Im Rausch der Roscher-Band   

Nach Jahren der Weihnachts-Zwangspause brachte die Bigband von Monika Roscher den Jazzclub Regensburg zum Kochen. Ob heute viele Musikerinnen derart selbstbewusst und energisch zupackend aufträten, wollte eine Zuhörerin nach dem gefeierten Auftritt der Monika Roscher Bigband wissen. Es seien heute deutlich mehr als vor drei oder vier Jahrzehnten und sie seien in allen Instrumentengruppen vertreten, lautete ein Teil der Antwort. Die Münchner Musikerin allerdings ist auch in der femininer gewordenen Jazzszene ein rares Talent.

Außerhalb des Sichtkreises der Bühne schreibt, arrangiert und textet Roscher Musik für Streichquartett, ebenso wie für ihre Bigband, für Orchester und Bühneninszenierungen. Auf der Bühne agiert sie als Multitalent. Sie dirigiert, spielt mitreißend Gitarre, singt und übernimmt die Moderation. Dabei unterhält sie das begeisterte Publikum mit ihrer authentischen Mischung aus Charme und Leidenschaft. Bei aller Professionalität hat man bei der sympathischen Fränkin immer den Eindruck, dass sie ganz bei sich ist, wenn sie über die Entstehung ihrer Songs und Kompositionen erzählt.

Hat ihr Jazzorchester im künstlerischen Griff: Dirigentin und Komponistin Monika Roscher. Foto: Michael Scheiner

Ein solcher Song dreht sich um „8 Princesses“, die das Nordlicht stehlen wollen. Heftige Ausbrüche auf der Gitarre sind eingebunden in einen zwiespältig-gruseligen Groove über welchen düstere Bläserstaccatos laufen. Sie habe, erzählt die fantasievolle Komponistin, in einer Schlagzeile von acht Prinzessinnen gelesen, die vor Gericht stünden. „Was“, habe ihr Kopf zu rattern begonnen, ohne dass sie weitergelesen habe, „haben diese Frauen getan, die doch alles haben können, dass sie angeklagt worden sind?“ Aus diesem Gedankenkarussell ist ein bildhafter Song entstanden, in welchem Pianist Josef Ressle wie besessen auf einer Note hämmert, während ein Trompeter auf seinem Instrument einen klezmerartigen Tanz aufführt.

Filmmusik zum Zuhören

Roscher baut ihre Kompositionen häufig wie filmisch anmutende Soundgemälde oder vielgestaltige Klanglandschaften mit oft wechselnden Stimmungen auf. Mit 28 Jahren hat ihr das die anerkennende Behauptung eingetragen, sie könne auch den Titelsong für einen James-Bond-Film schreiben. Während der Arbeit für ein neues Album, welches kommendes Frühjahr erscheinen soll, hat sie daher beschlossen, diesen Gedanken in die Tat umzusetzen. Nur habe sie, schränkt sie gleich wieder ein, „soviel mehr und verschiedene Einfälle“, wenn sie zu schreiben beginne, „dass nur die ersten zehn Sekunden davon wirklich James Bond sind.“ Danach sei aus dem Song ganz etwas anderes geworden. Dieses ,etwas’ sind die „Creatures of dawn“, ein brandneuer Song mit gefährlich stolperndem Groove, einem effektvollen Trompetensolo und spannender Dramaturgie.

Bei Roschers vielfältigen Aufgaben auf der Bühne im Leeren Beutel könnte man meinen, dass das eine oder andere zu kurz kommt. Weit gefehlt! Selbst wenn die souverän auftretende Musikerin ihre Fender Stratocaster voller Inbrunst bei einem ihrer seltenen Soli aufheulen lässt, hat sie ihre Band fest im Griff. Kaum beendet, reißt sie die Arme hoch, um den Posaunensatz anzufeuern, dämpft die Saxofone und nickt dem hochkonzentrierten Schlagzeuger für seine verzwickte Arbeit anerkennend zu. Echtes Multitasking , denkt man im Stillen, können anscheinend doch nur Frauen praktizieren.

Stilistisch auf der Höhe der Zeit

Stilistisch ist die Künstlerin, die in München Komposition und Jazzgitarre studiert hat, ganz auf der Höhe der Zeit. In ihren Stücken mischt sie Rock- und Jazzelemente mit komplexen Rhythmen und wechselnden Taktarten, setzt Formen des Minimalismus und der sogenannten Weltmusik ein. Oft prägen starke Kontraste ihre manchmal auch suitenartig angelegte Kompositionen. Dabei entstehen rasche Wechsel zwischen tonnenschwerem Bläsergrollen und zarten, schwebenden Flötenklängen, zwischen auftrumpfenden Tutti und unbegleiteten Soli voller Intensität und einem leidenschaftlichen Ausdruck.

Zuhause an der Gitarre: Monika Roscher. Foto: Michael Scheiner

Ziemlich außergewöhnlich ist Roschers Talent die im Jazz wurzelnde formal und stilistische Vielfalt ihrer Musik mit poetischen und fantasievollen lyrics aufzufüllen. Sie singt über „Fírebirds“ und eine direkte Verbindung nach oben, „Direct connection to heaven“, über ein feministisches „Witches Brew“, eine Antwort auf Miles Davis` Version des Zaubertranks „Bitches Brew“, und „Unbewegte Sternenmeere“. Letzterer, der einzige Song auf deutsch, ist eine Reminiszenz an den deutschen Weltumsegler Hein Zenker. Hervorzuheben sind beim Jazzclubkonzert in Regensburg Ressle am Flügel, Patrick Bethke mit Elektrosounds und Bassist Alex Bayer, ohne damit die beeindruckenden Leistungen und Fähigkeiten der anderen Bandmitglieder schmälern zu wollen.

Text und Fotos: Michael Scheiner

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