang Dauner war 1945 zehn Jahre alt, dachte man in Deutschland weniger in künstlerischen Kategorien, als in …

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Frederik Köster & Sebastian Sternal mit neuer CD: Canada

Frederik Köster und Sebastian Sternal gehören zu den gesetzten Vertretern der jungen deutschen Jazzszene, sind gemeinsame Weggefährten und spielen, in verschiedenen Besetzungen, mittlerweile seit gut 10 Jahren zusammen. Auf Einladung von Professor Thilo Schaller, ein Bekannter Kösters an der University of Lethbridge /Calgary, ergab sich für die beiden Musiker die Gelegenheit eines Trips nach Kanada, bei dem diese herrliche Duoaufnahme entstanden ist. Die Kombination Flügelhorn-Piano hat einen ganz eigenen Reiz und ist eine durchaus erprobte Klangsynthese. Ohne Anklänge an Vorbilder oder bereits bestehende Duoaufnahmen dieses Genres begeben sich Frederik Köster und Sebastian Sternal auf eine eigene Klangreise in komplett relaxtem Ambiente während ihres 10-tägigen Kanada Aufenthaltes. Herausgekommen sind dabei kammermusikalisch feinstrukturierte Stücke überwiegend – bis auf zwei Ausnahmen – aus der Feder von Köster und Sternal. Selten hat man die beiden Musiker zuvor so nah, so intim musizieren und improvisieren hören können. Inspiriert durch die Landschaft Kanadas und Erlebnisse während dieser Zeit ist ein atmosphärisch unerhört dichtes Album entstanden. So fügen sich auch die beiden Kompositionen der Kanadierin Joni Mitchell „A Case Of You“ und „For Jan“ von Kenny Wheeler, der ebenfalls aus Kanada stammte, …

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International Škoda Allstar Band im November auf Tournee

Im Herbst wird die International Škoda Allstar Band, bestehend aus international renommierten Jazzmusikern aus verschiedenen Ländern, zum dreizehnten Mal auf Tournee durch Deutschland gehen. Die Musiker kennen sich untereinander schon seit vielen Jahren und haben in den unterschiedlichsten Besetzungen miteinander gearbeitet. In dieser Besetzung trafen sie sich zum ersten Mal beim internationalen Workshop des Jazzclubs Eurocore in Trier, der sie dreizehn Jahre als Dozententeam verpflichtet hat. Bei den alljährlichen Dozentenkonzerten in Trier entstand die Idee, mit dieser Band weitere Konzerte in Deutschland zu geben. So traten in den vergangenen Jahren die Musiker gemeinsam bei mehr als 90 Konzerten auf Festivals, Fernsehkonzerten und in Theatern, Philharmonien und auch mit dem Symphonie-Orchester der Stadt Trier beim europäischen Kulturstadt-Jahr 2007 in Luxemburg und Trier mit großem Erfolg auf. Mit Unterstützung des Kulturpartners Škoda Auto Deutschland wird die Band im November wieder Konzerte in Deutschland geben. Nach vielen renommierten Stars der internationalen Jazzszene wie John Taylor, Maria Pia DeVito, Ack van Rooyen, Sonnica Yepes, Rosani Reis und Charlie Mariano konnte für die Tournee im Jahre 2014 die Sängerin Norma Winstone als Gaststar gewonnen werden. Die Musik ist so vielfältig wie …

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Kenny Wheeler. Foto: German Jazz Trophy

Zum Tod von Kenny Wheeler

Der kanadisch-britische Trompeter Kenny Wheeler (* 14. Januar 1930 in Toronto, Ontario; † 18. September 2014 London) galt nicht nur als Trompetenvirtuose mit unverkennbar eigenem, ätherischen Ton, sondern als einer der produktivsten Komponisten des Jazz: Gegen 200 Stücke hat er geschrieben, die auf gut 30 Alben veröffentlich wurden, die meisten bei dem deutschen Label ECM Records in München. Kenny Wheeler war schon seit längerer Zeit krank und bettlägerig. Musikerkollegen hatten mit Benefizkonzerten Geld gesammelt, um die Krankheitskosten tragen zu helfen. Nun ist er 84-jährig in London gestorben. Lesen Sie Ausschnitte aus der Laudatio für Wheeler, die Jazzzeitungsredakteur Andreas Kolb im Jahr 2005 in Stuttgart anlässlich der Überreichung der „German Jazz Trophy – a life for jazz“ an den Trompeter hielt. Die Trompete zeichnet sich durch eine seltsame Ambivalenz aus. Als dem repräsentativen Instrument des Hofes hatte sie von jeher eine Sonderstellung. Als Lehrlinge für die damals angesehenste und nur in höfischen Diensten stehende Zunft der Trompeter und Pauker wurden ausschließlich ehrbare und unbescholtene junge Männer aufgenommen, die nach einer strengen Lehrzeit von sechs Jahren (bis zur Künstlerreife braucht man heute auch so etwa 12 Semester) …

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Neuer Deutscher Jazzpreis – Preis ohne Echo?

Nachdem die letzten Wochen voller jazziger Echos waren, möchte ich noch einmal in den Wald hineinrufen und das Augenmerk auf einen Deutschen Jazzpreis richten, der nicht von der Musikwirtschaft, sondern, nach einem Gang durch mehrere Instanzen, vom Endverbraucher selbst vergeben wird. Der Neue Deutsche Jazzpreis in Mannheim. Derzeit erhält der Veranstalter, die IG Jazz Rhein-Neckar, jährlich etwa 200 Bewerbungen von deutschen Bands. Man kann also sagen, dass sich die deutsche Jazzszene hier durchaus in der Breite repräsentiert.

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