Audience Development (7) – „externe“ Vermittlung

In den vergangenen Blogfolgen habe ich diverse Möglichkeiten beleuchtet, wie Musiker und Veranstalter als „interne“, unmittelbar am Konzert beteiligte Personen die Vermittlung zum Publikum intensivieren und/ oder verbessern können. Es gibt jedoch auch etliche Ideen und Konzepte für die „externe“ Vermittlung, die ich im folgenden vorstellen möchte. Einziger Haken: sie kosten meistens Geld, was im Jazzbereich schnell zum Ausschlusskriterium werden kann.


1) Outsourcen von Dienstleistungen

Wenn man nicht das Glück hat, sich entweder selbst gut auszukennen oder enge Freunde und Bekannte zu haben, die einem Bandfoto, Homepage oder Konzerteinführung in guter Qualität kostenfrei oder zu Freundschaftspreisen ermöglichen, kann (und muss) man sich diese Leistungen einkaufen. Im besten Fall spart man dabei viel Zeit und bekommt Resultate, die man selbst nie so gut hinbekommen hätte. Je genauer die eigene Vorstellung dessen ist, was man erhalten möchte, desto besser stehen die Chancen auf ein stimmiges Ergebnis ohne kostspielige Umwege und schlechte Kompromisse.
Für alle Dienstleistungen, die keine persönliche Anwesenheit erfordern (wie z.B. Homepage-Gestaltungen), bieten sich im Internet zahllose Möglichkeiten, diese in Ländern mit niedrigeren Lohnkosten durchführen zu lassen. Könnte, je nach Sachlage, auch ein Tauschhandel möglich sein?

2) Jazzscouts

Im Tanz- und Theaterbereich bieten sogenannte Scouts eine professionelle Übernahme von Einführungen vor und Publikumsgesprächen nach der Performance. Da Jazz eine Musik mit vergleichsweise großem Vermittlungsbedarf ist, könnte die Rekrutierung von Scouts durchaus lohnend sein.
Wieder stellt sich die Frage, ob neben dem klassischen Dienstleistungseinkauf nicht auch Tauschhandelsmodelle möglich sind: Rabatte, Freikarten, Tonträger, Unterrichtsstunden…?

3) Publikums-Warm-Up

Keine Fernsehaufzeichnung vor Studiopublikum kommt ohne sie aus – die Warm-Upper, die das Publikum vorab in Stimmung bringen und während der Sendung stets animieren, sich an den richtigen Stellen wie gewünscht zu verhalten.
Zwar kann die Vorstellung, bei einem „ernsthaften“ Jazzkonzert einen Gute-Laune-Clown in der ersten Reihe sitzen zu haben, schnell ins Gruselige abdriften, jedoch ist der Grundgedanke, eine fachkundige Person mit Einführung und atmosphärischer Auflockerung der Veranstaltung zu betrauen, zunächst einmal nicht verkehrt.

Einer der eindrücklichsten Workshops auf dem letztjährigen UDJ-Jazzforum war die Einführung in die Resonanzlehre durch deren Begründer Thomas Lange. Die Resonanzlehre fusst auf der Erkenntnis, dass sich Klang und Bewegung gegenseitig beeinflussen. Verspannungen und gestörte Bewegungsabläufe beim Musizieren mindern den Resonanzreichtum der produzierten Klänge, daher ist es wichtig und der Musik zuträglich, möglichst gelöst musizieren zu können.
Gleiches gilt auch für die Rezipienten der Klänge – je gelöster das Publikum, desto eindringlicher kann es die Musik und die durch sie transportierten Gefühle und Stimmungen wahrnehmen und wertschätzen, desto besser, weil intensiver, wird folglich das Konzerterlebnis für alle Beteiligten.
Eine solche Art des Publikums-Warm-Ups könnte für den Jazz sehr hilfreich sein.

4) Jazzplan Deutschland

Auf Initiative der Kulturstiftung des Bundes wurden zwischen 2005 und 2010 insgesamt 12,5 Mio. Euro zur Durchführung des Tanzplans Deutschland eingesetzt, dessen Ziel es war, die Rahmenbedingungen für den Tanz in Deutschland zu verbessern und seine öffentliche und kulturpolitische Wahrnehmung zu stärken. In verschiedenen deutschen Städten wurden so Ausbildungs-, Informations- und infrastrukturelle Projekte ins Leben gerufen und gefördert. Einige dieser Projekte schafften es, sich nach Auslaufen des Tanzplans anderweitig zu finanzieren, weshalb diesbezüglich von einem nachhaltigen Erfolg gesprochen werden kann.

Ein ähnliches Strukturentwicklungsprogramm (JazzPlan) fordert die Bundeskonferenz Jazz derzeit für den Jazz in Deutschland. Einer der Förderschwerpunkte soll die „Förderung von Kooperationen zur Erschließung neuen Publikums für den Jazz“ sein. Eine solche übergeordnete (und finanzierte) Audience-Development-Maßnahme wäre eine riesige Hilfe, ersetzt aber in keinem Fall das persönliche Engagement aller Beteiligten.

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