Im offenen Gelände – Zum Tod von Cassandra Wilson

Die Sängerin, Gitarristin und Produzentin starb am 1. September 2026 mit 70 Jahren in ihrer Heimatstadt Jackson, Mississippi. Ihre größte Wirkung erzielte sie mit dem, was sie wegließ. Erklären musste sie nichts. Dass Blues und Avantgarde, Geschichte und Improvisation zusammengehören konnten – all das ergab sich, während sie darin sang. Und sie griff selbst zur Gitarre: nicht virtuos im klassischen Sinn, aber als Teil dieses Klangkörpers. Sie wollte nicht vor einer Band stehen, sondern sich innerhalb der Musik bewegen. Werbung In Erinnerung geblieben ist nicht zuletzt ein Auftritt beim Moers-Festival, wo Cassandra Wilson vor gut zehn Jahren, am 14. Mai 2016, auf der Bühne stand – nicht mit einem klassischen Jazzquartett oder einer Band, die ihre bekannten Blue-Note-Sounds reproduzierte, sondern mit dem Trio Harriet Tubman: Brandon Ross an Gitarre und Banjo, Melvin Gibbs am Bass, J. T. Lewis am Schlagzeug. Das Projekt hieß „Black Sun“. Schon der Bandname war ein Statement: Harriet Tubman führte im 19. Jahrhundert versklavte Menschen über das Underground Railroad in die Freiheit. Entsprechend weit entfernt von gefälligem Crossover war die Musik des Trios: elektrisch, schwer, bluesgetränkt, mitunter geradezu bedrohlich – ein …

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