Grand Gala du Disque populier in Kurhaus te Scheveningen Sarah Vaughan Koch, Eric / Anefo / Wikimedia Commons

Sarah Vaughan: Vaughan and Violins

Von Stefan Barme. Sarah Vaughan (1924–1990) bildet zusammen mit Billie Holiday und Ella Fitzgerald das bekannte Dreigestirn der größten Sängerinnen in der Geschichte des Jazz, wobei „Sassy“, die voller Bewunderung „die Göttliche“ („the Divine One“) genannt und mitunter auch als „schwarze Callas“ bezeichnet wird, eine Ausnahmestellung zukommt.


Ihre Stimme umfasste drei Oktaven, vom Alt- bis in den höchsten Sopran-Bereich hinein. Drei Oktaven meisterte auch Ella Fitzgerald, doch Vaughans Gesang ist aufgrund ihrer unglaublichen Fähigkeiten in Bezug auf Modulation und Vibrato variabler als jener von Lady Ella. Joachim-Ernst Berendt führt hierzu in der von ihm verfassten „Jazzbibel“ aus: „Sarah Vaughan ist die erste Jazzsängerin mit einem Stimmumfang, der dem einer Opernsängerin nicht nachsteht. Ja, „Sassy“, wie sie genannt wurde, gebietet über eine stimmliche Flexibilität und einen Modulationsreichtum, mit denen verglichen mancher Koloratursopran blass wirkt. Sie kann gleißende Linien erfinden, die den gesamten Stimmumfang innerhalb von zwei Takten überbrücken. Jedes Vibrato, das sie singt, modelliert sie wie eine andere Skulptur. Ihr reicher, dunkler Kontra-Alt hat einen neuen Ton in den Jazzgesang gebracht.

Emotional aufgeladen

In der Fähigkeit, diesen Ton auf die vielfältigste Art und Weise zu verändern und mit emotionalem Inhalt buchstäblich „aufzuladen“, ist sie jeder anderen Jazzsängerin überlegen“ (Joachim-Ernst Berendt/Günther Huesmann: Das Jazzbuch. Von New Orleans bis ins 21. Jahrhundert, Frankfurt am Main, Fischer, 3. Auflage 2011, Seite 724). Die außergewöhnliche Variabilität und Expressivität von Vaughans Stimme begeisterte auch den renommierten britischen Jazzkritiker Leonard Feather: „Kürzlich hörte ich eine klassische, eine Pop- und eine Jazzsängerin. Einen Sopran, einen Contra-Alt und eine Koloratursängerin. Eine Sängerin mit der Spontaneität von Ella Fitzgerald, mit der Seele von Aretha Franklin, der Wärme von Peggy Lee und der makellosen Phrasierung von Carmen McRae. Sie waren alle in der derselben Show und sie alle waren Sarah Vaughan“.

Fest für die Ohren

Mit diesen brillanten stimmlichen Fähigkeiten machte „Sassy“, die sich selbst nicht als Jazzsängerin sah, sogar aus ziemlich drögen Popmusiknummern ein berauschendes Fest für die Ohren. Die göttliche Sarah hat im Laufe ihrer langen Karriere viele Platten eingespielt; zu ihren herausragenden Aufnahmen gehört zweifellos Vaughan and violins, die 1958 in Paris aufgenommen und im Jahre 2002 in einer exzellenten Tonqualität wieder aufgelegt wurde. Die atemberaubend flexible Stimme von „Sassy“ und die sie begleitenden Musiker, allen voran die Streicher, erzeugen eine einzigartige, seidig-samtene Schönheit, die sich, wenn man sie mittels eines Bildes ausdrücken wollte, wohl am besten als die tief harmonische Zweisamkeit eines Liebespaares beschreiben lässt, das auf einer Terrasse am Meer, von einer sanften Brise umspielt, einen wunderschönen, wohltemperierten Sommerabend genießt. Dass dieses Album ein absolutes Meisterwerk, eine der schönsten Aufnahmen im Bereich des Vocal Jazz überhaupt wurde, verdankt sich daneben aber auch dem begnadeten Quincy Jones, der für die Orchestrierung und die Arrangements verantwortlich zeichnet (Jones hat seine Musikausbildung unter anderem in Paris bei Nadia Boulanger, der Grand Dame der europäischen Kompositionsdidaktik und Musikpädagogik, absolviert und später mit Größen wie Frank Sinatra, Ray Charles, Aretha Franklin, Ella Fitzgerald usw. gearbeitet).

Sarah Vaughan: Vaughan and violins (Gitanes Jazz Productions, 2002, Reissue, Remastered)
Jazz in Paris – 83


Beitragsbild: Grand Gala du Disque populier in Kurhaus te Scheveningen Sarah Vaughan
Datum : 12 oktober 1963
Locatie : Scheveningen, Zuid-Holland
Instellingsnaam : Kurhaus
Fotograaf : Koch, Eric / Anefo / Wikimedia Commons

 

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