Jazzfest Berlin 2018 | Tag 4 | Melancholielinien – Der verspätete Jazz

Das Jazzfest Berlin 2018 ist vorbei. Ein letzter Abend im Haus der Berliner Festspiele bot drei Acts über die man fast hinweggehen könnte, um sich gleich einer Schlussbewertung zuzuwenden. Aber der Chronist ist gefragt, wenigstens die letzten Eindrücke einzusammeln. Ein bisschen verräterisch wurde freudfehlerisch der Abend von der Moderatorin mit „Ohren zu“ angeteast. Und das ganze als „Melancholic Sunday“. Da wäre zur Eröffnung „Kim Myhr (Norwegen/Australien) – You | me“ auf der Bühne gewesen: drei Schlagzeuger und drei Gitarristen sowie ein Bassist boten zwei längere musikalische Klangschalen an, deren Verlauf ich hier einmal nachzeichne. Zwei Klangbilder aus minimalem (aber perkussiv reichhaltigem – ich liebe die Große Trommel) Material. Beim zweiten im Dauerpuls von Achteln im taktweisen Wechsel von zwei Akkorden, als hüpfe man von einem Bein aufs andere. Kann man machen, findet seine Freundinnen. Ist, so gehört, radikalreduziert oder langweilig. …

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Bill Frisell (USA) – Music is | © HuPe-kollektiv

Jazzfest Berlin 2018 | Tag 4 | Mary Halvorson Octet / Bill Frisell

Der letzte Abend auf der „Großen Bühne“ des Hauses der Berliner Festspiele. Das HuPe-kollektiv (nicht der Autor der Blogtexte!) hat das in Fotos gebannt gesammelt, so wie auch schon an den anderen drei Tagen. Auf der Bühne standen Bill Frisell und das Mary Halvorson Octet (Bericht folgt). An dieser Stelle ein ganz herzlicher Dank an die Fotografin in der ersten Reihe. Schauen Sie sich auch die anderen drei Blogeinträge an, die sie fotografisch eingefangen hat, die anders als am letzten Tag, noch weitaus mehr gutes Material hergaben (siehe Ende des Artikels). Mary Halvorson Octet (USA) – Away with you Mary Halvorson guitar Susan Alcorn pedal steel guitar Dave Ballou trumpet Jon Irabagon alto saxophone Ingrid Laubrock tenor saxophone Jacob Garchik trombone John Hébert bass Tomas Fujiwara drums Bill Frisell (USA) – Music is Bill Frisell guitar solo In der Zugabe …

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Jazzfest Berlin 2018 | Tag 3 | Suppentopf-Typologien

Vorsicht Star! Alarm! Ein Konzert mit viel Jazzgeschichte kündigte die Moderatorin des dritten Abends im Haus der Berliner Festspiele an. Eingeladen waren zwei (drei) größere Besetzungen. BigBand und BigEnsembles. Dabei blickte man in der Tat tief in die Anfänge der Jazzgeschichte zurück. Und in die Kochkunst. Abgekocht, abgeschmeckt: Instantsuppe Jazzmeia Horn betrat mit der WDR BigBand und ihrer Show „A Social Call“ zuerst die Bühne. Um genau zu sein, etwas später. Zunächst durften sich Leiter Bob Mintzer und die WDR BigBand für ein Stück selbst präsentieren. Es ist leider eine andauernde traurige Geschichte beim Jazzfest, dass eine ARD-BigBand dabei sein muss. Selten kommt es dabei zu ganz eigenen Ereignissen. So eben leider auch hier. Jazzmeia Horn setzte sich sozusagen auf die Arrangements von Bob Mintzer drauf. Klar, kann Mintzer arrangieren, klar die BigBand das umsetzen, das ist deren Job. Solide, …

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Irreversible Entanglements (USA) – © HuPe-kollektiv

Jazzfest Berlin 2018 | Tag 2 | Friday Blast

In diesem Jahr hat das Jazzfest Berlin jeden Tag mit einem Motto versehen. Der Freitag stand dabei unter dem Motto „Friday Blast“. Voller Stoff also, Durchlüften! Man kann manches zum aktuellen Jazzfest sagen, ausgewogen ist es jedenfalls nicht. Und das ist gut so. Denn es beweist so nötige Kompromisslosigkeit in der Sache „Musik“. Das Haus der Berliner Festspiele in der Schaperstraße war rappelvoll. Dabei sind die programmierten Bands – mit Ausnahme des Art Ensemble of Chicago – eher Kennerinnen bekannt. Und wo man vermeintlich etwas vorweg kennen mochte, war die Aufstellung doch jeweils neu: Uraufführung, Special Edition, Weltpremiere! Improvisationskörper Der Karton mit Überraschungen war also gut gefüllt. Und geblastet hat es auch. Wie gleich zu Beginn bei Irreversible Entanglements (USA). Trompete, Saxophone, Kontrabaß, Schlagzeug und Poetry. Etwa 50 Minuten pures hyperagiles Improvisationsgestöber mit Klangspielphasen, die gleichwohl nicht weniger „intensiv“ waren. …

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Duo „Hamid Drake & Yuko Oshima“ (USA/Japan). Foto: HuPe-kollektiv

Jazzfest Berlin 2018 | Tag 1 | “So What Can Jazz Do?”

Das Jazzfest Berlin wird dieses Jahr zum ersten Mal von Nadine Deventer kuratiert. Sie wird vieles anders machen, Akzente neu setzen, kurz: Ihren eigenen Stempel den vier Tagen an der Spree aufdrücken. Die Ansprüche sind hoch, im gegenseitigen Einvernehmen mit den Musikerinnen und dem Publikum. Es ist zugleich ungerecht und dennoch nicht übergehbar, dass Nadine Deventer zugleich als erste Frau dieses Festival strukturiert. Aber ein Geschlecht macht noch keine Musik. Es ist eigentlich damit nur eine notwendige wünschbare Normalität eingetreten. Sie leitet das Fest ja nicht als Frau, so wenig wie es vor ihr die anderen Leiter als Männer getan haben. Über diese kleine Brücke muss man allerdings der Form halber gehen. Zumal es mindestens an zwei Stellen von Vortragenden oder Musikern ausdrücklich erwähnt wurde. Deventers Stempel ist dabei wie immer bei derartigen Veranstaltungen ein Experiment. Was sich am Ende …

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Jazzfest Berlin. Impression. Foto: Hufner

„Haus of Jazz“ eröffnet das Jazzfest Berlin 2018

Die Berliner Festspiele kündigen die zentralen Themen und die ersten Namen von Künstler*innen des Jazzfest Berlin 2018 unter der neuen künstlerischen Leitung von Nadin Deventer an. Das Gesamtprogramm des Festivals wird am 3. September veröffentlicht. Der Kartenvorverkauf startet am 8. September. Die 55. Ausgabe des Jazzfest Berlin unter der neuen künstlerischen Leitung von Nadin Deventer findet vom 1. bis 4. November 2018 statt und präsentiert über 30 Bands und Projekte mit Musiker*innen aus über 15 Ländern im Haus der Berliner Festspiele und an weiteren Orten in der Stadt. Das Festival widmet sich gezielt Künstlerfamilien, setzt thematische Schwerpunkte, schmiedet neue Allianzen und Kooperationen, präsentiert zahlreiche Deutschlandpremieren und Uraufführungen, Installationen, Talks und Filme – hinterfragt, diskutiert und tanzt. Gleich zum Festivalstart am 1. November öffnet das  Haus der Festspiele seine Türen mit einem über 5-stündigen Konzerterlebnis, das mit neun Acts auf insgesamt fünf Bühnen das „Haus of Jazz“ zum Erklingen bringt. Nadin Deventer: „Ich möchte …

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