Alles in die Tonne. Foto: Hufner
Swing swing swing. Eine typische Jazz-Zufalle. Foto: Hufner

Die Zufalle: Ein offener Brief von Olaf Z. an Till B. – mit Beipackzettel

Der Beginn einer wunderbaren Brieffreundschaft? Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, hat heute dem Jazz-Musiker Till Brönner in einem offenen Brief auf sein Videostatement geantwortet:



Offener Brief

Lieber Till Brönner,

herzlichen Dank für Ihr deutliches Statement zu den bedrückenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Kulturbereich. Es ist sehr wichtig, dass die unmittelbar Betroffenen sich deutlich zu Wort melden.

Fast allen Ihren Ausführungen kann ich mich anschließen. Der jetzt beschlossene neuerliche Lockdown für den Kulturbereich ist sehr schmerzhaft und für sehr viele Kulturschaffende existenzbedrohend. Wir ringen deshalb mit der Politik darum, zumindest eine einigermaßen angemessene finanzielle Entschädigung sicher zu stellen. Und wir konnten in den letzten Monaten auch wichtige Unterstützungsmaßnahmen für den Kulturbereich anregen, wie u. a. das eine Milliarde Euro große spezielle Kulturinfrastrukturprogramm „Neustart Kultur“.

Auch deshalb haben mich Ihre Äußerungen über die fehlende Interessenvertretung im Kulturbereich sehr irritiert. Sie sagen in Ihrem Statement: „Wir in der Veranstaltungs- und Kulturbranche sind noch immer zu leise, weil wir keine ernstzunehmende Gewerkschaft haben.“

Der Kulturbereich hat gute Interessenvertretungen, allein den acht Sektionen des Deutschen Kulturrates gehören 261 Bundeskulturverbände an, das sind Berufsverbände, Gewerkschaften, Verbände der Kultureinrichtungen und Kulturwirtschaftsverbände, die mit großem Engagement die Interessen ihrer Mitglieder vertreten. Aber natürlich könnten die Berufsverbände und Gewerkschaften sicher noch mehr Gehör in der Politik und in der Öffentlichkeit erhalten, wenn mehr bekannte Künstlerinnen und Künstler sich in diesen Verbänden engagieren und Verantwortung übernehmen würden.

Lieber Herr Brönner,

am Ende Ihres Statements sagen Sie: „Aufwachen und zeigen, dass wir verstanden haben.“ Ich freue mich in diesem Sinne auf Ihre zukünftigen Aktivitäten in einem der Kulturverbände oder vielleicht wollen Sie sogar einen neuen Verband gründen. Wie auch immer, gemeinsam sind wir noch stärker.

Olaf Zimmermann
Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates


Dem lege ich freundlich einen Beipackzettel bei.

Nach komplizierten Recherchen habe ich einen Verband gefunden. Die Deutsche Jazzunion zum Beispiel. Sollte das Herrn Brönner entgangen sein? Hier der Link.Der Weselsky heißt hier allerdings Neuser. Aktuell:

Oder soll man das etwa als subtile Kritik an diesem Verband verstehen, Till Brönner. Wer wäre denn Ihr Weselsky des Jazz? Und eine Stufe drüber fände man auch den Deutschen Musikrat (hier der Link). Aber da sitzen wohl allesamt nur Schlafmützen. Die nmz hat in der letzten Ausgabe über einige Verbände berichtet, die sich gerade neu bilden. Die freuen sich über Engagement, zumal wenn es so prominent ist wie das Ihre, Herr Brönner.

Von den anderen Interessenvertretungen wie GEMA, Deutscher Komponistenverband, GVL oder Composers Club mal ganz zu schweigen. Gewerkschaften sind seltener (ver.di), aber es gibt auch weitere Verbünde und Verbände wie den Deutschen Tonkünstler*innenverband, Verbände der freien Szene. Ihre Student:innen  in Dresden werden Sie sicherlich gerne informieren.

PS: Bevor ich es vergesse, der Zufall will es, dass am 30. Oktober dann auch noch die neue Platte von Till B. erschienen sein gewesen worden wird ist. So ein Pech auch.

 

 

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