Neuer Deutscher Jazzpreis – Preis ohne Echo?

Nachdem die letzten Wochen voller jazziger Echos waren, möchte ich noch einmal in den Wald hineinrufen und das Augenmerk auf einen Deutschen Jazzpreis richten, der nicht von der Musikwirtschaft, sondern, nach einem Gang durch mehrere Instanzen, vom Endverbraucher selbst vergeben wird. Der Neue Deutsche Jazzpreis in Mannheim. Derzeit erhält der Veranstalter, die IG Jazz Rhein-Neckar, jährlich etwa 200 Bewerbungen von deutschen Bands. Man kann also sagen, dass sich die deutsche Jazzszene hier durchaus in der Breite repräsentiert.


Die Ausscheidungsprozedur: Nach einer Vorauswahl, getroffen in Zusammenarbeit mit dem Jazzinstitut Darmstadt und einzelnen Journalisten, werden etwa ein Dutzend Bands an einen jährlich wechselnden Kurator weitergegeben. Dieser sucht dann drei Finalteilnehmer aus, die sich in Mannheim konzertant präsentieren dürfen. Das Publikum bestimmt anschließend an die Konzerte mittels Stimmzettel den Gewinner. So zuletzt geschehen im März 2010, wobei das Tim Allhoff Trio den Zuschlag und 10.000 € erhielt (Bericht demnächst in Ausgabe 03/2010 der Jazzzeitung).

Was die mediale Aufmerksamkeit angeht, besteht natürlich kein Vergleich zum ECHO JAZZ, aber auch in den Fachmedien wird überraschend wenig Aufhebens gemacht um diesen Preis, der vergleichsweise hochdotiert ist und unter Beteiligung anerkannter Jazzgrößen (in diesem Jahr Kenny Wheeler) vergeben wird. Meine Frage (auch an die mitlesenden Musiker und Journalisten), wieso bewegt ein Echo für den Jazz, ob negativ oder positiv gesehen, die Jazzwelt weit mehr als dieser handgemachte „Underground“-Preis? Zugegeben, nicht jeder mag das Prinzip unterstützen, dass der Preisträger vom wankelmütigen und beeinflussbaren Publikum ermittelt wird, aber kommerzielle „Verunreinigung“ ist hier zumindest auszuschließen.

Taugt der NDJP also nicht zum Mekka der geknechteten Jazzarbeiter, die in Bochum keiner auf die Bühne bitten will? Wobei, der letztjährige Gewinner Frederik Köster durfte sich in diesem Jahr auch in Bochum seinen Preis abholen – zur Regel wird das aber sicher nicht. Oder hat Dieter Gorny am Ende auch schon die Mannheimer Jazz-Recken verhunzt?

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