Ganz in Gold – Malia gastiert im Jazzclub Regensburg

Malia im Jazzclub Regensburg – das hieß ein ausverkaufter Saal mit vielen Fans und Bewunderern. Die Luft knisterte – auffällig, dass die Stimmung nie wirklich hochkochte. Stärker als in früheren, wilden Zeiten, als sie, nur mit Purple Shoes bekleidet, singend durch die Straßen Londons ging, kehrte die  glamouröse Sängerin aus Malawi/London  ihre melancholische Seite in den Vordergrund. Ein harmloses Party-Party-Disco-Disco-Girl war Malia noch nie gewesen. Entertainment kann bei ihr auch ernste Untertöne haben und diese brachte sie authentisch auf die Bühne: Da verdeckte kein Hall den rauen Kern ihrer dunklen Stimme, die zwischen poppiger Bruststimme, jazziger Beweglichkeit und afrikanisch-mehrstimmiger Farbigkeit wechselte. Viele Songs waren Previews auf ihr neues Album, das im September erscheint. Und manches kannte man schon von ihren alten Alben, wie „Echoes of Dreams“ von 2004. Insgesamt bot Malia ein sehr abwechslungsreiches Programm zwischen Cover-Versionen von Marvin Gay oder Henry Mancini-Songs (Moon River) und originell gemachten Eigenem. Durch den Abend getragen wurde sie von einer ganz feinen Truppe junger und agiler Herren: Pianist Alex Wilson als Wirbelwind der Stile zwischen Jazz, Pop, Salsa und Latin, Bassist Dimitri Christopoulus als das dunkle instrumentale Pendant …

Weiterlesen

BMW Welt Young Artist Jazz Award – ein Preis bekommt einen kleinen Bruder. Ein Interview mit Thomas Girst zum Award 2016

Am 24. Januar 2016 beginnt die neue Serie des BMW Welt Jazz Award mit einem Konzert des Bassisten Dieter Ilg. Er wird in der ersten von sechs Sonntagsmatineen im bewährten Trio mit dem Pianisten Rainer Böhm und dem Schlagzeuger Patrice Heral die Musik des Klassikers Beethovens intelligent und groovend in zeitlosen Jazz verwandeln. Aus Anlass der Starts der achten Ausgabe des Awards, der auch 2016 mit einem spannenden Doppelkonzertfinale enden wird, sprach Andreas Kolb für JazzZeitung.de mit Thomas Girst, dem Leiter des Kulturengagements der BMW Group. JazzZeitung: Herr Girst, Sie kommen ursprünglich aus der Bildenden Kunst. Nach sieben Ausgaben des BMW Welt Jazz Awards kann man aber doch sagen, der Preis liegt nicht nur der BMW Welt und ihren Besuchern am Herzen, sondern auch der BMW Kulturabteilung. Wie hat er das geschafft? Thomas Girst: Auf persönlicher Ebene empfinde ich es als Geschenk, dass im Bereich des Kulturengagements der BMW Group Genres dazukommen, die außerhalb dessen liegen, was man von der Ausbildung her kennt. Zu unseren Themen wie Bildende Kunst, Design und Architektur gehören seit langem auch Jazz und Klassische Musik. Jazz ist heute eines unserer …

Weiterlesen

Aus dem Bergwerk an die Spitze – Wolfgang Dauner zum Achtzigsten

Der 1935 in Stuttgart geborene und dort bis heute lebende und arbeitende Komponist und Musiker Wolfgang Dauner ist seit mehr als fünf Jahrzehnten ein Innovator für den Jazz aus Deutschland. Am 30.12. 2015 feiert der Jazzpianist seinen achtzigsten Geburtstag: Anlass für JazzZeitung.de die Laudatio zu publizieren, die JazzZeitungs-Chefredakteur Andreas Kolb am 21. November 2003 bei der Verleihung der „German Jazz Trophy – A Life for Jazz“ in Stuttgart hielt.   Lieber Wolfgang Dauner, sehr geehrte Damen und Herren, als Chefredakteur der Jazzzeitung begegne ich immer wieder jungen, begabten Musikern, die vor der Frage stehen: „Studiere ich Jazz? Werde ich Jazzmusiker? Oder soll ich nicht doch lieber einen bürgerlichen Beruf ergreifen?“ Mit einem Blick auf die Vita des heute hier Ausgezeichneten fällt mir eine Antwort da nicht schwer: „Mach‘ es einfach wie Wolfgang Dauner. Lebe deine Leidenschaft für den Jazz. Berührungsängste darfst du aber keine kennen: als Jazzmusiker musst du unter Umständen dein Geld auch mal mit anderer Musik verdienen. Außer du bist Erbe von Beruf.“ Nach dem Krieg, Wolfgang Dauner war 1945 zehn Jahre alt, dachte man in Deutschland weniger in künstlerischen Kategorien, als in …

Weiterlesen

Fabulous Swedish Jazz on Stage

Warum gibt es so viele gute Jazzmusiker aus skandinavischen Ländern? Jazzmusik scheint dort einfach einen anderen Stellenwert zu haben als in Deutschland. Das drückt sich im Ausbildungssystem aus, aber auch in einer Exportförderung, wie sie deutsche Künstler schon lange vermissen. Aktuelle schwedische Export-Künstler waren jetzt in der Unterfahrt zu Gast: Das „Fabulous Swedish Jazz on Stage“-Showcase der Gesellschaft Svensk Jazz unter der Schirmherrschaft von Nils Landgren präsentierte auf der legendären Münchner Bühne drei Bands mit drei jeweils ganz verschiedenen Konzepten. Gemeinsam war ihnen nur die Staatsangehörigkeit – abgesehen von zwei dänischen Mitspielern – und der Mut zur Innovation. Die Band Nacka Forum orientiert sich an großen Vorbildern des freien afroamerikanischen Jazz wie Ornette Coleman oder dem Art Ensemble of Chicago. Aber auch die intergalaktische Musik eines Sun Ra stand Pate. Schön dass sich jemand an das Musikvermächtnis insbesondere der beiden Letztgenannten traut. Das Nacka Forum hielt sich dabei nicht Note für Note an die Musik der Vorbilder, sondern erweckte eher deren Geist zum Leben. Davids Angels ist ein ungewöhnliches Pop-Jazz-Konzept, in dessen Zentrum die Sängerin Sofie Norling steht. Nicht Improvisation stand hier im Vordergrund, sondern …

Weiterlesen

Nicole Johänntgen erhält den „JTI Trier Jazz Award“

Am 21.8. erhielt Nicole Johänntgen den „JTI Trier Jazz Award“ 2015. „Jazz gespielt, als ob ihr Leben davon abhinge“,„…sie lebt die Musik.“, „Starke Rhythmen, überraschende Effekte, gekonnte Akzente“, „Energetische Kaskaden“ – das sind nur einige Beschreibungen aus Presseberichten über Nicole Johänntgen (33), der Preisträgerin des „JTI Trier Jazz Award“, der bereits im sechsten Jahr von dem Tabakunternehmen JTI (Japan Tobacco International)  und unter der Schirmherrschaft von Triers Kulturdezernent Thomas Egger vergeben wurde. Das Preisträgerkonzert findet am 29. August um 20:00 in der Kunsthalle der Europäischen Kunstakademie Trier statt. Die Preisträger der Vorjahre waren Marylin Mazur (2010 international), Oliver Strauch (2011 national/interregional), Toots Thielemans (2012 international), Pascal Schumacher (2013 national/interregional) und Stefano Bollani (2014 international). Wer mehr über die frischgebackene Preisträgerin erfahren möchte, dem seien ihre beiden jüngsten Babies ans Herz gelegt. Ihre beiden aktuellen CDs zeigen die Bandbreite der quirligen Saarländerin mit festem Wohnsitz in Zürich. Da ist zunächst das Album „Colours“, eingespielt mit ihrem bereits 17 Jahre existierenden Quartett „Nicole Jo“. Die Formation mit ihrem Bruder und Keyboarder Stefan Johänntgen, dem Schlagzeuger Elmar Federkeil und seit einigen Jahren dem Bassisten Philip Rehm, wurde 1998 …

Weiterlesen

Audience Development (14) – weiterführende Literatur

Hier noch ein kleiner Nachtrag zu meiner Audience Development-Blogserie – eine Leseliste für alle, die das Thema gerne noch weiter verfolgen möchten. Ein wesentlicher Teil meiner Ressourcen zu dieser Reihe entstammt einer Katalogsuche mit dem Stichwort Audience Development im Jazzinstitut Darmstadt. Gerade die zahlreichen Artikel älteren Jahrgangs sind leider nur dort im Archiv zu finden, können aber gegen kleine Gebühr nicht nur vor Ort kopiert, sondern auch per mail in digitalisierter Form bestellt werden. Viele der jüngeren Artikel (nach 2000) sind, wie könnte es anders sein, im Internet jederzeit kostenlos abrufbar. In diesen Fällen ist der Link beigefügt. Auffällig ist die ungleiche zeitliche Verteilung der Quellen: War das Thema „Jazzpublikum“ in der zweiten Hälfte der 1950er und der ersten Hälfte der 1960er offenbar von großer Aktualität, verschwand es anschließend lange Jahre in der Versenkung, bis ihm Dollase/Rüsenberg/Stollenwerk 1978 erstmals ein ganzes Buch widmeten. Danach dauerte es weitere zwanzig Jahre, bis sich mit Beginn des neuen Jahrtausends zahlreiche Autoren wieder dem Thema annahmen. Interessant, aber wissenschaftlich nicht zu beantworten wäre die Frage, inwieweit die beobachteten Häufungen mit der Marktdurchsetzung neuer Massenmedien (Fernsehen in den 1950ern, Internet …

Weiterlesen

Ein Münchener Jazz Sommer zwischen Tradition und Moderne

Sieben Konzerte in fünf Tagen, das ist kein großes Jazzfestival wie es andere Musikstädte haben, aber ein großartiges. Während das Motto früherer Ausgaben salopp gesagt „USA im Hotel Bayerischer Hof“ hätte heißen können, haben Bookerin Katarina Ehmki und Hotelchefin Innegrit Volkhardt jetzt eine Jazz-Tour du Monde vorgestellt: Nigeria, USA, Brasilien, Frankreich und Israel waren dieses Jahr vertreten. Und dass die gewohnten Salsaklänge am Ende des Festivals entfielen, mag die latinische Tanz-Community Münchens enttäuscht haben, aber nicht die Jazzer: Ein sehr improvisationsfreudiger Al Jarreau gestaltete den Festival-Höhepunkt im ausverkauften Festsaal. Im Vergleich zu seinem letzten, eher konventionell wirkenden Münchner Konzert 2011, war der Maestro diesen Sommer wie ausgewechselt, ein Mister 10.000 Volt: Er riss „sein“ Publikum, das alle Hits aus dem Stand mitsingen konnte, sofern der Maestro ihm den Einsatz dazu gab, völlig hin- und mit. Jarreau redete viel, aber wie: Aus Ansagen wurden Wortgedichte, Scat-Gesang oder gar vokale Instrumentals. Jarreaus Dankesworte an die Veranstalterin Innegrit Volkhardt für die langjährige erprobte Zusammenarbeit, oder sentimentale Altersrückblicke wurden durch Jarreaus permanente Wortakrobatik zu einem einzigen, quasi durchkomponierten Stück, in dem Musik, Ansage, Gesang und zeitgemäße Arrangements seiner alten …

Weiterlesen
Andreas Schaerer Meets Arte Quartett & Wolfgang Zwiauer: Perpetual Delirium, BMC CD 214

Verrückt vor Musik: Andreas Schaerer und das Arte Quartett mit „Perpetual Delirium“

Seit 20 Jahren bereichert das Arte Quartett die Saxophonliteratur durch aufregende, neue Werke. Wie ein Streichquartett ist auch ein Saxophonquartett ein eingespielter Organismus. Damit dieser Organismus nicht hermetisch wird, sondern stets in Beziehung zur musikalischen Außenwelt treten kann, initiieren die Ensemblemitglieder Beat Hofstetter, Sascha Armbruster,  Andrea Formenti und Beat Kappeler immer wieder Projekte mit Künstlern, die über reine Kompositionsaufträge hinausgehen. Darunter waren bisher musikalische Unternehmungen mit Urs Leimgruber, Hans Feigenwinter, Terry Riley, Michael Riessler, Tim Berne, Fred Frith, Nick Didkovsky, Pierre Favre, Lucas Niggli und Rabih Abou-Khalil. Der jüngste Auftrag ging an den Sänger, Beat Boxer, Vokalartisten, Komponisten und musikalischen Tausendsassa Andreas Schaerer – in personam Bandleader und Hauskomponist der extravaganten Schweizer Formation „Hildegard lernt fliegen“. Schaerer nahm erst einmal die Vermessung des Virtuosenensembles vor, indem er spezifische Sounds, die das  Quartett ihm anbot, wie Multiphonics, diverse Anblastechniken und Mischklänge aufzeichnete. Mit diesem Material auf der Festplatte setzte Schaerer sich ans Klavier und machte sich ans Komponieren. Entstanden ist eine 9-teilige Suite „Perpetuum Delirium“ für Saxophonquartett, E-Bass und Stimme. Komponierte Passagen wechseln sich mit improvisierten ab, und der E-Bass von Wolfgang Zwiauer gibt vor allem Schaerer …

Weiterlesen

Das Lukas Brenner Trio in Ochsenhausen

Von Andreas Kolb – Zuerst waren da die Geige und das Schulmusikstudium an der Musikhochschule Stuttgart. Doch das war Lukas Brenner nicht genug: Er studierte Jazzklavier und ist seit fünf Jahren mit seinem eigenen, dem Lukas Brenner Trio unterwegs. Gemeinsam mit Nico Amrehn (Bass) und Felix Schrack (Schlagzeug) war Brenner am 27. Januar von Stuttgart nach Oberschwaben in die Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg gekommen, um im legendären Bibliothekssaal des ehemaligen Klosters ein Festkonzert der besonderen Art zugeben. Der Arbeitskreis der Musikbildungsstätten in Deutschland feierte an diesem Tag sein 30-jähriges Bestehen sowie die Neugründung eines Verbands der Bundes- und Landesakademien. In der Atmosphäre eines Privatkonzertes wie es die Äbte in barocken früheren Zeiten pflegten, entführte das Brenner Trio die rund 20 Akademiedirektoren in eine Jazz-Klangwelt, die nicht nur von Standards wie „Someday my Prince will come“ oder „Stella by Starlight“ inspiriert war, sondern vor allem durch die Eigenkompositionen des jungen Pianisten geprägt. Das Konzert im Stil moderner Klassik präsentierte Melodisches, inspiriert von den Beatles, den Modi eines Olivier Messiaen und dem Spielgestus der „Jungen Lyrischen“.  

Weiterlesen

Fabelhaft Österreichisches: FAT bei den 7. BMW Welt Jazz Awards

Den Auftakt des 7. BMW Welt Jazz Awards gestaltete vor zwei Wochen das Michel Sajrawy Trio mit arabeskem Gitarrenjazz, der den Orient in die futuristische Kuppel des BMW Welt-Doppelkegels brachte. Konzert Nummer zwei bestritt das österreichische Trio FAT des in Los Angeles lebenden Wiener Gitarristen Alex Machacek. FAT heißt ausgeschrieben Faboulous Austrian Trio und der Name ist Programm: Gitarrist Alex Machacek, Bassist Raphael Preuschl und Schlagzeuger Herbert Pirker erzeugen zu dritt sagenhafte Klanggebilde, die in ihrer Wucht an eine große Formation denken lassen und deren Komplexität von Altmeistern  wie Allan Holdsworth oder Frank Zappa inspiriert wurden. Thomas J. Krebs war dabei und dokumentierte das Konzert für www.jazzzeitung.de. Bericht auf nmz.de: http://www.nmz.de/online/hutmode-headbanging-und-neue-frisuren-alex-machaceks-fabulous-austrian-trio-gab-gas-beim-bmw-      

Weiterlesen