Beruf: Jazzmusiker (10) – Outro

In den letzten Wochen und Monaten habe ich zahlreiche Facetten meines Berufs beleuchtet, drängende Probleme benannt und nach Lösungen gesucht. Hierbei ging es mir weniger um die Vermittlung szene-internen Detailwissens als um die Einordnung in den gesellschaftlichen Kontext und das aktive Werben für diese großartige und wichtige Kunstform.


Ich begreife Jazzmusiker – letztlich Künstler insgesamt – sehr wohl als Teil der Gesellschaft. Sie mögen hin und wieder an deren Rand stehen, um abseits ausgetretener Pfade beobachten, denken und handeln zu können. Dennoch sind und bleiben sie stets integraler Bestandteil jeder denkwilligen Gesellschaft und verdienen als solche nicht nur Duldung und Akzeptanz, sondern eben auch die nötige Unterstützung bei der Schaffung und Erhaltung tragfähiger Strukturen, die sie für die Ausübung ihrer Aufgabe benötigen.

Auf Kulturförderung zu verzichten, weil sie sich nicht „rechnet“, ist ein ebenso altes wie grundsätzlich falsches Muster, wie Richard von Weizsäcker mehr als einmal angemahnt hat. In seiner Abschiedsrede heißt es beispielsweise:

„Chöre, Orchester und Bühnen, Sammlungen, Ausstellungen und Initiativen aller Art gehören nämlich auch zu den Vorbildern in der Kosten-Nutzen-Relation. Ihre Kosten sind kleiner als fast alle anderen Haushaltstitel, ihre Wirkung aber geht tief und tut der ganzen Gesellschaft wohl. Es ist nicht nur schöner, sondern es spart am Ende auch Geld, gutes Zusammenleben und Entspannung unter den Menschen mit Hilfe der Kultur zu fördern, anstatt die Folgekosten von sozialem Unfrieden tragen zu müssen. Kultur ist eben kein entbehrlicher Zierrat, sondern humane Lebensweise der Bürger.“

Zwanzig Jahre nach Ende seiner Amtszeit sieht die Welt für Künstler dennoch eher schlechter als besser aus. Umso wichtiger ist es, dass wir uns der Notwendigkeit dauerhafter Lobbyarbeit bewusst sind und gemeinsam entsprechend handeln. Egal ob als aktives Mitglied oder passiver Unterstützer: Wir haben nichts zu verschenken und können es uns nicht leisten, unpolitisch zu bleiben.

Rückblickend finde ich es schade, dass das Thema Geld eine so große Rolle in den Artikeln eingenommen hat. Leider blieb mir – mit Blick auf die momentane Gesamtsituation – nichts anderes übrig. Ich habe jedoch stets versucht, die zahllosen positiven Aspekte meines Berufs und der Kunstform Jazz hervorzuheben und Lust auf die eingehendere Beschäftigung mit ihr zu wecken.

Ich möchte noch einmal betonen, dass es trotz aller Kritik, die ich auch an Entwicklungen im privat-gesellschaftlichen Bereich geäußert habe, keineswegs meine Absicht war, (Jazz-)Hörer zu verunglimpfen oder ihnen die Freude am Kulturgenuss zu vermiesen. Im Gegenteil!
Nur muss uns allen klar sein, dass Arbeit stets angemessen entlohnt werden sollte – und jeder von uns seinen Teil dazu beitragen kann und muss. Dazu gehört für mich das kritische Hinterfragen und letztlich das Ablehnen von Geschäftsmodellen, deren Erfolg einzig und allein auf der Ausbeutung von Künstlern fußt.

Ich habe versucht, ein möglichst umfassendes Bild meines Berufs zu erstellen. Sollte ich einen oder mehrere wichtige Punkte noch nicht berücksichtigt haben, freue ich mich diesbezüglich über Kommentare und schreibe gegebenenfalls noch eine Folge 11 als Nachtrag.

Ansonsten wird es, da die Improvisation im Jazz eine zentrale Rolle einnimmt, an dieser Stelle in nächster Zeit eine Reihe von „Improvisationen über Improvisation“ geben. Ich freue mich auf zahlreiche Mitleserschaft.

Die Schlussfrage überlasse ich erneut Herrn von Weizsäcker: „Sind wir uns bewusst, dass die Kultur Quelle unserer Humanität und Fundament unserer Zukunft ist, die es energisch zu fördern und allseits zu praktizieren gilt?“

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