Piano Extravaganza Festival Sofia 2019 mit Chucho Valdés

Bereits zum neunten Mal findet in der bulgarischen Hauptstadt Sofia das „Piano Extravaganza Festival“ unter der künstlerischen Leitung von Ludmil Angelov statt. Angelov, selbst ein renommierter klassischer Pianist, hat als diesjähriges Highlight den kubanischen Pianisten Chucho Valdés für ein Solo Jazz Recital in die ehrwürdige „Bulgaria Hall“ Sofia eingeladen. Man mag es kaum glauben, aber der 1941 in Havanna geborene Valdés gab bereits im Jahr 1968 sein erstes Konzert in Bulgarien.


Mit Kappe und Humor

Valdés erschien wie immer mit Kangol Kappe sowie dunklem Sakko auf der Bühne, setzte sich an den Steinway und begann den Abend mit einer ergreifenden Version von „Somewhere Over The Rainbow“, versehen mit Gershwin Zitaten sowie dem Thema aus Bachs „Jesu, Joy of Man’s Desiring“ als Ende des Harold Arlen Stückes. Danach präsentierte er einen klassischen Blues, wiederum gespickt mit illustren musikalischen Zitaten. Das Publikum folgte gebannt dem Spiel Valdés, der die Zuhörer auf eine persönliche Reise durch seinen vielfältigen Pianokosmos entführte. Sein Sakko legte er zwischenzeitlich behutsam in den Flügel und spielte im dunklen Rollkragenpullover, die Ärmel hochgeschoben, weiter. Nach „But Not For Me“ folgten kubanische Rhythmen, danach „Stormy Wheather“, eine Charlie Parker Nummer, „Besame Mucho“ (relaxt virtuos und überhaupt nicht kitschig) sowie ein funkensprühendes Gershwin Medley, versehen mit klassischen wie jazzigen Zitaten, gewürzt mit einer Prise Humor, wie man es von Valdés kennt und von ihm erwartet.

Für Ohren und Herzen

Die Akustik der Bulgrian Hall mit ihren holzgetäfelten Wänden ist wie geschaffen für Piano Recitals. Ungefähr 1000 Zuhörer im fast ausverkauften Saal genossen den Abend und nicht zuletzt aufgrund der Begeisterung des Publikums ließ es sich Valdés zum Schluss nicht nehmen den Abend mit zwei Zugaben ausklingen zu lassen. Alles in allem ein großartiges, virtuoses Konzert, das Ohren wie Herzen durchgehend bewegte und begeisterte.

Apropos Sofia – die Stadt bietet, abgesehen von den obligatorischen Sehenswürdigkeiten, eine beachtliche Auswahl an Locations für Livemusik. Ob Jazz, Rock, Indie & Co – die Szene ist extrem lebendig und vielfältig. Kleiner Tipp am Rande für alle die Sofia in naher Zukunft besuchen: Mitte November erscheint im Dumont Verlag ein Sofia-Stadtführer extrem nah am Puls der Stadt. Mit einem Sofia-Kompass, der 15 Stationen beinhaltet, entgeht einem da garantiert nichts.

Text & Fotos Thomas J. Krebs

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