Heimspiel mit universellem „Heimatjazz

Mit Heimatsound der anderen Art wird der Kölner Komponist und Gitarrist David Plate beim Jazzclub Regensburg gefeiert. Wie die so unsinnigen wie nervigen Plastikpapperl auf jedem einzelnen Obststück, wird seit einiger Zeit in Bayern auf jedes Musikstück, welches nur im entferntesten etwas mit der alpenländisch-bajuwarischen Region zu tun hat das Papperl „Heimatsound“ draufgeklebt.

 

Demzufolge macht auch David Plate Heimatsound, denn der Kölner Gitarrist und Komponist ist gebürtiger Regensburger. Etwas tiefer eingestiegen, könnte man nach rheinländischem oder bayerischem Heimatsound unterscheiden. Und richtig tief gegraben kommt man darauf, dass der Jazz bereits in seinen Anfängen kosmopolitische Stränge hatte. Diese katapultieren das Genre, wie letztlich auch jede Popmusik, in die Stratosphäre eines globalen Heimatsounds.  Beim Jazzclub im Leeren Beutel stellte Plate sein während der Coronazeit entstandenes Album „Bull`s Eye“ mit einem Septett erfahrener Musiker einem begeisterten Publikum vor. Seine Kompositionen, oft für Bigband geschrieben und arrangiert, verbinden nicht selten komplexe Strukturen mit rhythmischer Raffinesse und eingängigen Themen.

David Plate. Foto: Michael Scheiner

 

Stilistisch ist er dabei nach vielen Seiten offen. Seinem Faible für lateinamerikanische Formen lässt er ebenso Raum, wie Funk- und Souleinflüssen, einem geschmeidigen Mainstreamjazz, Fusion und Blues. Seine Soli spielt er üblicherweise auf der Jazzgitarre, diesmal aber auf einer akustischen Gitarre, um dadurch auch den Flamenco zu Wort kommen zu lassen. Plates Musik ist groovy, von einer sinnlichen Eleganz und reich an klangliche Nuancen. „Chasing“ entfaltet sich über einem markanten Groove, dem Saxofonist Hubert Winter mit einem leidenschaftlichen Solo auf dem Sopran seine DNA einschrieb und den der aus Skopje stammende wunderbare Bassist Martin Gjakonovski einfühlsam vorantrieb.

 

Stilistisch wie personell vielfältig

Stand das erste Set noch etwas unter emotionaler Zurückhaltung – die Musiker mussten sich für den ersten gemeinsamen Auftritt zusammenfinden –, spielten sie nach der Pause spürbar freier. In Stücken wie dem einer Suite angelehnten „Caraway Seed“, das durch wechselnde Taktarten eine Art Unwucht bekam, dem prägnanten „Tango“ mit einem wunderbaren Solo von Felix Fromm auf der Posaune, und „Funghi Boon“ mit packend akzentuierten funky Bläsersätzen. Den intensivsten Eindruck aber hinterließen zwei intime Balladen, die ohne die Bläser, darunter Matthias Knoop an der Trompete, auskamen. Wie eine Mischung aus Barockmusik und lateinamerikanischen Klängen wurde „Samira“, das der Gitarrist der kleinen Tochter eines Freundes gewidmet hat, vom Publikum mit Hochrufen und begeistertem Pfeifen regelrecht bejubelt.

 

 

Für den Musiker, der seinen ersten Unterricht bei Helmut Nieberle bekam, war der gefeierte Auftritt ein Heimspiel, bildete die Fraktion der Mitschüler vom Goethegymnasium doch eine feste Bank. Ganz zum Schluss: Es war schon richtig erfreulich, nach vielen Duos, Trios und anderen Kleinformationen endlich wieder einmal eine etwa größere Besetzung unterhalb der Bigband mit vorzüglichen Musikern zu erleben.

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