In den unendlichen Weiten… – CD des Void-Quintets

Strenge Bläsersätze, die an kirchenmusikalische Formen anknüpfen, ein Piano, das sich scheinbar nicht von der Stelle bewegt und in einem Stockwerk hin- und herruckelt. Das mit kosmologischen Begriffen behaftete Album Globular Cluster der steirischen Pianistin und Komponistin Ursula Reicher ist ein ungewöhnliches Debüt. Auf Anhieb hat die in Graz bei Ed Partyka studierende Pianistin mit ihrem Void-Quintet damit einen Wettbewerb des amerikanischen Downbeat-Magazins gewonnen. Bei dessen weltweit größtem Wettbewerb seiner Art hat hat Reicher mit ihrer Band in der Kategorie „Small Jazz Combo“ für eine „Outstandig Performance“ gewonnen.


In ihrer Musik verbindet die komponierende Instrumentalistin Jazz und Klassik mit tiefgründigen Texten und wortlosem Gesang. Instrumental setzt sie auf eine in allen musikaischen Sphären seltene Kombination von vier Blechbläsern und Piano. In ihren Kompositionen, die so kryptische Titel wie „Heksebran“ und „Up On My Re Al“ oder „Elevator“ und „Turtles“ tragen, thematisiert sie Überlegungen zum Tod, Sein und Nicht-Sein und den neugierigen Blick über den Tellerrand. Letzteren vor allem praktiziert die 26-Jährige mit ihrer eigenwilligen Musik, in der sich Trauer und Offenheit, Neugierde und Versenkung verfangen und spiegeln. Das Spiegeln funktioniert dabei wie bei Alice im Wunderland, es ist durchlässig, öffnet immer wieder Türen zu wenig bekannten, fantastischen Welten. Schüchterne Trompeten behaupten sich gegenüber wuchtigen, beinahe überwältigenden Posaunen im Gleichklang mit dem Piano. Eine repetitive Pianospur lockt in immer tiefer in die unendlichen Weiten musikalischer Versenkung und Ekstase. Getragene Stimmungen und erhabene Arrangements korrespondieren auf eigene, sinnstiftende Weise mit Texten, die komplexe Gedanken zur und über die Welt transportieren.

Zum schnellen Konsum oder dem genießerischen Sich-ein-grooven ist Reichers komplexer Kosmos ziemlich ungeeignet. Sich darauf einzulassen und die (Hohl-)Räume zu erforschen erfordert – wie die Sozialpädagog*innen in unnachahmlicher Art sagen – ein Stück Arbeit. Dann allerdings wird man belohnt und kann den kirchenmusikalischen Strukturen, die auch mal an alpenländische Heimatklänge erinnern, den jazzigen Passagen, großartig wilden Soli und kühnen musikalischen Ideen eins ums andere Mal neue Facetten abgewinnen. Über das eine oder andere manierte Echo im Vokalklang kann man dabei unbeschwert hinwegsehen. Starkes Album.

CD: Void-Quintet, Globular Cluster, http://www.voidquintet.at/globular-cluster/globular-cluster/, ca. 15 Euro / 9,03 Euro digital

DOMINIC PESSL, GERHARD ORNIG – trumpets,

JOHANNES OPPEL, ADAM LADÁNYI – trombones

URSULA REICHER – piano, voc, comp, arr

 

Ergänzende Infos:

http://www.spektrum.de/lexikon/astronomie/voi…

… In der Kosmologie sind die Forscher u.a. am Zustandekommen der großskaligen Struktur des Universums (engl. large-scale structure, LSS) interessiert. Die Ausbildung von ‚Lücken‘ in Form von Voids kann man durch folgenden Entwurf verstehen: Die Materie im Universum besteht aus baryonischer (eigentlich besser gesagt: hadronischer) Materie und vor allem aus der Dunklen Materie. ...

 

http://lernarchiv.bildung.hessen.de/grundschu…

Void

Voids  (engl. „Lücke“, „Leerraum“) sind in der Astronomie und in der Astrophysik die riesigen Leerräume zwischen den größeren Strukturen des Universums.

Da die mittlere Materiedichte des Universums im Bereich von nur 10−27 kg/m3  liegt (etwa ein Atom in einem Kubikmeter) und die mittlere Dichte von Galaxien weitaus größer ist (mehrere Millionen Atome in einem Kubikmeter), muss es sehr große Bereiche geben, in denen beinahe keine Materie existiert.  …

 

http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/…

Das Universum ist größtenteils leer und besteht aus jeder Menge Nichts. Jetzt aber haben Astronomen eine Region im Kosmos identifiziert, in der mehr Nichts ist, als anderswo. Sie haben den größten bisher bekannten Leerraum im Weltall gefunden, eine sogenannte “Void”, die 1,8 Milliarden Lichtjahre durchmisst und die größte bekannte Struktur im Universum darstellt.  …

 

http://www.weltderphysik.de/gebiet/astro/news…

… Regionen geringer Galaxien-Dichte sind in der Astronomie nicht unbekannt. Die Materieverteilung im Kosmos zeigt Beobachtungen und Simulationen zufolge auf großen Skalen eine aus Materieansammlungen – Filamente genannt – und dazwischenliegenden Leerräumen – so genannten Voids – bestehende Struktur. Allerdings beträgt die typische Größe dieser Voids lediglich 100 Millionen Lichtjahre. Entsprechend bezeichnen Szapudi und seine Kollegen den von ihnen entdeckten Leerraum in der Eridanus-Region als „Supervoid“.  …

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Filamente_und_Voids

Die Materieverteilung des Universums ähnelt astronomischen Beobachtungen und Simulationen zufolge auf großen Skalen einer Wabenstruktur, die durch Filamente (Materieansammlungen) und die dazwischenliegenden Voids (Hohlräume) gebildet wird. Als Filamente (von lateinisch filum „Faden“) bezeichnet man die fadenförmigen Verbindungen im Universum zwischen Galaxienhaufen und Superhaufen mit einer höheren lokalen Galaxiendichte um riesige Hohlräume (Voids) herum. Voids (englisch für Lücke, Leerraum) sind in der Astronomie und in der Astrophysik riesige Leerräume zwischen den größeren Strukturen des Universums. ..

 

 

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