Beruf: Jazzmusiker (5) – Zusammen ist man weniger allein

Jazzmusiker sind oft als Einzelkämpfer unterwegs in einem Arbeitsfeld, das sehr auf den „ganz eigenen, persönlichen Stil“ fixiert ist. Jeder sucht für sich nach einer Nische, einer Marktlücke, in der er sich sein Auskommen sichern kann. Und die Kollegen sind immer auch ein Stück weit Konkurrenten.


Wollen wir unser Werk einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen, ist es fast unumgänglich, dass wir uns in Abhängigkeiten begeben – zu Konzertveranstaltern, Booking-Agenturen, Labels oder Musikverlagen.

Solange es dem Marktsegment, in dem wir Einzelkämpfer uns bewegen, einigermaßen gut geht – und das war im 20. Jahrhundert recht lange so –, funktioniert diese „Infrastruktur“ und wir können wir es uns leisten, unseren individualistischen Ansatz konsequent zu verfolgen.

In schwierigen Zeiten aber – und momentan sind sie etwas schwierig – wird schnell deutlich, dass der einzelne Musiker das schwächste Glied der Kette ist. Gehen die Einnahmen aus Konzertkarten- und Tonträgerverkauf zurück, reichen Veranstalter, Agenturen und Labels das wirtschaftliche Risiko stets an den Musiker weiter, um ihr eigenes wirtschaftliches Überleben zu sichern. Da wir Musiker aber niemanden haben, auf den wir das Risiko abwälzen könnten, stehen wir plötzlich vor der Frage, für wie viel weniger Geld wir bereit sind, unsere Arbeit anzubieten.

In diesen schwierigen Zeiten müssen wir Einzelkämpfer uns zusammentun und unsere Kräfte bündeln, um gemeinsam unser Auskommen zu sichern. Das ist in der Geschichte des Jazz schon häufiger geschehen und hat eine lange Tradition – und es geschieht auch zur Zeit wieder verstärkt. Die Wiederbelebung der Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) ist das beste Beispiel für diese positive Entwicklung.

Am Anfang dieser Wiederbelebung stand Anfang 2012 der Jazzmusikeraufruf. Viele hundert Jazzmusiker forderten gemeinsam öffentliche Unterstützung, den Erhalt bestehender sowie den Aufbau neuer professioneller Strukturen. In der Folge bekamen wir zwar in erster Linie zu hören, unsere Musik sei gesellschaftlich nicht mehr relevant, und überhaupt dürfe man Kunst nicht wegen des Geldes machen. Aber der Jazz war zurück in der öffentlichen Wahrnehmung, über ihn wurde diskutiert, und nicht nur Feuilletons und Radiosender, sondern auch Politiker wurden hellhörig.

Mittlerweile – gerade einmal zwei Jahre später – hat die neu organisierte UDJ bereits erstaunliche Erfolge vorzuweisen. Die Mitgliederzahl hat sich verdreifacht, die UDJ entsendet Vertreter in zahlreiche wichtige Fachgremien, Organisationen und Jurys. Nicht zuletzt dank geschickter politischer Lobbyarbeit war die UDJ in der Jury des 2013 erstmalig vergebenen Spielstättenprogrammpreises gleich zweifach vertreten – und überaus erfolgreich: über die Hälfte der Preise und über 400.000€ des Preisgeldes gingen an Clubs und Initiativen im Jazzbereich. Für den Fortbestand dieses Preises wird nun auf politischer Ebene intensiv geworben.

Der mit 15.000€ dotierte Albert-Mangelsdorff-Preis, den die UDJ seit 1994 alle zwei Jahre vergibt, wurde 2013 an den Posaunisten Nils Wogram vergeben.

Zahlreiche neue Kooperationen mit Fachzeitschriften, Tonstudios oder Versicherungen bieten UDJ-Mitgliedern zudem Rabatte und Sonderkonditionen.

Zusammenhalt und Solidarität waren, sind und werden für uns Jazzmusiker stets von essentieller Wichtigkeit sein! Natürlich kämpft nach wie vor jeder für seinen Platz, seine Nische. Aber wir brauchen starke übergeordnete Organisationen, die uns an Stellen helfen, an die wir als Einzelkämpfer niemals kommen könnten – aus Mangel an Zeit, Energie und dem richtigen Netzwerk an Kontakten.
Die UDJ ist ein Vorzeigebeispiel für Kollegialität und Zusammenhalt: der Vorstand besteht aus Jazzmusikern und arbeitet ehrenamtlich zur Stärkung der gesamten deutschen Jazzszene.

Falls Ihr noch nicht Mitglied seid – genauere Informationen zur UDJ findet Ihr in dieser Präsentation, hier geht es zum Mitgliedsantrag. Dauert keine fünf Minuten und kostet keine fünf Euro im Monat. Seid alle dabei! Je mehr wir sind, desto stärker ist unsere Stimme.

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