PENG-Festival übertraf alle Erwartungen

Text und Fotos von Stefan Pieper.


Heraus aus dem Einzelkämpfertum und heraus aus den Nischen – dürfte das Motto gelautet haben, als sieben Absolventinnen der Folkwang-Hochschule das PENG-Kollektiv gegründet haben. Die Anspielung auf ein extrem erfolgreiches Kölner Vorbild in Sachen Kräftebündelung ist dabei nicht zufällig. Denn die Kollektiv-Idee hat viel Ausstrahlung und animiert zur Nachahmung, zum Weiterdenken. Im aktuellen Fall wird nun gleich ein gewichtiges Ruhrgebiets-Pendant zur Musikmetropole Köln gesetzt, und nebenbei mal etwas für die Harmonisierung der doch etwas ungleichen Geschlechter-Verhältnisse in der Musikmacher(-innen)-Zunft getan…

Im Kollektiv gebündelt kann Jazz besonders gut Aufmerksamkeit generieren und etwas bewegen. Und dann haben die PENG-Aktivistinnen auch alles richtig gemacht: Ein Festival gleich zu Beginn hat den besten Imagefaktor, weil es ganz viel Aufmerksamkeit bündelt, hierfür haben die sieben Veranstalterinnen viel getan: Danach befragt, was denn im Vorfeld die meiste Zeit in Anspruch genommen habe, lautete die einhellige Antwort: Werbung machen, Flyer und Plakate unters Volk bringen und bloß nicht aufhören damit! Und: an allen Fronten das Gespräch mit potenziellen Sponsoren suchen, Leute empfänglich machen.

Die Rechnung ging bestens auf: Die Maschinenhalle in Essen-Altenessen ist – ausverkauft! Eine Leistung, wo erwiesenermaßen in entlegeneren Ecken des Ruhrgebiets ganz schön ums Publikum gekämpft werden muss. Aber hochverdient angesichts dieser wunderbaren Location mit ihrem ursprünglichen, rauen Charme! Der wird noch unterstrichen dadurch, dass man gar keine Bühne aufbaut, sondern die Bands ebenerdig auf gemütlichen Teppichen, sozusagen auf Augenhöhe auftreten lässt.

Und wenn dann jenseits dieses ganzen so treffsicher arrangierten Drumherums auch noch ebensolche künstlerischen Ergebnisse hautnah erlebbar sind, dann kann man hier wirklich nichts mehr besser machen.

Barbara Barth, eine der PENG-Aktivistinnen präsentiert eine Neuauflage ihres eigenen Quintetts. Zurzeit haben es ihr Songs aus der Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit angetan – und so etwas wird mit Leidenschaft und Tiefgang, gerne in komplexen Arrangements, hautnah inszeniert. Barbara Barth durchlebt die Emotionen solcher Songs, und es kommt vor allem die Ambivalenz dieser Stücke heraus: Lebensfreude an der Grenze zur Dekadenz löst sich in fliegendem Wechsel mit sehr dunklen Seiten ab – so funktionieren zupackende Inszenierungen von Songs für eine Live-Bühne. Die Auseinandersetzung mit so einem Material hat Barbara Barths eigenes Songwriting inspiriert – und so war der Festivalauftritt auch eine Premiere für viele neue Stücke aus ihrer eigenen Feder – diesmal auf Deutsch, denn es sollen Botschaften im Zentrum stehen.

In eher pop-affinem Gewand kommt die Band der jungen Sängerin Maika Küster daher und der Bandname „Der weise Panda“ passt auch bestens dazu. Aber auch hier ist das musikalische Potenzial riesengroß und war schon für die Verleihung des Sparda-Jazzpreises gut. Zusammen mit ihrer Band lebt die 22-Jährige eine sehr direkte und emotionale Musik, die auch sehr gut auf eine intime Nebenbühne bei einem alternativen Popfestival passen könnte. Und einmal demonstrieren hier Musiker das universale Potenzial von Jazzmusikern, die im Idealfall grenzenlos flexibel jedem Sujet nahe kommen können – eben hier den lyrischen, manchmal auch fast rockigen Facetten in den Songs von Maika Küster.

Jazz kann so viel, wenn man mutig ist, ihn auf künstlerische Ideen anzuwenden. Aber „der Jazz“ leistet auch manchmal aus sich selbst heraus Großes, so sehr, dass man in bestimmten Momenten wieder ganz viele Ausrufezeichen hinter dieses Reizwort mit den vier Buchstaben setzen möchte: Gemeint ist hier das Quartett um die australische Posaunistin Shannon Barnett, die übrigens das jüngste Mitglied der WDR Big Band ist – und auch endlich mal eine Instrumentalistin innerhalb der weiblichen Zunft! Als kongeniale Partner sind dabei: Saxophonist Stefan Karl Schmidt, Bassist David Helm und Schlagzeuger Fabian Ahrends. Sie einigen sich auf die universale Sprache, improvisieren miteinander, agieren mit maximaler Bühnenpräsenz. Sofort ganz anders wirkt so etwas übrigens, wenn wie hier die Notenständer von der Bühne verbannt sind. Sich aufeinander einhören. Sich im richtigen Moment einbringen, die Ideen der anderen aufnehmen, auf die universale Sprache, die sämtliche dieser Profimusiker so perfekt beherrschen, einlassen. Ja, thats Jazz.

Jetzt besteht die Herausforderung darin, an der Sache dranzubleiben, nicht locker zu lassen, schon den nächsten Festival-Termin anzuvisieren. Denn schon nach dem ersten Debut möchte man dieses charmante Festival in der Maschinenhalle nie mehr missen!

Weitere Infos unter peng-festival.de.

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Ein Kommentar

  1. Klingt perfekt und die Anreise aus 500 km Entfernung wurde in Betracht gezogen.
    Der taktische Fehler war nur eine Verteilung auf Sa/So statt Fr/Sa, ausser man wollte dadurch erreichen, dass der Ausverkauf nicht in Protesten eskaliert:-)

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