Out Of The Box Festival - Foto: TJ Krebs

AAHHH  –  OH: Das Münchner Musikfestival „Out Of The Box“

Raus aus gewohntem Umfeld und rein in Erlebnis-, Gefühl- und Klangwelten für alle Sinne. Staunen, Assoziationen, Experimente,  Horizonterweiterung, Improvisation, Musik, Soundscapes, Jazz not Jazz vereint dieses Festival, das in diesem Jahr zum zweiten Mal von der whiteBOX im Münchner Werksviertel veranstaltet wurde. „Out Of The Box“ ist das zur Zeit wohl außergewöhnlichste Musikfestival Münchens.


Das Motto der whiteBOX als Plattform und Bühne für internationale Künstler, kreative zeitgenössische Formate abseits des Gewohnten und Gewöhnlichen zu präsentieren, ist auch dieses Jahr wieder voll aufgegangen.

Als Festivalbetreiber muss man natürlich auch Glück haben – es lässt sich nicht immer alles planen, vor allem wenn man Natur und Wetter mit in sein Programm einbezieht. So galt es im Vorweg Eis am Weißensee zu ernten für die Instrumente, die Terje Isungset daraus für seine Konzerte kreiert und die bei warmen Temperaturen logischerweise anfangen zu schmelzen. Dieses Jahr konnten wetterbedingt  alle ICE MUSIC Konzerte Open Air auf dem Dach des Gebäudes Hoch 5 im Werksviertel stattfinden. So kamen die Zuhörer vor imposanter Kulisse in den Genuss der einzigartigen Klänge von aus Eis geschnitzten Hörnern, einer Eisharfe, Eisbass, verschiedener Eistrommeln oder ein in der Tat beeindruckendes Eis-Alphorn.

Es folgten Podiumsveranstaltungen, u.a. zum Thema „ Kultur digital – digitale Kultur“ begleitet von Distorted Vanity und passend dazu tags darauf Ralf Schmid mit seinem Projekt PYANOOK. Dabei entsteht mit Klavieren, einem Datenhandschuh und Sensorfeld-Technik eine faszinierende Aufführung aus analogen wie digitalen Klängen, kombiniert mit Tanz und musikalischen Improvisationen.

Der Schweizer Pianist Alain Roche schwebte in der darauf folgenden Woche mit einem Konzertflügel, vertikal angebracht an einem Kran, am frühen Morgen über die Baustelle des zukünftigen Münchner Konzerthauses. Bei frostigen Temperaturen war PIANO VERTICAL wohl eines der eindrucksvollsten Momente des Festivals. Ca. 100 Zuhörer lagen in Decken gehüllt auf Liegestühlen mit Kopfhörern ausgestattet und lauschten zur aufgehenden Sonne einer Soundcollage aus Baustellengeräuschen und live gespielten Klavierimprovisationen.

Nach einem herzhaften Frühstück konnte man sich dann in der whiteBox vom belgischen Konzeptkünstler Lawrence Malstaf in neue Dimensionen führen lassen. Die Performance SHRINK konfrontiert das Publikum mit Akteuren, die sich in durchsichtigem Plastik praktisch vakuumieren. Diese steuern durch Schläuche Luftzufuhr und Unterdruck, so dass ihr Körper selbst fixiert wird, nur zeitlupenhafte Bewegungen sind dabei möglich und ziehen die Zuschauer in Bann.

Für einen weiteren Höhepunkt des Festivals sorgte das Ensemble Between Music um die Komponistin und Performerin Laila Skovmund auch dieses Jahr wieder mit AQUASONIC. Anders als letztes Jahr, bei dem das Publikum um die Musiker, die in Wassertanks abgetaucht ihre Instrumente spielen, sich frei bewegen konnten, fand das spezielle Konzert diesmal auf einer Bühne statt. Das Publikum konnte auf ihren Plätzen alle 5 Musiker in ihren durchsichtigen Wasserbassins hören und das Geschehen verfolgen. Eine beeindruckende Aufführung, bei der sich Wasser mit sirenenhaften Klängen verbindet und Raum für wunderbare Assoziationen eröffnet.

Am letzten Tag des Festival begeisterten Tatjana Buschs „Bubbles“, eine Seifenblasenperformance unter Schwarzlicht mit Tänzerin Michaela Kadlciková zu Musik von Emmanuel Witzthum und sorgte in der whiteBOX für schwebende, verträumte Assoziationsräume.

Danach gab es mit „Zooming out“ 10 Live-Konzerte an 10 zum Teil illustren Orten, bevor das diesjährige Festival, nach Witzthums Audio & Videoprojekt „Dissolving Localities, mit einer grandiosen Abschlussparty und Dance Night ausklang.

Experiment und Innovation gehen bei „Out Of The Box“ Hand in Hand. Durch die abwechslungsreichen und vielfältigen Aufführungen konnte man, wie kaum woanders, Erlebnishorizonte erweitern und neue Hör- und Sehgewohnheiten erfahren. Dabei wurde gleichzeitig auch die kommende Generation von Musik- und Kunsterlebnisinteressierten mit speziell veranstalteten Kinderkonzerten zu Ice Music, PYANOOK, AQUASONIC oder SHRINK, sowie dem Kinderworkshop „Makerspace Wearables“ und dem Schulprojekt „Digitale Poesie“ ins Festivalgeschehen integriert und einbezogen.

Man darf schon jetzt darauf gespannt sein, was sich das Team nächstes Jahr alles einfallen lassen wird.  Zum „Nacherleben“ eine Fotostrecke mit den diesjährigen Highlights des Festivals.

 

Text & Fotos TJ Krebs

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